Neues Förderprogramm

Bis zu 17.000 Euro Zuschuss für Digitalprojekte

Berliner Unternehmen können seit Montag die Digitalprämie bei der IBB beantragen. Die Industrie- und Handelskammer rechnet mit reger Nachfrage.

Das Land Berlin fördert Digitalisierungsprojekte in Unternehmen. Anträge können seit Montag gestellt werden.

Das Land Berlin fördert Digitalisierungsprojekte in Unternehmen. Anträge können seit Montag gestellt werden.

Foto: Axel Heimken / dpa

Berlin. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin rechnet bei der Digitalprämie des Landes mit einer großen Nachfrage durch die hiesigen Unternehmen. Das Interesse der Berliner Wirtschaft sei hoch, sagte der Kammer-Geschäftsführer für Wirtschaft und Politik, Jörg Nolte, am Montag der Berliner Morgenpost. Mehr als 500 Unternehmen hätten vorab an einer gemeinsamen Informationsveranstaltung von IHK und Investitionsbank Berlin (IBB) teilgenommen.

Die Digitalprämie kann seit Montagnachmittag auf den Internetseiten der Förderbank beantragt werden. Innerhalb der ersten zwei Stunden seien bereits 400 Anträge registriert worden, sagte ein Sprecher der IBB. Mit dem Zuschuss unterstützt das Land Berlin die digitale Transformation der Firmen. Abgängig von der Größe des Unternehmen sind Zahlungen von bis zu 17.000 Euro möglich. Insgesamt stehen im Fördertopf Digitalprämie 80 Millionen Euro zur Verfügung.

Pop: Firmen sollen Wettbewerbsfähigkeit sichern

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagte zum Start des neuen Förderprogramms: „Für Berliner Unternehmen führt kein Weg an der Digitalisierung vorbei, wenn sie ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern wollen. Darum unternehmen wir alles, damit die Berliner Wirtschaft auch aus dieser Krise besser gerüstet herausgeht. In Zeiten der Corona-Krise bieten wir den Unternehmen bei der digitalen Transformation mit unserem Förderprogramm zusätzliche finanzielle Unterstützung an.“

Mit dem Start der Digitalprämie werde auch die Möglichkeit einer telefonischen und förderspezifischen Beratung zum Programm angeboten, sagte der Vorstandsvorsitzende der IBB, Jürgen Allerkamp. „Die Telefonnummer der Beratungshotline wird mit Antragsstart auf der Förderwebsite veröffentlicht, auf der auch weitergehende Informationen zum Programm zu finden sind.“

Kleinere Firmen können bis zu 7000 Euro Zuschuss beantragen

Die Digitalprämie richtet sich an kleine und mittelgroße Berliner Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten sowie an Solo-Selbstständige. Lediglich Firmen mit zehn bis 249 Mitarbeitern steht allerdings die maximale Förderhöhe von bis zu 17.000 Euro in Aussicht. Kleine Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und Solo-Selbstständige erhalten hingegen nur maximal 7000 Euro für ihre Digitalisierungsprojekte.

Gefördert werden können einer Aufstellung zufolge unter anderem Ausgaben zur IT-Sicherheit, digitale Kassensysteme, 3-D-Druck-Systeme, digitale Arbeitszeiterfassung oder Lohnbuchhaltung. Nicht unterstützt werden die Anschaffung von Standard-Software oder Hardware wie Laptops. Aber auch Qualifizierungsmaßnahmen, die zu einer verbesserten digitalen Kompetenz der Beschäftigten führen, können von der öffentlichen Hand unterstützt werden.

Digitalprämie kann laut IHK nur ein erster Schritt sein

Die Prämie sei ein wichtiger Impulsgeber für kleine und mittlere Unternehmen, Prozesse zu digitalisieren, neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln oder ein höheres IT-Sicherheitsniveau umzusetzen, betonte die Industrie- und Handelskammer. „Wichtig ist jetzt zweierlei: Unternehmen müssen die Prämie tatsächlich wie versprochen schnell und unbürokratisch erhalten. Zum anderen schließt die Digitalprämie zwar eine wichtige Lücke bei den digitalrelevanten Förderprogrammen, sie kann aber nur ein Baustein sein. Dieser muss ergänzt werden durch eine enge Begleitung durch die Digitalagentur Berlin, eine digitalisierte Verwaltung, eine gigabitfähige digitale Infrastruktur und eine zentrale Steuerung der Digitalisierungsstrategie im Land Berlin durch die Senatskanzlei“, so Jörg Nolte weiter.

FDP warnt vor Überforderung der Unternehmen

Die FDP im Berliner Abgeordnetenhaus kritisierte hingegen das Förderprogramm. „Gut gemeint ist nicht gut gemacht“, sagte der Fraktionssprecher für Digital-Politik, Bernd Schlömer. Für die Digitalisierung lokaler Produktion, Liefer- oder Wertschöpfungsketten sei ein anderer Zugang als diese Art der Prämie nötig. Besser wäre es laut FDP, gezielt Entwicklungsaufträge zu vergeben, um so Lösungen beispielsweise für eine verbesserte IT-Sicherheit für die Zielgruppe bereitzustellen. „Was soll ein Handwerker mit fünf Beschäftigten denn neben seinem 25-Stunden-Tag noch alles machen, um von diesen Förderbedingungen zu profitieren“, fragte Schlömer mit Blick auf den zusätzlichen Antrags- und Verwaltungsaufwand für die Betriebe.