Neuer Flughafen

Vor der Eröffnung: Das große Putzen am BER

Zehn Tage vor Eröffnung des Hauptstadtflughafens säubern Mensch und Roboter das Terminal. Auch die Technik ist bereit.

360.000 Quadratmeter Grundfläche werden am Flughafen BER täglich von Mitarbeitern und Robotern gereinigt.

360.000 Quadratmeter Grundfläche werden am Flughafen BER täglich von Mitarbeitern und Robotern gereinigt.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Schönefeld. Langsam rollt der kleine Kasten vorbei an den Check-in-Schaltern durch die Halle des Terminal 1 am BER. Auf dem Marmorboden vor ihm spiegelt sich ein blaues Licht, das er ausstrahlt. Hinter dem Gerät bleibt ein leichter Wasserfilm auf dem Untergrund zurück: Es ist ein Putzroboter. Bis auf ein leises Surren zieht er stumm seine Bahnen durch die Halle – und weicht automatisch aus, sobald ihm jemand im Weg steht.

Die Apparatur ist der modernste, aber bei weitem nicht der einzige Punkt dessen, was Samira Liebscher „die Magie hinter den Kulissen“ nennt. Liebescher ist Leiterin der Infrastruktur des Facility Managements am BER und sorgt dafür, dass am neuen Hauptstadtflughafen alles sauber und hygienisch zugeht. „Jeder erwartet einen sauberen Flughafen. Wir sorgen dafür, dass es klappt.“

Dafür ist in Schönefeld ein Team von 200 Mitarbeitern im Einsatz. Täglich reinigen sie eine Grundfläche von 360.000 Quadratmetern am Flughafen. Hinzu kommen 220.000 Quadratmeter Glas- und Fassadenflächen, die ebenfalls durchgängig gesäubert werden. Auch zehn Tage vor der Eröffnung des BER sind die Mitarbeiter im Einsatz, um dem Flughafen den letzten Schliff zu verleihen. Alle Ecken, die der Roboter nicht erreicht, bohnern Reinigungskräfte händisch. Hubfahrzeuge heben währenddessen Fensterputzer in luftige Höhen, um auch dort die Scheiben zu säubern.

Wegen Corona-Pandemie stehen am BER Desinfektionsmittelspender

Zum Start des Flugbetriebs soll es am BER gut aussehen. Doch in Zeiten von Corona erhält der Dienst mit Lappen und Putzmittel eine zusätzliche Bedeutung, sagt Liebscher. „Das Thema ist in den vergangenen Monaten nochmal wichtiger geworden.“ Bereitstehen im Airport daher seit Kurzem 89 Desinfektionsmittelspender.

An den Check-in-Schaltern sind Glasscheiben als Spuckschutz aufgestellt. Die letzten bauen Handwerker am Donnerstagmittag ein. Bis zur Eröffnung sollen zudem mehr als 4000 Sticker auf Boden und Wänden kleben und Reisende an die Einhaltung des Mindestabstands zu anderen mahnen. Während beim Check-in fast alles fertig ist, wird auf anderen Ebenen noch gearbeitet. Dutzende Mitarbeiter bauen auch zehn Tage vor Eröffnung noch an ihren Ladenlokalen. Andere haben die Ware bereits fertig eingeräumt.

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Toiletten am BER haben neue Mülleimer bekommen

Auch auf den Toiletten hat die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) nach der Kritik während des Probebetriebs nachgebessert. Viele Tester hatten beklagt, dass die in die Wände eingebauten Mülleimer an den Waschbecken kaum zu finden und nur schwer mit einem Druck der Hand zu öffnen seien. Nun sind neue Mülleimer mit großen Öffnungen außen auf die Wände gebaut.

Mit einem anderen Vorwurf sah sich die FBB zuletzt konfrontiert. Der ehemalige Planer der Entrauchungsanlage am BER, Alfredo di Mauro, hatte erklärt, die Belüftung des Flughafens würde Viren in der Raumluft verteilen. Es drohe „Lebensgefahr“. „Das ist nicht zutreffend“, erklärt Ralph Struck, Leiter des Bereichs Facility Management, am Donnerstag. Di Mauro habe die Rotationswärmetauscher gemeint, durch die bei der Kühlung Raumluft mit Außenluft vermischt wird. „Die haben wir deaktiviert. Die Gefahr ist gleich Null.“

Mit ganz anderen Sicherheitsproblemen musste sich Struck in den vergangenen Jahren befassen. Neben der Entrauchungsanlage haben vor allem die Sicherheitstüren lange Ärger gemacht. Mehr als 5300 Türen gibt es am BER, 1200 davon sind mit der zentralen Haus-IT verbunden und müssen sich im Notfall automatisch öffnen lassen. „Das hätte 2012 nicht geklappt“, sagt Struck. Jetzt schon. Wir haben es richtig verbunden.“

15.000 Gepäckstücke pro Stunde sind am BER transportierbar

Für noch anspruchsvoller aus technischer Perspektive hält der Manager ohnehin die Gepäckförderanlage. „Sie ist das Herzstück. Damit steht und fällt der Flughafen.“ Bis zu 15.000 Koffer und Taschen lassen sich mit der Logistikanlage durch den Bauch des Airports sortieren und transportieren. Das macht einiges an Fläche nötig: 200 Meter lang und 100 Meter breit ist die Halle direkt neben dem Rollfeld, in der all dies geschieht.

Vom der Gepäckabgabe kommend werden die Koffer auf mehr als 8000 Förderbändern hier der passenden Maschine zugeordnet. „Das läuft alles voll automatisch“, sagt Struck. Dafür bekommt jede Tasche ein Label. „So wissen wir immer, wo welcher Koffer ist.“ Zwischen der Abgabe am Check-in-Schalter bis hier unten vergehen so nur etwa fünf Minuten, erklärt Struck. Einzig das Umladen der Koffer auf die Trolleys, die dann zum Flugzeug gefahren werden, geschieht noch durch Mitarbeiter von Hand.

Während des Probebetriebs konnte die Anlage endlich zeigen, was sie kann. Struck und seine Mitarbeiter haben den nahen Eröffnungstermin trotzdem fest im Blick. Anders als vieles andere am BER war die Gepäckförderanlage schon zum ursprünglichen Eröffnungstermin 2012 einsatzbereit. „Wir betreiben sie schon seit acht Jahren“, sagt Struck. Zwei Mal in der Woche wird die Anlage dafür hochgefahren. „Wir freuen uns, dass es jetzt endlich in den richtigen Betrieb geht.“