Humboldt Forum

33 Millionen mehr: Das Berliner Schloss wird immer teurer

Das Projekt überspringt mit 677 Millionen Euro die Kostenobergrenze. Der Bundestag muss 33 Millionen Euro nachschießen.

Soll ab Dezember schrittweise eröffnen: Das Humboldt Forum im wieder aufgebauten Stadtschloss

Soll ab Dezember schrittweise eröffnen: Das Humboldt Forum im wieder aufgebauten Stadtschloss

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin. Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldt Forum in Mitte wird immer teurer. Inzwischen haben die erwarteten Ausgaben für das Großprojekt den bisher vom Bundestag gesetzten Rahmen von 644 Millionen Euro gesprengt. Die Stiftung Humboldt Forum rechnet inzwischen mit 677 Millionen Euro.

Die zusätzlichen 33 Millionen sind bisher nicht finanziert. Das geht aus dem Bericht des Bundesministeriums für Inneres, Bau und Heimat (BMI) an den Haushaltsausschuss des Bundestages hervor. Es sei „absehbar“, dass die „skizzierten Mehrkosten im Projekt nicht mehr zu kompensieren“ seien, schreibt das Ministerium.

Nun muss der Haushaltsausschuss die zusätzlichen Millionen im Bundeshaushalt für 2021 aufbringen. Das soll in der sogenannten „Bereinigungssitzung“ geschehen, wenn am Jahresende nicht ausgegebenes Geld in andere Vorhaben umverteilt wird.

Es wäre der dritte Nachtrag zum 2015 inklusive des Dachrestaurants auf 595 Millionen Euro veranschlagten maximalen Budget. In der Folge war 2019 die Obergrenze wegen Bauverzögerungen und steigender Baupreise bereits um 49 Millionen angehoben worden.

Die im Projekt eingepreisten Risikovorsorgen sind bereits aufgebraucht, sodass frisches Geld des Steuerzahlers benötigt wird. Ob damit das Projekt fertig abgerechnet werden kann , ist offen. „Kostenrisiken über die aktuelle Prognose hinaus bestehen“, schreibt das BMI.

Corona-Pandemie sorge für Mehrkosten auf der Baustelle

Als Grund für die zusätzlichen Kosten geben die Bauherren die Corona-Krise an. Die Bauzeit habe sich verlängert. Bauabläufe seien anhaltend gestört – „insbesondere in den technischen Gewerken und im Ausstellungsbau“. Die technischen Anlagen müssten länger betrieben werden. Der Aufwand für Hygienemaßnahmen sei gestiegen.

Man habe zusätzliche Sanitärcontainer aufgestellt, zusätzliche tägliche Reinigungen angeordnet, Handreichungen zum Umgang mit der Pandemie ausgegeben, zusätzliches Wachpersonal eingesetzt, eine große Pausenfläche in der hohen Eingangshalle geschaffen, damit die Arbeiter nicht in den engen Baucontainern sitzen müssen. Besprechungen seien per Video- und Telefonkonferenzen gelaufen.

„Der Baustellenbetrieb konnte trotz einer deutlichen Reduzierung der Arbeitskräfte auf der Baustelle von bis zu 30 Prozent weitgehend aufrechterhalten bleiben“, schreibt das BMI. Einschränkungen im Reiseverkehr, Quarantänemaßnahmen, Kurzarbeit sowie Schul- und Kitaschließungen seien „Gründe für Fehlzeiten der Fachkräfte am Bau“. Hinzu kämen Lieferverzögerungen für spezifische Produkte und Material. „Beides zusammen führt zu ineffizienten logistischen Umstellungen bisher geplanter Bauabläufe“, lautet das Fazit. Wie sich die Mehrkosten im Detail zusammensetzen, werde noch detailliert ermittelt und baufachlich geprüft. Danach werde der Bundestag informiert.

Der Bund muss allein die zusätzlichen Millionen tragen. Das Land Berlin ist an der Finanzierung des Humboldt Forums durch eingebrachte Grundstücke und mit zusätzlich 32 Millionen Euro beteiligt. Anders als etwa bei der Sanierung der Staatsoper Unter den Linden ist aber der Beitrag des Landes gedeckelt. Bei der Staatsoper war es umgekehrt, die Stadt musste die Zusatzkosten übernehmen.

Für die Fassade fehlen nur noch wenige Spenden

Für die Barockfassade rechnet die Stiftung mit Spenden in Höhe von 80 Millionen Euro, die neben den bisher vom Bund übernommenen 520 Millionen, dem Beitrag des Landes Berlin sowie Vorsteuer-Erstattungen an die Stiftung in Höhe von elf Millionen Euro den Bau finanzieren sollten.

Bisher seien insgesamt 92 Millionen Euro an Spenden für den Schlossbau eingegangen, ein Plus von 4,9 Millionen gegenüber dem Herbst 2019. Von der Gesamtsumme sind 20 Millionen für die als „bauliche Optionen“ bezeichnete Kuppel sowie ein Eckrondell an der Südostseite des Bauwerks reserviert.

Für die historische Fassade sind 72 Millionen Euro Geldspenden, 3,9 Millionen als Sachspenden und weitere zwei Millionen Euro Einnahmen aus der Vorsteuer geflossen. Es bleibe ein „Restbetrag einzuwerbender Barspenden“ von 2,1 Millionen Euro.

Das Humboldt Forum soll nach mehreren Verschiebungen ab Dezember 2020 schrittweise öffnen. Ehe es dazu kommen kann, müssen die mehr als 1080 technischen Anlagen die vorgeschriebenen „Wirkprinzipprüfungen“ bestehen. Die Sachverständigen arbeiten daran noch bis November. Die Ergebnisse seien die „notwendige Grundlage für die bauordnungsrechtliche Freigabe“ des Gebäudes und die „Erteilung der Betriebserlaubnis bis Ende dieses Jahres“.