Airport

Taxi-Fahrer: Flughafen wie Tegel wird es nicht mehr geben

Der Flughafen Tegel bescherte den Taxi-Fahrern lange Zeit gute Umsätze. Mit der Schließung bricht für sie eine neue Zeit an.

Taxifahrer Haydar Akyuz hat lange Zeit Reisende vom Flughafen Tegel in die Stadt gebracht.

Taxifahrer Haydar Akyuz hat lange Zeit Reisende vom Flughafen Tegel in die Stadt gebracht.

Foto: Christian Latz / BM

Berlin. Mit Tegel schließt in knapp drei Wochen für viele ihr Flughafen der Herzen. Haydar Akyuz jedoch ist gerade nicht in der Stimmung, um nostalgisch zu werden. „Es war sehr schön hier. Aber jetzt ist es miserabel.“ Akyuz ist Taxifahrer, einer von mehr als 7000 in Berlin laut Innung. Für viele von ihnen war der Flughafen Tegel eines der Hauptarbeitsgebiete. Der City-Airport ist bekannt für seine besondere Nähe zum Berliner Stadtzentrum – und die schlechte Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Perfekte Bedingungen für Taxifahrer, um ein gutes Geschäft zu machen.

Bis zu 2000 von ihnen sollen laut Innung zu den Hochzeiten des Flugbetriebs in den vergangenen Jahren, als Tegel immer neue Passagierrekorde aufstellte, den Flughafen regelmäßig angesteuert haben. „Hier auf dem Parkplatz war immer alles voll“, sagt Akyuz. Selbst auf der Zufahrt hätten noch wartende Taxis gestanden. Trotzdem hätte der Durchlauf für die Taxifahrer lediglich eine Stunde gedauert und die Fahrzeuge manchmal nicht ausgereicht.

Dreinhalb Stunden Wartezeit auf einen Fahrgast

Diese Zeiten sind seit Monaten vorbei. „Jetzt ist es durch die Pandemie eine tote Zeit“, sagt Akyuz. Auf dem Taxiparkplatz rechts neben der Auffahrt zum Terminal A warten am Montagnachmittag maximal 100 Taxis. Platz wäre für 350. Dennoch geht nichts voran. Das von früher bekannte Landen der Maschinen im Minutentakt bleibt aus – und damit auch die Fahrgäste. Früher hätten manche Fahrer bis zu zehn Fahrten vom und zum Flughafen Tegel am Tag geschafft, erklärt Akyuz. Jetzt warte er regelmäßig zwei bis zweieinhalb Stunden in der Schlange. Am Sonnabend erst, erzählt der Taxifahrer, habe er sogar dreieinhalb Stunden auf einen Fahrgast warten müssen.

Die Zeit vertreibe er sich damit, zwischen den beigen Autos herumzulaufen, sagt Akyuz. Ansonsten hält er sich rund um einen Imbissstand am Parkplatz auf, spricht mit den vielen anderen Taxifahrern dort, oder spielt Backgammon bis es doch irgendwann endlich wieder weiter geht.

Akyuz hat bei der Auslosung ein Laderecht für den BER erhalten

Mit dem Transport von Fluggästen wird es nicht für alle von ihnen weitergehen. Am neuen BER erhalten nach einer Einigung zwischen dem Senat und dem Landkreis Dahme-Spreewald nur 300 Berliner Taxis ein Laderecht. Nur sie dürfen neben den ebenfalls 300 Fahrzeugen aus Brandenburg vor Ort auf Fahrgäste warten. Der Rest muss nach einer Taxifahrt zum BER mit leerem Auto wieder in die Stadt fahren.

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Wer aus Berlin ein Laderecht erhält, wurde vergangene Woche vom Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten ausgelost. Akyuz gehört zu den glücklichen mit der neuen Erlaubnis. Richtig froh ist er darüber jedoch gar nicht. „Ich wohne hier im Norden, dann muss ich jetzt immer leer zum BER fahren.“ Er hätte sich eine Lösung wie in Tegel gewünscht, wo jeder Taxifahrer in der Schlange wartet. Eins ist aber auch ihm klar: „So einen Flughafen wie Tegel wird es nicht mehr geben.“

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