Freizeit

11 Ausflugstipps für Herbstferien in Berlin

Hoch hinaus auf den Teufelsberg, Kunst im Garten oder Geschichte in Friedrichshain – Ausflugstipps für Daheimgebliebene.

Blick in das Fort Hahneberg in Spandau – eines der letzten Ziegelforts im Kaiserreich.

Blick in das Fort Hahneberg in Spandau – eines der letzten Ziegelforts im Kaiserreich.

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Auf zum Fort Hahneberg

Berlin. Die Festung sollte Spandau Ende des 19. Jahrhunderts schützen, ging jedoch nie in Betrieb. Eine Führung durch das Fort Hahneberg lohnt sich dennoch. Dabei kommen nicht nur Geschichtsexperten auf ihre Kosten, sondern auch Naturfreunde. Auf dem Gelände des Forts befindet sich das zweitgrößte Fledermausquartier Berlins. Schafherden weiden auf den weitläufigen Wiesen und auch Füchse, Marder, Dachse und Rehe sind auf dem Hahneberg unterwegs.

Die Festung wurde von 1882 bis 1888 erbaut und ist seit 1990 denkmalgeschützt. Im Kaiserreich war sie eines der letzten Ziegelforts. Weil die Verteidigungstechnik des Gebäudes kurz nach seiner Fertigstellung bereits überholt war, wurde es nie als Festung genutzt. Stattdessen diente es Soldaten als Ausbildungs- und Übungsstätte. Heute wird der imposante Bau als Kulisse für Dreharbeiten genutzt. So drehte Quentin Tarantino 2008 Szenen seiner Weltkriegs-Satire „Inglourious Basterds“, die ARD 2020 das Wintermärchen „Der Goldene Taler.“ Auch eine anschließende Wanderung durch die idyllische Acker- und Wiesenlandschaft in der Umgebung lohnt sich.

Kontakt zum Verein ASG Fort Hahneberg e.V., Ernst-Bruch-Zeile 39, 13591 Berlin. Telefon: 030 319 51 920, E-Mail: infos@forthahneberg.de. Kartenreservierungen unter fbs.fort-hahneberg.de. Kosten für die Führung: Erwachsene (ab 17 Jahre) 7,50 Euro, Kinder (6-16 Jahre) 2,50 Euro.

Herbstausflug in den Britzer Garten

Eine grüne Oase mitten in Berlin: der Britzer Garten. In verschiedenen Gärten und Blütenschauen können Besucher eine einzigartige Pflanzenvielfalt erleben. So gibt es zum Beispiel im Staudengarten auf einer Fläche von rund 10.000 Quadratmetern etwa 35 verschiedene Arten von Stauden, wie Funkie, Rittersporn, Akelei und Lilie. Auch diverse Tiere wie Wald-Ziegen, Skudden-Schafe und Salers-Rinder sind im Park zu Hause. Während einer Fahrt mit der Parkbahn lässt sich die Flora und Fauna des Parks erkunden. Für Kinder wird einiges geboten: Sie können sich auf dem Wasserspielplatz oder auf der Spiellandschaft am Lehmdorf austoben, im Umweltbildungszentrum die Natur erkunden oder Modellboote fahren.

Britzer Garten, Sangerhauser Weg 1, 12349 Berlin. Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag 9 - 18 Uhr, Tickets online unter www.britzergarten.de oder vor Ort buchbar, Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro.

Wanderung zur Halbinsel Stralau

Selbst gezimmerte Hausboote, kleine Häfen mit schaukelnden Segelbooten, Knabenhäuser an der Rummelsburger Bucht: Kein Wunder, dass der Weg am Ufer der Halbinsel Stralau so beliebt ist. Eine fünfeinhalb Kilometer lange Tour lädt Wanderer ein, die schönsten Seiten der Landzunge von Spree und Rummelsburger See mal im Urlaubsmodus zu erkunden. Von der Rummelsburger Bucht aus über das Paul und Paula Ufer geht es zum Palmkernölspeicher, der aus der Industrialisierungszeit Ende des 19. Jahrhunderts stammt. Angekommen an der Spitze der Halbinsel geht es weiter zur evangelischen Dorfkirche Stralau, die aus dem 15. Jahrhundert stammt und somit die älteste in ganz Friedrichshain ist. Ihr Turm neigt sich wegen früherer Unwetterschäden heute noch um fünf Grad zur Seite. Danach geht es wieder zurück in die Rummelsburger Bucht, wo der Rundgang nach etwa eineinhalb Stunden endet.

Umwelt-Lehrpfad im Grunewald

Waldgeflüster weicht Großstadtlärm: Touren durch den immer herbstlicher werdenden Grunewald garantieren ruhige Momente mitten in der Natur – in der Nachbarschaft von Wildschwein, Reh und Waschbär. Auf einer der beliebten Wanderrunden gelangt man durch das ehemalige Jagdrevier von Kurfürst Joachim II. Historische Informationsstationen säumen den Weg. Auf der leicht begehbaren Tour können Wanderer zudem ihr ökologisches Wissen vertiefen. Blau eingefärbte Baumstämme erläutern etwa, welche Menge an Holz benötigt wird, um den CO2-Bedarf der Berliner Stadtbevölkerung zu decken. Auch ein Holzwürfel, dessen Größe dem sekündlichen Zuwachs an Holz in deutschen Wäldern entspricht, eine Umwelt-Messstation sowie ein Trinkwasserbrunnen lassen Naturinteressierte auf ihre Kosten kommen. Am Ende der Wanderung geht es schließlich zur Havel, in diesem Fall an den Strand an der Lieper Bucht. Als Start- und Endpunkt dient die stadtangebundene Bushaltestelle „Grunewaldturm“. Ohne Pause braucht man für die Wanderung etwa eineinhalb Stunden.

Berlin vom Wasser aus neu entdecken

Die Hauptstadt lässt sich mit Freunden und Familie auch zu Wasser erkunden. Wer Lust darauf hat, kann sich ein Boot mieten und damit auf Tour durch Berliner Gewässer gehen. Eine beliebte Route in der Innenstadt beginnt an der Oberbaumbrücke, führt über den Landwehrkanal zum Schloss Bellevue und anschließend wieder auf der Spree zur Museumsinsel und zurück zur Oberbaumbrücke. Wer hingegen am Schloss Köpenick und entlang des Teltowkanals auf Erkundungstour gehen möchte, kann an der Insel Bullenbruch beginnen, dann das Kabelwerk Oberspree passieren und schließlich an der Rohrwallinsel vorbei bis zum Britzer Hafen am Teltowkanal fahren. Der Vermietungsservice Spreeboote bietet auch Boote an, die man ohne Bootsführerschein fahren kann, darunter etwa Tretboote.

Hafen und Hof Service UG, Zur Alten Flussbadeanstalt 5, 10317 Berlin. E-Mail: mail@spreeboote.de. Bürozeiten Montag bis Sonntag ab 9 Uhr bis Sonnenuntergang. Mietpreis für eine Stunde je nach Bootstyp zwischen 13 und 95 Euro.

Mit dem Fahrrad zu den Tiefwerder Wiesen

Vom barocken Schlossgarten nach Klein Venedig – die gut 13 Kilometer lange Radtour vom Schloss Charlottenburg in die Tiefwerder Wiesen bietet Abwechslung. Auf dem Weg dorthin kommt man am Ufer der Spree und dem Olympiastadion vorbei. Spätestens wenn am Wegrand der Stößensee auftaucht, hat man die Stadt hinter sich gelassen. Die Strecke führt weiter in die Havel- und Spreetalniederung. Schließlich erreicht man den Pichelswerder Wald bei den Tiefwerder Wiesen. Das Landschaftsschutzgebiet ist der letzte Ort Berlins, an dem Hechte laichen. Ebenfalls ansässig ist die von zahlreichen Kanälen durchzogene Kleingartenkolonie „Klein Venedig“.

Gartenkunst am Lietzenseepark

Der Lietzenseepark in Charlottenburg verzaubert: die ruhenden Schwäne auf den Wiesen, das Rascheln der Trauerweiden im Wind und die imposanten Brunnenanlagen, die das Ufer säumen. Vor 100 Jahren hatte der damalige Gartendirektor Erwin Barth den Park so angelegt, dass die Blicke der Besucher auf ästhetische Sichtachsen gelenkt werden. Auf einem Rundweg um den Lietzensee kann man Barths Gartenkunst bestaunen. An der Ecke Kaiserdamm/Witzlebenplatz beginnend führt die Route rechts vorbei an der kleinen Kaskade, ein Brunnenspiel nach den Entwürfen Barths. Kurz dahinter ragt der Dachgiebel des Parkwächterhauses empor. Ab 1925 war es das Heim des Parkwächters, stand lange Zeit leer und soll nun saniert werden. Schließlich gelangt man zu Barths großer Kaskade an der Spitze des Sees und kann den Blick von dort über den gesamten Park schweifen lassen. Dem Weg am anderen Ufer folgend kommt man schließlich zum Kuno-Fischer-Platz. Er ist etwas verwildert und nicht mehr ganz so prachtvoll, wie ihn Barth konzipiert hatte. Hier wurde jedoch die 1913 von Gerhard Janesch geschaffene prachtvolle Steinskulptur eines Fauns aufgestellt, der einem Knaben das Flötenspiel lehrt.

Auf neuen Pilgerrouten durch Spandau

Was den Pilgerweg in Spandau auszeichnet, sind die vielfältigen Impressionen, die man gewinnt, wenn man den Pfad entlanggeht. Vor allem weil er durch unterschiedliche Gebiete Spandaus führt: Es geht mal durch die Natur, mal am Wasser entlang, mal durch Großsiedlungen, wie an der Heerstraße. Die Strecke, unterteilt in mehrere Rundwege, verbindet auf 75 Kilometern alle 24 evangelischen sowie zwei katholische Kirchen in Spandau miteinander. Die Kirchen selbst unterscheiden sich stark: von der Weihnachtskirche bis zur Stiftskirche, der Schilfdachkapelle zur Laurentiuskirche und von der Kirche St. Nikolai zur Zufluchtskirche. Wanderer können den „Fluss“-Rundweg im Norden Spandaus wählen. Er führt unter anderem durch den Spandauer Forst, um die Insel Gartenfeld und über die Insel Eiswerder, vorbei an Altbauten, genauso wie durch große Neubaugebiete. Auf der „Stadt“-Strecke laufen Pilger unter anderem durch die Altstadt und die Großsiedlung im Falkenhagener Feld, aber auch entlang der Havel und durch den Südpark. Im Süden schließt sich dann der „Land“-Weg an. Es geht am Havelufer entlang, außerdem durch das Landschaftsschutzgebiet der Rieselfelder Karolinenhöhe und zum Hahneberg.

Das Brandenburger Tor im Miniaturformat

Nur in ein paar Minuten vom Brandenburger Tor über die Zitadelle Spandau weiter zum Schloss Rheinsberg – das geht nur im Modellpark Berlin-Brandenburg. Mehr als 80 originalgetreue Modelle architektonischer Attraktionen aus beiden Bundesländern gilt es in dem 3,5 Hektar großen Landschaftspark zu entdecken. Darunter Siegessäule oder Pergamonmuseum. Die Nachbauten der überwiegend geschichtsträchtigen Gebäude im Maßstab 1:25 werden von Berliner Modellbauern angefertigt.

Modellpark Berlin-Brandenburg, An der Wuhlheide 81, 12459 Berlin. Telefon: 030 36446019, Öffnungszeiten: täglich von 10-17 Uhr. Eintrittspreise: 4,50 Euro (ermäßigt 2,50 Euro).

Eine Tour entlang der Panke

Historische Industriehöfe, Kreativquartiere und pittoreske Bibliotheken: All das kann man auf einer Radtour entlang der Panke erkunden. An der Gerichtstraße in Wedding kann die Route beginnen, die den 29 Kilometer langen Fluss entlangführt. Dieser entspringt im Landkreis Barnim in Bernau und mündet nach gut 20 Kilometern auf Berliner Stadtgebiet in die Spree. Der Lindower Straße folgend, kurz hinter dem Nettelbeckplatz, erreicht man die einstigen Werkstätten des Nordens. Das ehemalige Industriegelände bietet heute Platz für Schreinereien, Coworking-Spaces und Lofts. Dem Flusslauf folgend entdeckt man ein Quartier der kreativen Szene: die Uferstudios für zeitgenössischen Tanz. Ein weiterer Höhepunkt der Tour sind die Bibliothek am Luisenbad, errichtet 1888, gemeinsam mit einer damaligen Badeanstalt. Ein architektonisches Kleinod ist auch die im Jahr 1905 gebaute „Kafé-Küche“ mit ihren farbig glasierten Klinkern. Der Osloer Straße folgend erreicht man den Soldiner Kiez. Dort befindet sich die Kolonie Wedding, die sich für künstlerische Ausstellungs- und Projekträume einsetzt. Schließlich kann man die Tour bis zum Bürgerpark Pankow fortsetzen und im Rosengarten Station machen. Dort können sich Kinder im Kinderbauernhof Pinke Panke austoben.

Führungen auf den Teufelsberg

Auf dem Teufelsberg kann man einen 360-Grad-Rundumblick über Berlin genießen. Mit seinen 120 Metern Höhe gilt er als der zweitgrößte Berg der Hauptstadt. Was in den letzten 100 Jahren so alles mit ihm passierte, kann aktuell wegen der Corona-Pandemie nur auf exklusiven Führungen oder auf eigene Faust auf „stillen Begehungen“ beobachtet werden. Entstanden aus Trümmern, beherbergt der zweithöchste Berg Berlins heute die größte Graffiti-Galerie Europas. Zu bestaunen gibt es außerdem die Bauwerke der „Field Station“ und die ehemalige Abhörstation des US-Militärs. Während des Kalten Krieges nutzten die Soldaten den Teufelsberg, um DDR-Behörden auszuspionieren. Der Berg entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Rohbau der Wehrtechnischen Fakultät der Nationalsozialisten gesprengt wurde. In den Folgejahren wurde dort Schutt hingefahren, ab 1973 die Schuttlandschaft mit Sand und Mutterboden gestaltet und rund eine Million Bäume gepflanzt.

Teufelsberg, 14055 Berlin, private Führungen zu buchen unter ds@teufelsberg-berlin.de, Kosten: 15 Euro, Stille Begehungen von Mittwoch bis Sonnabend möglich, jeweils 11 Uhr bis Sonnenuntergang.

Weitere Ausflugtipps finden Sie im Morgenpost-Magazin „Draußen“ (8,90 Euro) – erhältlich unter www.shop.morgenpost.de