Flughafen Tegel

Endstation Tegel: Eine letzte Fahrt mit dem TXL

Der Countdown für das Ende des Flughafen Tegels läuft. Unser Autor Christian Latz ist ein letztes Mal mit dem TXL-Bus gefahren.

Fahrt zum Flughafen Tegel mit dem Bus

Der Flughafen Tegel schließt demnächst. Eine Abschiedsfahrt mit dem Bus nach TXL.

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Berlin. Die letzte Fahrt mit der Buslinie TXL beginnt, wie es nicht anders hätte sein können: mit einer Verspätung. Fünf Minuten Wartezeit gibt die Digitalanzeige für den Bus an. Der Nächste kommt bereits eine Minute später. Einmal im Bus geht die Nostalgietour der speziellen Art weiter – indem es gerade nicht weiter geht: Der Gelenkbus steht auf der Turmstraße weil Grünflächenarbeiter und Falschparker auf dem Radweg die Straße komplett blockieren.

So geht es weiter über die Beusselstraße. Im dichten Verkehr auf der wegen Baustellen verengten Fahrbahn geht es nur schleppend voran. Als der Bus doch mal beschleunigen kann, scheppern und klappern die Plastikverblendungen gewaltig.

TXL: Der Bus war wie der Flughafen Tegel – unperfekt

Als Teil des Charmes des Flughafen Tegels wird gern das Unperfekte dieses besonderen Airports genannt. Dazu passt der TXLer hervorragend – wenn auch auf deutlich weniger charmante Weise. Der Bus kam stets, wie er wollte. Auf seiner Fahrt durch Berlins Mitte, über Unter den Linden, Invalidenstraße und Turmstraße lauerte immer irgendwo eine Stelle, die für Verzögerungen sorgte. Auch aus dem Eingeständnis heraus, den Betrieb nicht vernünftig gewährleisten zu können, wurde der Startpunkt der Linie vor einiger Zeit zum Hauptbahnhof verlegt.

Das hat nicht immer geholfen. Besonders im Berufsverkehr steckte der Bus oft im dichten Stau auf dem Saatwinkler Damm fest, während sich im Innern die Reisenden zwischen Koffern und Reiserucksäcken wie Sardinen aneinander drücken mussten. Nicht wenige Berlinbesucher dürften sich nach ihrer ersten Landung in Tegel fragend angeguckt haben: Das ist die einzige Verbindung ins Zentrum?

Während des Lockdowns wurden die Busse zu Geisterlinien

Zumindest das ist nun vorbei. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie haben sich die Platzprobleme im Expressbus erledigt. Nun hat jeder Fahrgast einen Doppelsitz für sich. Stehen muss niemand. Auch die Fahrt am unschönen Gewerbegebiet längs des Saatwinkler Damms geht an diesem Vormittag zügig voran. Beim Aussteigen am Terminal A wartet jetzt keine große Traube an frisch gelandeten Fluggästen mehr, um sich in den Bus zu drängen.

Nur einzelne Geschäftsreisende steigen mit ihren kleinen Businesskoffern ein. Immerhin ein paar Fahrgäste. Immer noch fahren Busse des TXL und den anderen Linien, die den Flughafen anfahren – X9, 109 und 128 –, nicht mehr ohne einen einzigen Fahrgast vom Flughafen ab. Das ist zumindest zum Frühjahr schon ein gewaltiger Sprung. Zu Zeiten des Lockdowns und komplett zum Erliegen gebrachten Flugverkehrs glich der Flughafen einer Geisterstadt, mittendrin die gelben Busse der BVG. Einsam warteten die Fahrer auf ihre Abfahrt ohne Gäste, während ein neuer, komplett leerer Bus ankam.

TXL bekommt nach der Tegel-Schließung einen neuen Namen

Ganz ohne Flug- und Fahrgäste verabschieden sich der Flughafen Tegel und der TXL nun allerdings nicht. Und was heißt bei dem Bus eigentlich Abschied genau? So ganz klar ist das noch nicht. Noch bis kommenden Sommer wird der City-Airport für den Notfall betriebsfähig gehalten.

So lange dürfen auch noch die Busse mit den drei Buchstaben in der Anzeige dort hinfahren. Danach soll der Bus umbenannt werden. Aus TXL wird eine schnöde Zahlenkombination. Durch Moabit und Charlottenburgs Norden soll die Linie dann weiterhin fahren, heißt es bei der BVG. Nicht mehr jedoch bis zum Flughafen. Für diesen Halt heißt es bald zum letzten Mal: „Endstation. Diese Fahrt endet hier.“

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