Kandidatur

Kai Wegner: „Ja, ich will Regierender Bürgermeister werden“

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Isabell Jürgens
Der CDU-Landesvorsitzende Kai Wegner strebt den Posten des Regierenden Bürgermeisters an.

Der CDU-Landesvorsitzende Kai Wegner strebt den Posten des Regierenden Bürgermeisters an.

Foto: Frank Lehmann

Der CDU-Landesvorsitzende machte am Freitag seine Kandidatur offiziell. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließt er kategorisch aus.

Berlin. Jetzt ist es offiziell: Ein Jahr vor der Wahl für das Berliner Abgeordnetenhaus hat der CDU-Landesvorsitzende Kai Wegner bekannt gegeben, für das Amt des Regierenden Bürgermeisters von Berlin zu kandidieren. Der 48-Jährige informierte am Freitagvormittag das Präsidium der CDU Berlin über seine Entscheidung und gab anschließend eine Pressekonferenz. „Ja, ich will Regierender Bürgermeister werden“, sagte Wegner. Er sei Berliner aus Leidenschaft. Nach 16 Jahren werde er deshalb nicht erneut für den Deutschen Bundestag kandidieren.

Gerade von der Parteibasis habe er viel Zuspruch erhalten

Den Ort für die Bekanntgabe seiner Spitzenkandidatur hatte Wegner gut gewählt. Im Konferenzraum in der siebten Etage des Hotel Radisson Blu an der Karl-Liebknecht-Straße postierte sich Wegner vor der Panoramascheibe, hinter ihm ragte der imposante Turm des Roten Rathauses auf. „Ich werde an anderer Stelle meine ganze Kraft für Berlin einsetzen“, kündigte der CDU-Landeschef an. Gerade auch von der Parteibasis habe er in den vergangenen Monaten viel Zuspruch erhalten. „Ich freue mich, dass mir auch das Präsidium meiner Partei seine Unterstützung ausgesprochen hat“, so Wegner weiter.

Eine große Überraschung war Wegners Ankündigung indes nicht. Der Spandauer, der den Vorsitz der Landes-CDU erst im vergangenen Jahr nach einem Machtkampf von Kulturstaatsministerin Monika Grütters übernommen hatte, galt schon länger als Favorit für die Spitzenkandidatur bei der Wahl zum Berliner Landesparlament im Herbst kommenden Jahres. In der Landespolitik ist er noch länger zu Hause: Vor seiner Wahl in den Bundestag saß der gelernte Versicherungskaufmann von 1999 bis 2005 im Berliner Abgeordnetenhaus und war unter anderem stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

Wegner kündigte am Freitag an, einen Schwerpunkt auf die fünf Themen Wirtschaft, Sicherheit, Bauen, Bildung und Mobilität legen zu wollen. „Ich will Politik für die Menschen machen, die morgens aufstehen, zur Arbeit gehen und Steuern zahlen“, sagte Wegner. Den Schulen versprach er, dass unter Unionsbeteiligung „Schluss mit Reformexperimenten“ sein werde, dass die Verkehrswende mit Taktverdichtung bei Tram und Bus und einem deutlichen Schienenausbau sowie sicheren Fahrradwegen einhergehen solle. „Wir werden die Verkehrswende aber nicht gegen die Menschen umsetzen, die auf das Auto angewiesen sind“, versprach der 48-Jährige.

Jeder Berliner solle von A nach B kommen, egal, ober er innerhalb oder außerhalb des S-Bahn-Ringes wohne. Um den Wohnungsmangel anzugehen, werde er anders als Rot-Rot-Grün auf die Zusammenarbeit mit den Wohnungsbaugenossenschaften und privaten Bauträgern setzen. „Ich möchte den ganz normalen Berlinern eine Stimme geben“, so Wegner. Dazu gehöre auch ein neuer Politikstil auf Augenhöhe mit den Bürgern: Er setze auf Zusammenhalt statt Streit, gesunden Menschenverstand statt Ideologie und Mut statt Angst.

Die Berliner CDU ist seit 2016 stärkste Oppositionspartei im Abgeordnetenhaus und kann sich mittlerweile durchaus Hoffnung auf eine Regierungsbeteiligung nach den Wahlen im Herbst 2021 machen. Zwar lag sie in den vergangenen Jahren in den Umfragen lange unter der 20-Prozent-Marke, hat aber in der Corona-Krise um mehrere Prozentpunkte zugelegt. Dabei dürfte allerdings auch der Bundestrend eine wichtige Rolle gespielt haben.

Zusammenarbeit mit AfD und Linkspartei ausgeschlossen

Laut neuem Berlintrend von Infratest dimap im September, im Auftrag der rbb-Abendschau und der „Berliner Morgenpost“ durchgeführt, kommt die CDU auf 22 Prozent der Stimmen – und damit auf Platz zwei hinter den Grünen, die mit 26 Prozent stärkste Partei sind. Mit deutlichem Abstand folgen dann mit je 15 Prozent SPD und Linke.

Auf die Frage nach möglichen Koalitionspartnern wollte sich Wegner am Freitag nicht festlegen. Nur so viel: „Eine Zusammenarbeit mit der AfD und der Linkspartei schließe ich aus.“ Entscheidend sei, zu einer anderen Politik zu kommen.

In den kommenden Monaten will Wegner sich vor allem bei den Berlinern bekannt machen. Denn auch wenn die CDU derzeit bei Umfragen im Aufwind liegt – der Spitzenkandidat ist es bislang nicht. 61 Prozent der Berliner gaben an, ihn nicht zu kennen, nur neun Prozent trauten ihm das Amt des Regierenden Bürgermeisters zu, 26 Prozent verneinten dies. „Ich habe noch zwölf Monate Zeit, das zu ändern“, sagte Wegner.

Erst Anfang der Woche hatten die Berliner Grünen überraschend mitgeteilt, dass nicht Wirtschaftssenatorin Ramona Pop oder Fraktionschefin Antje Kapek als Spitzenkandidatin in den Wahlkampf zieht, sondern die Abgeordnete Bettina Jarasch. Bei der SPD dürfte es auf Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hinauslaufen, bei der Linken hat Kultursenator Klaus Lederer gute Chancen.

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( mit dpa )