Tag der Deutschen Einheit

Demonstrationen in Berlin: 36 verletzte Polizisten

Am 3. Oktober wurde an zahlreichen Stellen in Berlin demonstriert. Dabei kam es auch zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Das Bündnis gegen Rechts demonstriert gegen eine Kundgebung der rechtsextremen Partei "Der III. Weg" in Lichtenberg.

Das Bündnis gegen Rechts demonstriert gegen eine Kundgebung der rechtsextremen Partei "Der III. Weg" in Lichtenberg.

Foto: dpa

  • Am Tag der deutschen Einheit gab es in Berlin zahlreiche Demonstrationen.
  • Rechtsextreme demonstrierten in Berlin-Lichtenberg.
  • Gegendemonstranten blockierten die Neonazi-Demo.
  • Linke und Linksradikale protestierten am Abend gegen die Räumung der Liebig 34.
  • Die Polizei räumte in der Nacht die Kreuzung Rigaer Straße und Liebigstraße.
  • Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei wurden 36 Beamte verletzt.

Berlin. Am Tag der deutschen Einheit haben mehrere Demonstrationen von Corona-Leugnern, Rechtsextremen und Linksautonomen in Berlin stattgefunden. Die Polizei war mit bis zu 2700 Beamten im Einsatz. Dabei wurde die Berliner Polizei von der Bundespolizei Berlin und Beamten aus vielen weiteren Bundesländern unterstützt. Bei den Kundgebungen kam es auch zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, 36 Beamte wurden verletzt. Insgesamt waren 99 Veranstaltungen angemeldet, diverse wurden aber auch kurzfristig abgesagt, wie die Polizei am Sonntag mitteilte.

Insgesamt kam es laut Polizei zu 150 Freiheitsbeschränkungen oder -entziehungen, die meisten in Lichtenberg. 36 Polizeibeamte wurden verletzt, einer davon muss aufgrund von Bauchverletzungen stationär im Krankenhaus behandelt werden.

Neonazi-Demonstration in Lichtenberg: Gegendemonstranten bewerfen Polizisten

Mehrere Hundert Menschen stellten sich am Sonnabend in Lichtenberg einem Aufmarsch der rechtsextremen Partei „Der III. Weg“ in den Weg. Dabei kam es auch zu gewaltsamen Zwischenfällen. „Es sind vereinzelt Steine und Flaschen in Richtung der Einsatzkräfte geworfen worden“, sagte ein Polizeisprecher.

Am Abend hieß es zudem, ein Beamter sei mit einer übelriechenden Flüssigkeit übergossen worden. Nach Angaben der Polizei wurden die Identitäten von mehreren mutmaßlichen Angreifern aufgenommen - einige wenige Menschen wurden in Gewahrsam genommen. Die Zahl der Demonstranten und Gegendemonstranten schätzte die Polizei auf bis zu 1500.

Bereits im Vorfeld des Aufzugs habe man festgestellt, dass Absperrgitter mit Farbe und übelriechender Flüssigkeit beschmiert worden seien. Ab den Mittagssstunden habe es dann Sitzblockaden im Bereich der Wegstrecke des Neonazi-Aufzugs und Angriffe auf Polizisten gegeben. Im Bereich Ribnitzer Straße Ecke Baruther Straße seien Einsatzkräfte von mehreren hundert Vermummten mit Steinen und Pyrotechnik beworfen worden.

Die Demonstranten hätten zudem einen Bauschuttcontainer und Holzpaletten angezündet sowie parkende Fahrzeuge beschädigt. Ein Mitarbeiter des Verkehrsdienstes, der mit seinem Wagen im Waxweilerweg stand, sei aus einer Gruppe von 300 Personen heraus angegriffen worden. Der Polizist habe sich aus dem Wagen retten und in Sicherheit bringen können, die Scheiben des Fahrzeugs seien zerstört worden.

Die Polizei forderte die Teilnehmer der Sitzblockaden auf, die Demo-Route freizugeben. Nach drei Durchsagen hätten Einsatzkräfte damit begonnen, die Blockierer mit körperlicher Gewalt von der Straße zu drängen und wegzutragen. Der Anmelder des Neonazi-Aufzugs habe schließlich einer verkürzten Alternativroute zugestimmt.

Am Sonnabendabend löste sich die Menschenmenge nach einer Abschlusskundgebung der Rechten nach Polizeiangaben langsam auf.

Corona-Demonstrationen in Berlin: Festnahmen am Brandenburger Tor

Auch am Brandenburger Tor kam es zu Festnahmen. Dort hatten sich Teilnehmer des Aufzugs "Frieden, Meinungsfeiheit und Demokratie" auf dem Platz des 18. März nicht an die Infektionsschutzregeln gehalten. So wurden laut Polizei Mindestabstände unterschritten und teilweise keine Mund-Nasen-Bedeckung getragen. Beamte nahmen Personen, die sich fortwährend nicht an die Verordnung hielten, fest.

Linke demonstrieren in Friedrichshain gegen Räumung der Liebig 34

Am Abend versammelten sich in Friedrichshain laut Polizei rund 700 Linksautonome, um gegen die bevorstehende Räumung des Wohnprojektes an der Liebigstraße 34 zu protestieren. Gegen 21 Uhr zogen sie von der Rigaer Straße über den Petersburger Platz in Richtung Norden. Dabei wurde auch Pyrotechnik, wie Bengalos, Sprengkörper und Nebeltöpfe, gezündet, wie Polizeisprecher Thilo Cablitz der Berliner Morgenpost sagte. Feuerwerk sei auch in Richtung der Einsatzkräfte geworfen worden. Dennoch sei die Lage vergleichsweise ruhig, so Cablitz. Die Zahl der Teilnehmer stieg laut der Polizeibilanz vom Sonntag auf bis zu 2000 an. Auch hier nahm die Polizei mehrere Personen fest. Der Aufzug wurde im Bereich der Danziger Straße Ecke Margarete-Sommer-Straße vorzeitig beendet.

In der Nacht gegen 1 Uhr musste die Polizei allerdings die Kreuzung Rigaer Straße und Liebigstraße räumen, im Szene-Jargon der "Dorfplatz" genannt. Etwa 100 bis 150 Personen hielten sich in der Nacht dort auf und hörten laute Musik. Nach Angaben von vor Ort kam es zu Rangeleien mit der Polizei. Es soll einzelne Festnahmen gegeben haben. Vermummte hätten Barrikaden auf die Fahrbahn gebracht, welche die Polizei beiseite geräumt habe, hieß es.

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Demo gegen die Corona-Politik in Berlin

In der Berliner Innenstadt fanden zudem rund 60 Demonstrationen von einer Vielzahl unterschiedlicher Gruppen statt. Den Aufrufen waren aber nur sehr wenige Menschen gefolgt. „Es ist ruhiger als gedacht“, sagte ein Polizeisprecher.

Für eine Demonstration unter dem Motto „Für Friede, Freiheit und gegen Gewalt“ am Alexanderplatz hatte der Organisator rund 2000 Teilnehmer angemeldet. „Es waren aber nur fünf Personen da“, sagte der Sprecher. Vor dem Reichstagsgebäude fanden sich wenige hundert Personen aus der Reichsbürger-Szene ein. Bei der Anmeldung hatte der Organisator angegeben, er rechne mit einer Million Teilnehmer.

„Trotz mehrfacher Lautsprecherdurchsagen halten sich viele Demonstranten nicht an die Regeln. Es werden nun ihre Personalien aufgenommen“, sagte ein Sprecher der Polizei.

Demonstration vor dem Reichstag aufgelöst

Bereits am Freitag war eine Demonstration gegen die staatliche Corona-Politik vor dem Reichstag aufgelöst worden. Zwischenfälle gab es laut Polizei nicht. Die von der “Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand” veranstaltete Kundgebung am Platz der Republik startete um 15 Uhr. Rund 500 Teilnehmer hatten sich unter dem Titel “Geeinte Demokratiebewegung proklamiert Übergangsverfassung und Neuwahlen auf Basis des Grundgesetzes” eingefunden.

Mund-Nasen-Schutz trug dabei nur ein kleiner Teil der Teilnehmer. Die Polizei teilte mit: "Der Versammlungsleiter hat soeben die Demo auf dem Platz der Republik beendet, da er keinen Einfluss auf seine Teilnehmenden hatte & die Covid19-Bestimmungen weiterhin nicht eingehalten wurden." Bei Demonstrationen über 100 Teilnehmern gilt in Berlin eine Maskenpflicht.

Fahrraddemonstration von Charlottenburg bis Mitte

In der Zeit von 12.30 bis 20 Uhr kam es aufgrund einer Fahrraddemonstration mit bis zu 3000 Teilnehmern zu Verkehrseinschränkungen.