Corona in Berlin

Corona-Lage verschärft sich: Senatorin fordert Alkoholverbot

Als Infektionsherde sehen Behörden Partys und private Feiern mit Alkoholkonsum. Kalayci fordert ein Ausschank- und Verkaufsverbot.

Corona-Krise: Das sind die neuen Maßnahmen von Bund und Ländern

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten haben sich wegen steigender Corona-Zahlen auf stärkere Einschränkungen geeinigt, unter anderem in der Gastronomie. AFP fasst die neuen Maßnahmen zusammen.

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Berlin. Die steigenden Corona-Infektionszahlen in Berlin haben zu einer neuen Debatte um weitere Auflagen im Kampf gegen die Pandemie geführt. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci forderte am Sonnabend erneut, den Verkauf und Ausschank von Alkohol einzuschränken. Zwischen 23 Uhr und 6 Uhr morgens sollte ein Alkoholverbot herrschen, sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse Agentur.

Gleichzeitig erneuerte sie ihre Forderung nach weitergehenden Kontaktbeschränkungen: Begegnungen sollten auf zwei Haushalte oder fünf Personen begrenzt werden. „Wir haben nicht die Zeit zu sagen, wir gucken mal. Die Uhr tickt“, sagte Kalayci. Bei nur noch 20 Prozent der Infektionen sei der Ausbruch klar lokalisierbar. Für einen solchen Fall habe sich die Ministerpräsidentenkonferenz auf konsequente lokale Beschränkungen verständigt. „Das müssen wir in Berlin jetzt umsetzen“, so die Senatorin.

Kalayci-Vorstoß: Linke und Grünen gegen Alkoholverbot

Unterschiedliche Beschränkungen des Alkoholverkaufs gibt es auch schon in anderen Städten. In Berlin hatten sich Linke und Grüne dagegen ausgesprochen mit dem Argument, es sei besser, die Menschen würden sich draußen aufhalten, als sich in engen Wohnungen zu versammeln. In Senatskreisen wird aber damit gerechnet, dass bei der nächsten Sitzung am Dienstag erneut über weitere Einschränkungen diskutiert wird. Gegebenenfalls müsse man „nachschärfen“, so Senatssprecherin Melanie Reinsch.

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Bei den Koalitionspartnern kam der öffentliche Vorstoß Kalaycis nicht gut an. Man habe sich gerade diese Woche darauf verständigt, neue Vorschläge zunächst intern zu besprechen, hieß es. Die FDP kritisierte Kalayci. Da Polizei und Ordnungsamt die Hygiene- oder Abstandsregelungen nicht flächendeckend kontrollierten, helfe auch kein Alkoholverbot. Zudem würden so Gastronomen bestraft, die sich verantwortungsbewusst und rechtskonform verhalten.

Polizei räumt Party in Park in Mitte

Private Partys und illegale Tanzveranstaltungen unter freiem Himmel gelten als wichtigste Ansteckungsquellen. In der Nacht zu Sonnabend musste die Polizei in Mitte erneut eingreifen. Beamte räumten den James-Simon-Park, in dem sich knapp 400 Personen aufhielten, eng an eng feierten und Alkohol tranken. Auch aus dem Weinbergspark mussten Polizisten mit Helmen die jungen Menschen herausdrängen.

Das Virus breitet sich in Berlin nach offiziellen Zahlen weiter aus. Am Freitag gab es 339 Neuinfektionen. Das ist nach Angaben der Gesundheitsverwaltung der höchste Zuwachs seit Beginn der Pandemie im Frühjahr, damals wurden jedoch viel weniger Menschen getestet. Am Sonnabend wurden 203 neue Infektionen bestätigt. Der Durchschnitt der vergangenen sieben Tage für die ganze Stadt liegt bei 37,8 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner, bundesweit steht der Wert bei rund 15. Vor allem in den Innenstadtbezirken ist die Lage angespannt. In Mitte lag die Zahl der Neuinfektionen bei 59,6, auch Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln liegen über 50.

Corona-Massenausbruch nach Hochzeit in Tempelhof

Zuletzt wurde der Fall einer großen Hochzeitsfeier in Tempelhof bekannt. Dabei haben sich 33 Menschen mit dem Virus infiziert, das war der größte einzelne Ausbruch seit mehreren Wochen. Mit Sorge blicken Senatorin Kalayci und die Gesundheitsämter darum auf den Tag der Clubkultur. Dabei feierten am Sonnabend Menschen auf mehreren Open-Air-Partys mit Hygienekonzepten, die Reihe ist von der Senatskulturverwaltung gefördert, um der Szene etwas anzubieten und den Clubs zu helfen.

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Berliner müssen in Schleswig-Holstein in Quarantäne

Die hohen Infektionszahlen in Berlins Innenstadt haben die Behörden in Schleswig-Holstein auf den Plan gerufen. Das Land verlangt von Einreisenden aus Mitte, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg nun, dass sie sich etwa beim Antritt eines Urlaubs an Nord- oder Ostsee zwei Wochen in Quarantäne begeben.

Mecklenburg-Vorpommern verlangt grundsätzlich ebenfalls von Reisenden aus innerdeutschen Risikogebieten eine Selbstisolation, um Ansteckungen zu vermeiden. Aber in Schwerin definiert man keine einzelnen Bezirke als Risikozone, sondern nur ganze Landkreise oder Städte. In Senatskreisen wollte man sich nicht zu den Maßnahmen aus Kiel äußern. Das ganze sei aber schwierig, hieß es informell, weil man nicht wisse, was das für Menschen bedeute, die nicht in Mitte wohnen, aber dort arbeiten oder in Gaststätten gingen.

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In Berlin gelten neue Corona-Regeln

In Berlin gelten seit Sonnabend vom Senat am Dienstag erlassene neuen Regeln. Private Feiern im Freien mit mehr als 50 Teilnehmern sind verboten. In geschlossenen Räumen gilt eine Obergrenze von 25 Teilnehmern. Ab zehn Personen müssen bei den Feiern deren Daten dokumentiert werden. Neu ist auch eine allgemeine Maskenpflicht in Büro- und Verwaltungsgebäuden. Sie gilt nur nicht direkt beim Arbeiten am Schreibtisch.

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Trotz der sich verschärfenden Pandemie-Lage demonstrierten am Sonnabend wieder Tausende Menschen bei mehreren Aufzügen und Kundgebungen gegen die Corona-Auflagen. So zog durch Friedrichshain eine „Freedom-Parade“. Die Teilnehmer skandierten „Masken weg!"

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