Neuanschaffung

Mit E-Motor: Berlin hat modernstes Feuerwehrauto der Welt

Die Feuerwehr testet ein Löschfahrzeug mit E-Motor – 1,8 Millionen Euro kostet das Projekt, mit dem Berlin in die Zukunft steuert.

Berlin. Brandneu und superleise: Das elektrisch betriebene Lösch- und Einsatzfahrzeug „eLHF“, das von Experten als modernstes Feuerwehrauto der Welt bezeichnet wird, gehört seit Montag offiziell zum Fuhrpark der Berliner Feuerwehr. Insgesamt 1,8 Millionen Euro kostet das Projekt, mit dem die Hauptstadt ein Stück Fahrzeuggeschichte schreiben will.

Per E-Antrieb zum Feuer löschen – laut Innensenator Andreas Geisel (SPD) sei Berlin mit diesem Pilotprojekt „wieder einmal Vorreiter“. Das strahle weit über die Grenzen der Hauptstadt hinaus und leiste Pionierarbeit in der Elektro-Mobilität. Nur dreimal weltweit kommt ein Exemplar des „eLHF“ zum Einsatz, neben Berlin nur noch in Dubai und Amsterdam. Und „eLHF“ ist auch ein Förderprojekt, 50 Prozent der Finanzierung stammen aus dem europäischen Fonds für regionale Entwicklung, den Rest zahlen Senat und die Berliner Feuerwehr.

Berliner Feuerwehr: Drei Wachen dürfen neues Fahrzeug testen

Es ist ein Auto zum Schwärmen, mit Digitaltechnik vollgepackt, futuristisch: „Ein Schritt in Richtung klimafreundlicher Fahrzeugflotte“, sagte Geisel bei der Präsentation. Aber das Ganze ist auch ein Test. In der nächsten Zeit wird das Fahrzeug ausgiebig in drei Feuerwachen im Stadtzentrum ausprobiert und von Januar bis April 2021 wird „eLHF“ dann unter Alltagsbedingungen in Berlin im Einsatz sein – und muss sich bewähren.

„Wir können noch nicht sagen, ob es für den dauerhaften Gebrauch geeignet ist und welche Fehler und Pannen es gibt“, machte Geisel deutlich. „Wir müssen aber den Innovationsmut haben, sonst bringen wir nichts voran.“ Fällt der Test positiv aus, könnte die Feuerwehr in Zukunft auf umweltfreundlichere und leisere Elektromotoren setzen. Mittelfristig sollen weitere Feuerwachen umgerüstet werden.

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Neues Feuerwehrauto hat Digitalkameras anstelle von Außenspiegeln

Karsten Göwecke von der Berliner Feuerwehr zählte gleich mehrere Facetten auf, die beim neuen E-Flitzer wichtig seien: Nicht nur umweltfreundlicher, sondern sicherer, kompakter, smarter, schlichtweg: besser als herkömmliche Löschfahrzeuge soll das Elektro-Fahrzeug sein. Was man ihm durchaus auch ansieht: Schmaler als gewöhnliche Lkw ist er, er hat Digitalkameras anstelle von Außenspiegeln und kann zur Not seitlich im Krebsgang fahren, um ans Ziel zu kommen.

Der Akku des „eLHF“ wird in der Bereitschaftszeit auf der jeweiligen Feuerwache über ein Schnellladesystem geladen – die Laufzeit soll eine bis anderthalb Stunden dauern, so Göwecke. Doch das Fahrzeug hat auch einen Verbrennungsmotor, der bei langen Einsätzen Strom liefern kann – und einen 130-Liter-Dieseltank. Erst damit ist das Fahrzeug „katastrophenschutzfest“.

Feuerwehrfahrzeug hat im Innenraum eine neue Sitzanordnung

Neben dem großen Ziel der weltweiten Klimapolitik – den CO2-Ausstoß im Straßenverkehr zu senken – steht für die Feuerwehr auch der bessere Arbeitsschutz im Vordergrund: Es gibt im Innenraum eine völlig neue Sitzanordnung; die Feuerwehrleute sitzen dort nun so, dass direkte Absprachen besser möglich sind. Die Begeisterung bei der Feuerwehr sei riesig, so Göwecke. Seine Mitarbeiter werden nun geschult, um mit dem „eLHF“ richtig umgehen zu können – etwa mit den zahlreichen Displays im Innenraum. Doch die Vorfreude ist groß. „Wir hoffen, dass dieses neue Projekt nicht unter allzu vielen Krankheiten leiden wird.“