Corona-Pandemie

Schulen und Kitas sind keine Hotspots

An Berliner Kitas und Schulen gibt es keine massenweisen Infektionen. Kinder stecken sich nicht gegenseitig an.

Im Schulgebäude heißt es: Maske tragen und Abstand halten.

Im Schulgebäude heißt es: Maske tragen und Abstand halten.

Foto: Jens Büttner / dpa

Berlin. Sieben Wochen nach dem Ende der Sommerferien haben sich Befürchtungen nach massenweisen Corona-Infektionen an Kitas und Schulen nicht bewahrheitet. An den Bildungseinrichtungen treten zwar einzelne Infektionen auf, Kita-Kinder und Schüler stecken sich aber nicht gegenseitig an.

„Wir sehen Kinder aus Familien, in denen es weitere Infektionen gibt, die die Krankheit aber nicht auf andere Schulkinder übertragen“, sagte die Leiterin des Spandauer Gesundheitsamtes, Gudrun Widders. Nach einem Infektionsfall in Spandau hat das Gesundheitsamt eine ganze Schule auf das Virus testen lassen – ohne positives Ergebnis. „Es gibt immer nur Einzelfallmeldungen“, sagte Widders.

Andere Fälle wurden durch infizierte Lehrer in die Schule getragen. Aber auch hier sind bislang in keinem einzigen Fall Masseninfektionen erfolgt, sagt die Amtsärztin. Während sich Kita-Kinder und Schüler offenbar vor allem innerhalb der Familie anstecken, ist bei den Lehrkräften hauptsächlich deren Freizeitverhalten verantwortlich, beobachtet Widders. Auch religiöse Zusammenkünfte aller Konfessionen haben demnach schon zu Infektionen geführt.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Corona-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet.

Corona-Pandemie: „Christian Drosten hatte recht“

In den anderen Bezirken machen die Amtsärzte die gleiche Erfahrung. „Christian Drosten hatte recht“, sagte der Gesundheitsstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Detlef Wagner (CDU). „Schüler untereinander stecken sich nur ganz, ganz schwer an.“ Der Chef-Virologe der Charité hatte bereits in einer frühen Studie nahegelegt, dass der Übertragungsweg vor allem von Erwachsenen auf Kinder erfolgt und nicht umgekehrt. „Der Senatsverwaltung für Bildung sind keine schulinternen Ansteckungsfälle bekannt“, heißt es dazu in der Antwort der Bildungsverwaltung auf eine Anfrage der CDU.

Auch die ersten Ergebnisse der „Berliner Corona Schulstudie“ (Becoss) der Charité stützen die Erfahrung aus den Gesundheitsämtern. Die Studie begann im Juni und untersucht Kita-Kinder, Schüler und das gesamte Lehrpersonal an 24 Kitas und 24 Schulen für den Zeitraum von einem Jahr regelmäßig. „Die Infektionen an Schulen gehen eher von Erwachsenen auf Kinder als von Schüler zu Schüler“, sagte die Koordinatorin der Berliner Teststrategie an der Charité, Valerie Kirchberger, zuletzt im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses. Genaue Ergebnisse erwarten die Mediziner aber erst nach Abschluss der Studie im kommenden Jahr.

Auch interessant: Kalayci: Kontakte und Feiern in Berlin wieder beschränken

Schulverwaltung sollte von Gesundheitsämtern Daten bekommen

Die Einschränkungen an den Berliner Schulen halten sich entsprechend der bisherigen Erfahrungen entsprechend in Grenzen. Im August kam es nach Angaben der Schulverwaltung lediglich an drei Schulen zu temporären Schulschließungen, zwei Mal für je einen Tag, ein Mal für vier Tage.

Wie viele Schüler sich in Berlin insgesamt wegen einer Corona-Infektion oder eines direkten Kontaktes in Quarantäne befinden, ist nicht bekannt. Das sollte sich nach Auffassung der CDU ändern. „Ich würde mir wünschen, dass die Schulverwaltung von den Gesundheitsämtern valide Daten bekommt, um beurteilen zu können, wie hoch das Infektionsrisiko ist“, sagte die stellvertretende Fraktionschefin der CDU, Cornelia Seibeld, die die Anfrage gestellt hatte.

Während an Kitas und Schulen kein starker Anstieg bei den Corona-Erkrankungen zu verzeichnen ist, verschärft sich die Lage insgesamt. Der Senat und die Ministerpräsidenten wollen Dienstag über geeignete Einschränkungen entscheiden, um ein unkontrolliertes Ausbreiten des Virus zu verhindern. Der Städte- und Gemeindebund hat bereits eine Ausweitung der Maskenpflicht gefordert. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes solle überall dort vorgeschrieben werden, „wo im öffentlichen Raum der Abstand nicht eingehalten werden kann – etwa bei Weihnachtsmärkten oder auf belebten Plätzen“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Berliner Morgenpost. Der Senat berät über eine Beschränkung des Alkoholverkaufs, eine Einschränkung der Teilnehmerzahl für private Veranstaltungen und verschärfte Kontrollen zur Einhaltung des Abstandsgebots.

Corona-Pandemie – Mehr zum Thema