Umfrage

Mehrheit für Pop-Up-Radspuren und U-Bahn-Ausbau

Der Berlin Trend zur Verkehrspolitik zeigt jedoch große Meinungsunterschiede zwischen Bewohnern der Innenstadt und der Außenbezirke.

Die Verkehrswende und der Umbau der Mobilität auf umweltschonende Antriebe genießen unter den Berlinern große Sympathien. Nicht nur, dass mehr als 80 Prozent einen Ausbau des U-Bahnnetzes und eine auf 365 Euro verbilligte Jahresnetzkarte befürworten. Dabei ist die Zustimmung zur Verlängerung von U-Bahnstrecken deutlich gewachsen. Als Infratest im November 2018 das letzte Mal nach dem Thema fragte, lag die Zustimmung zu neuen U-Bahnen noch um 19 Prozentpunkte niedriger. Insofern kann sich die SPD mit ihrer Forderung, fünf Linien in der Außenstadt zu verlängern, großer Zustimmung gewiss sein.

Eine Mehrheit der Befragten des Berlin Trends von Infratest dimap ist auch dafür, die zunächst behelfsmäßig eingerichteten Radspuren (Pop-Up-Radwege) auf mehreren Hauptstraßen beizubehalten. 52 Prozent sprechen sich dafür aus, nachdem das Verwaltungsgericht die Spuren für illegal erklärt hatte und der Fall nun in der nächsten Instanz beim Oberverwaltungsgericht liegt. 43 Prozent sagen, ein Erhalt der Radspuren gehe in die falsche Richtung.

Meinungsbild je nach Wohnort sehr unterschiedlich

Die Berliner Morgenpost und die RBB-Abendschau haben für den Berlin Trend zwischen dem 15. und 19. September 1001 wahlberechtigte Berliner zu den zuletzt in der Landespolitik heiß diskutierten Verkehrsthemen befragen lassen. Dabei unterscheidet sich das Meinungsbild erheblich nach den Wohnorten der Befragten und den hauptsächlich genutzten Verkehrsmitteln. Der Anteil derjenigen, die zu den abgefragten Themen keine Meinung haben, ist sehr klein. Fast alle trauen sich zu, über die Mobilität der Zukunft mitzureden.

In den reinen Innenstadtbezirken Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Charlottenburg-Wilmersdorf oder solchen, die Innen- und Außenbereiche umfassen wie Pankow, Tempelhof-Schöneberg und Neukölln, ist die Mehrheit für die Pop-Up-Radwege mit 59 beziehungsweise 60 Prozent größer als im Durchschnitt der Bevölkerung. In den Außenbezirken Spandau, Steglitz-Zehlendorf, Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf und Reinickendorf sind nur 44 Prozent dafür, die Radwege zu erhalten.

83 Prozent der Radfahrer wollen die Pop-up-Spuren behalten

Wer hauptsächlich mit Rad unterwegs ist, mag die Spuren nicht mehr missen. 83 Prozent der Radfahrer will die Spuren behalten. Nutzer von Bussen und Bahnen sagen das zu 57 Prozent, Autofahrer hingegen nur zu einem knappen Drittel (29 Prozent).

Auch die Idee eines Fahrverbots für Verbrenner-Motoren in der Innenstadt (Zero-Emission-Zone), welches die Grünen mittelfristig anstreben, genießt unter Rad- und BVG-Nutzern mehrheitlich Sympathien. Autofahrer können sich aber nur zu 27 Prozent mit dem Gedanken anfreunden. Unter den Innenstadtbewohnern sind 53 Prozent dafür, in den Mischbezirken 49 Prozent. Und selbst in den Außenbezirken finden 42 Prozent den Plan gut.

Insgesamt ist aber eine knappe Mehrheit von 49 zu 47 Prozent der Ansicht, der Plan einer abgasfreien Innenstadt gehe in die falsche Richtung.

Aber überall genießt der Plan auch Sympathien: Unter den Anhängern der CDU können sich 39 Prozent mit einer Zero-Emission-Zone anfreunden. Unter den jüngeren Leuten zwischen 18 und 39 sowie unter den Älteren über 65 Jahren hätte das Konzept anders als in der mittleren Altersgruppe (40 bis 64 Jahre) eine Mehrheit. Sortiert man nach politischen Präferenzen, so ergeben sich Mehrheiten im Lager der Grünen, Linken und Sozialdemokraten. Aber selbst jeder fünfte AfD-Wähler könnte einem Verbot von Verbrennern in der Innenstadt etwas abgewinnen.

Klare Mehrheit der Berliner ist gegen eine City-Maut

Die von den Grünen befürwortete City-Maut stößt hingegen auf deutlich weniger Gegenliebe bei den Befragten. Nur ein knappes Drittel (32 Prozent) hält eine Gebühr von fünf bis acht Euro bei Einfahrt in die Innenstadt für richtig. 64 Prozent sind dagegen. Mehrheiten bekommt die Maut nur unter Radfahrern (54 Prozent) und Grünen-Anhängern 856 Prozent). Alle anderen Gruppen sind mehrheitlich dagegen. Unter den regelmäßigen Auto- und Motorrad-Fahrern hält es nicht einmal jeder Fünfte (18 Prozent) für eine gute Idee, bei der Fahrt in die City eine Maut zu entrichten.

Die Umfrage hat auch ergeben, welche Bevölkerungsgruppen welche Verkehrsmittel hauptsächlich nutzen. So fahren die Jüngeren unter 39 und die Älteren über 65 erheblich seltener Auto als die 40 bis 64-Jährigen. Frauen nutzen sehr viel stärker Busse und Bahnen (53 Prozent) als Männer (40 Prozent) und fahren deutlich weniger Auto (28 Prozent) als Männer (37 Prozent). Jeder Vierte unter 39 Jahren und jeder Fünfte in der mittleren Altersgruppe fährt Rad, unter den Älteren sind es nur acht Prozent.

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