Gesellschaft

Antisemitismusbeauftragter für Umbenennung der Pacelliallee

Berlin. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, unterstützt die Forderung, die nach Papst Pius XII. benannte Pacelliallee in Berlin-Dahlem umzubenennen. "Die Debatte rückt die umstrittene Rolle in den Fokus, die Papst Pius XII. während des Zweiten Weltkriegs einnahm", sagte Klein der Tageszeitung "Welt" (Samstag). "Er schwieg zum Holocaust und zum Mord an den Sinti und Roma, von denen viele dem katholischen Glauben angehörten, oder protestierte zumindest nicht vernehmlich." Papst Pius XII. hieß mit bürgerlichem Namen Eugenio Pacelli.

"Die Diskussion über die Umbenennung bietet Gelegenheit, über das Verhalten der katholischen Kirche im Zweiten Weltkrieg und die Aufarbeitung nach 1945 eine breitere Debatte zu führen", sagte Klein. Die beiden Historiker und Initiatoren der Umbenennungskampagne, Julien Reitzenstein und Ralf Balke, schlagen vor, die Straße nach der früheren israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir zu benennen.

"Golda Meir hat es als Flüchtlingskind aus einfachen Verhältnissen stammend, als Linke und als Gewerkschafterin an die Spitze einer Regierung geschafft", sagt Reitzenstein der "Welt". Sie wurde 1969 zur Regierungschefin gewählt - als weltweit erst vierte Frau in diesem Amt. "Ihre soziale Aufstiegsgeschichte ist ein Gegenentwurf zum Antisemiten und absolutistischen Herrscher Pacelli, dessen Familie vom faschistischen Diktator Mussolini in den erblichen Fürstenstand erhoben wurde", so Reitzenstein.

Diskussionen über die Umbenennung von Straßen hat es in Berlin in den vergangenen Monaten häufig gegeben. So hat die Bezirksverordnetenversammlung Mitte erst im August das Bezirksamt aufgefordert, die Mohrenstraße nach Anton Wilhelm Amo zu benennen, der im 18. Jahrhundert erster Gelehrter afrikanischer Herkunft an einer preußischen Universität war. Der Name der Straße wird von Kritikern als rassistisch empfunden.