Verbraucherschutz

Verbraucherschutz durch Corona begehrt wie nie

Anfragen haben sich durch Corona verdoppelt. Am beliebtesten sind die Themen Reise, Beitragszahlung und betrügerische Geschäftemacher.

Viele Berliner wollten Gebühren für ihr Fitness-Studio erstattet bekommen.

Viele Berliner wollten Gebühren für ihr Fitness-Studio erstattet bekommen.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Bekomme ich mein Geld für eine stornierte Reise zurück, muss ich den Beitrag für ein geschlossenes Fitnessstudio zahlen, und soll ich den Gutschein für ein abgesagtes Konzert akzeptieren - in Corona-Zeiten ist die Zahl der Anfragen an die Verbraucherzentrale rasant gestiegen. „Gerade in den vergangenen Monaten war die Verbraucherzentrale auch Notrufzentrale für Berliner, die dringend Hilfe benötigen“, sagte die Chefin der Verbraucherzentrale, Dörte Elß, am Mittwoch.

Mit 7000 Anfragen allein im Mai hat sich die Zahl der Anfragen mehr als verdoppelt. Normalerweise melden sich 3000 Hilfesuchende bei den Verbraucherschützern. In den ersten vier Corona-Monaten (März bis Juni) meldeten sich so viele Berliner wie im gesamten vergangenen Jahr - mehr als 24.000, um nach Lösungen für ihre Probleme zu fragen.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Corona-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet.

Corona: Kunden fragen meist, wann sie ihr Geld zurückerhalten

Im Vordergrund standen dabei Fragen rund um das Thema Reisen. „Zu Beginn der Corona-Krise ging es darum, sich über die Rechte bei einer Absage zu informieren“, sagte Elß. Danach rankten sich die Fragen darum, ob ein Urlaub in den Sommerferien möglich sei und ob bei einem Rücktritt Stornokosten entstünden. „Später ging es darum, ob man einen Gutschein akzeptieren müsse, und zur Zeit fragen die Anrufer, wann sie endlich ihr Geld zurückbekommen“, sagte Elß.

Das Reise-Thema wird die Verbraucherschützer auch noch weiter beschäftigen. So ist unklar, wie die Rechtslage ist, wenn heute eine Reise in ein Gebiet gebucht wird, die danach zum Risikogebiet erklärt wird. „Das hängt immer vom Einzelfall ab“, sagt die Bereichsleiterin Recht und Beratung der Verbraucherzentrale, Petra Hegemann. „Die Frage lautet, ob außergewöhnlich, unvermeidbare Umstände vorliegen, die einen Reiserücktritt rechtfertigen.“ Die Chancen dafür stünden in der Regel gut. Denn Reiserückkehrer aus Risikogebieten müssten sich zunächst in Quarantäne begeben - und einen entsprechenden Verdienstausfall hinnehmen, der eine Stornierung ohne Kosten rechtfertige. Auch die Vorgabe im Reiseziel, permanent einen Mund-Nasenschutz zu tragen oder ein geschlossener Wellnessbereich im Hotel könnten demnach für eine Stornierung der Reise ausreichen. Allerdings müsse das immer im Einzelfall geklärt werden, sagt Hegemann.

Viele Anfrage erreichten die Verbraucherschützer seit März auch zu Fragen von Vertragsverhältnissen, wie zum Beispiel einer Mitgliedschaft in einem Fitnessclub, der coronabedingt schließen musste. Grundsätzlich gilt nach Angaben der Zentrale, dass für Zeiten, in denen der Anbieter seine Leistung nicht ermöglichen kann, auch keine Zahlungsverpflichtung besteht. „Das bedeutet, dass man für den Zeitraum, in dem das Abonnement oder die Mitgliedschaft nicht genutzt werden kann, auch nicht gezahlt werden muss“, heißt es dazu bei der Verbraucherzentrale. Allerdings können Anbieter einen Wertgutschein für die nicht erbrachte Leistung offerieren. Dann können Verbraucher nicht auf eine Auszahlung von Geld bestehen.

Auch mit unseriösen Anbietern musste sich die Verbraucherzentrale verstärkt beschäftigen. Mit Beginn der Krise tauchten vermehrt Angebote für Schutz- oder Heilmittel gegen Corona auf. Hier strengte die Zentrale mehrere Verbandsschutzklagen und Abmahnungen an, sobald sie davon Kenntnis bekam.

„Die Corona-Zeit ist auch eine Zeit des Verbraucherschutzes“, sagte Verbraucherschutzsenator Dirk Behrendt (Grüne) bei der Vorstellung der ersten Corona-Bilanz der Zentrale. „Der hohe Beratungsbedarf zeigt, dass die Pandemie die Menschen im Alltag verunsichert.“

Video-Gespräche und Web-Seminare neu im Angebot

Um auf den gestiegenen Beratungsbedarf in Corona-Zeiten zu reagieren, hat die Verbraucherzentrale ihr Angebot ausgebaut und verändert. Da persönliche Gespräche wegen der Hygiene- und Abstandsregeln nicht in gleichem Maß möglich sind wie vor der Krise, bietet sie jetzt auch Video-Gespräche und Web-Seminare an, die per Computer verfolgt werden können. außerdem hat sie das Angebot an Musterbriefen erweitert, mit denen Verbraucher ihr Recht wirksam einfordern können.

Die Verbraucherzentrale Berlin besteht seit 67 Jahren und ist ein eingetragener Verein, der zum größten Teil vom Land Berlin unterstützt wird. Sie hat derzeit 45 Mitarbeiter, die Zentrale ist Anfang des Jahres vom Hardenbergplatz in Charlottenburg-Wilmersdorf in die Ordensmeisterstraße in Tempelhof-Schöneberg umgezogen.

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