Alarm zu spät gemeldet

Warntag-Panne: Bayern hielt sich nicht an Absprache

Beim Probealarm blieb die Warn-App bei vielen Berlinern still. Grund: Bayern schickte eigene Warnung raus und blockierte die des Bundes

10.09.2020, Berlin: "Probewarnung bundesweit. Es besteht keine Gefahr" steht beim ersten bundesweiten Warntag auf einer Informationstafel am Alexanderplatz.

10.09.2020, Berlin: "Probewarnung bundesweit. Es besteht keine Gefahr" steht beim ersten bundesweiten Warntag auf einer Informationstafel am Alexanderplatz.

Foto: dpa

Berlin. Beim bundesweiten Probealarm am Donnerstag hat es in Berlin Probleme gegeben. Die Warn-Apps Nina und Katwarn sendeten um elf Uhr keine Meldung bzw. erst zeitverzögert. Über die Nina-Warn-App wurde verspätet gegen 11.30 Uhr gewarnt und gegen 11.40 Uhr entwarnt.

"Wir wissen, dass es teilweise geklappt hat“, sagte eine Sprecherin des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn. Teilweise sei es aber auch zu einer Überlastung des modularen Warnsystems gekommen. „Deshalb gab es Verzögerungen bei der Auslösung.“

Die Ergebnisse des Warntags werden nun aus den Kommunen und Ländern zusammengetragen. Nach einer Auswertung werde an den technischen Warnsystemen gearbeitet.

Mehr zum Thema: Bundesweiter Warntag: Sirenen heulen, aber Apps streiken

Warntag 2020: Bayern hielt sich nicht an Absprache

Thomas Herzog, Vizepräsident des BBK erklärte, dass nach ersten Erkenntnissen die Warnung pünktlich ausgelöst wurde. Allerdings habe ein Bundesland entgegen der Absprache eine eigene Warnung über die App versendet.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll es sich dabei um Bayern handeln. Der Alleingang des Bundeslandes hatte zur Folge, dass die Warnung des BBK blockiert wurde. Daraus resultierte die zeitliche Verzögerung. Man überlege nun, ob man Warnungen des Bundes gegenüber der Länder priorisiere.

Warntag 2020 in Berlin: Innensenator Geisel nennt Probleme "ein Glück"

Die Senatsverwaltung für Inneres erklärte auf Twitter, dass sie "keinen Einfluss auf die heutige Auslösung" hatte. "Für die heute geplante Auslösung war das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zentral zuständig", hieß es weiter. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) nannte die technischen Probleme bei der Warnung „ein Glück“. Man übe genau für solche Fälle, sodass es nicht im Ernstfall passiere. „Beim nächsten Warntag im nächsten Jahr werden wir hoffentlich besser sein.“ Der bundesweite Warntag soll jährlich immer am zweiten Donnerstag im September stattfinden.

Nicht nur in der Hauptstadt kam es zu Problemen. Auch in weiten Teilen Thüringens gab es offenbar keine Meldung über Katwarn oder Nina. In Mecklenburg-Vorpommern löste die App Katwarn den Alarm erst 30 Minuten später aus. Eigentlich sollte pünktlich um 11 Uhr zeitgleich in den Städten, Landkreisen und Kommunen Alarm ausgelöst werden. Sirenen sollten da, wo es noch welche gibt, heulen, Handys piepen, Radio- und Fernsehsendungen unterbrochen werden.

Der sogenannte Warntag dient als Vorbereitung auf Gefahrenlagen wie schwere Unwetter, Überschwemmungen, Chemieunfälle oder auch Terroranschläge. Für das Thema Warnung der Bevölkerung sollte sensibilisiert und Funktion und Ablauf der Warnung verständlich gemacht werden. Zudem wollte die Behörde auf die verfügbaren Warnmittel wie zum Beispiel Warn-Apps, digitale Werbeflächen sowie Sirenen aufmerksam machen. Die Warn-App Nina wird derzeit von rund 7,6 Millionen Menschen genutzt. Seit dem Beginn der Corona-Pandemie wurde sie deutlich häufiger heruntergeladen.

Warntag 2020 in Berlin: "Stell Dir vor, es sei #Warntag und keiner warnt"

In den sozialen Medien häuften sich die Kommentare über den teilweise missglückten Warntag in Berlin. Ein User schrieb: "#Katwarn kam mit ner halben Stunde Verspätung, #Nina schweigt weiterhin, Sirenen gibts hier nicht. Keine SMS, keine Pushnachrichten, kein berittener Bote. Ich warte jetzt aufs Fax ..."

DRK-LV Berliner Rotes Kreuz e.V twitterte: "Stell Dir vor, es sei #Warntag und keiner warnt. Wir haben nichts gehört und auf den Warnapps #NINA und #KATWARN erschien ebenso keine Meldungen. Habt Ihr etwas mitbekommen?"

Userin Jonouchi zeigte sich auf Twitter wütend. "Die aller erste Übung für #Berlin jedenfalls war eine totale Blamage und hier sollte GANZ DRINGEND nachgerüstet und Mal das Gehirn benutzt werden. Habe dafür überhaupt kein Verständnis." Empört äußerte sich auch ein weiterer User: "Das war ja mal ein Reinfall! Dass es #Berlin keine Sirenen mehr gibt, um auf Katastrophen aufmerksam zu machen - find ich persönlich Quatsch, aber geschenkt. Dass dann aber nicht mal Durchsagen im Radio oder Apps wie #NINA funktionieren, ist ja wohl mehr als bedenklich."

Florian Korous witzelte über den missglückten Warntag auf Facebook: "Glaube die Warnung wurde mit der Deutschen Bahn geschickt und ist deshalb noch nicht in Berlin angekommen." Ähnlich sieht es auch User Philipp Lustig auf Twitter: "#Warntag hat super funktioniert. #NINA & #Katwarn haben komplett versagt. Schon peinlich wenn am Warntag die Server überlastet sind. Aber hey, das Internet ist für uns alle #Neuland."

Der teilweise missglückte Warntag wird auch mit der mehrmals verschobenen BER-Eröffnung verglichen. User Red Player schrieb: "Hatte der #Warntag hier in #Berlin den Gleichen Status wie die #BER #Eröffnung?" Kamikater äußerte sich ähnlich: "#Berlin ist mit der Eröffnung des #BER beschäftigt. Da bleibt keine Zeit für Katastrophenmeldungen..."

In Berlin gibt es keine Sirenen mehr

Auf die akustischen Warnsignale, sprich Sirenen, mussten die Berliner am Donnerstag verzichten. Nach Angaben der zuständigen Senatsverwaltung für Inneres gibt es seit etwa zwei Jahrzehnten keine Sirenen mehr in der Öffentlichkeit. Sie seien seit Mitte der 90er-Jahre abgebaut worden, sagte ein Sprecher der Behörde. „In einem dicht besiedelten Raum wie Berlin ist es wichtig, möglichst genaue Informationen übermitteln zu können“, heißt es in einer Informationsschrift des BKK. „Daher nutzt das Land Berlin keine Sirenen.“

Warntag in Berlin: Feuerwehr bekommt neue Katastrophenschutz-Fahrzeuge

Pünktlich zum Warntag bekam die Berliner Feuerwehr drei neue Fahrzeuge für den Katastrophenschutz. Innensenator Geisel übergab die Löschwagen am Mittag im Hof der Feuerwache in der Voltairestraße im Ortsteil Mitte, wie die Feuerwehr am Donnerstag auf Twitter mitteilte. Demnach sollen die Fahrzeuge bei der Freiwilligen Feuerwehr zum Einsatz kommen.

So lief der Warntag in Brandenburg: Sirenen ertönten

Im Gegensatz zu Berlin heulten in Brandenburg die Sirenen. In Frankfurt (Oder) und Cottbus waren um 11 Uhr Sirenen zu hören, wie dpa-Reporter berichteten. Auch in der Landeshauptstadt Potsdam wurde es in einigen Ecken laut. So berichteten Anwohner, im Stadtteil Bornstedt eine laute Sirene gehört zu haben. In der dortigen Kirschallee sei auch zwei Mal der Alarm ertönt.

Die Sirenen waren aber nicht überall in der Stadt zu hören, wie dpa-Reporter berichteten. Nach Angaben der Stadt sollten 17 Sirenen ertönen. Auch über das Fernsehen und Radio und auf Twitter hat es Durchsagen und Hinweise gegeben. Auch in Potsdam funktionierte die Warn-App Nina nicht bei allen Nutzern.

Alle Informationen zum Warntag gibt es zentral unter www.bundesweiter-warntag.de sowie Informationen zum Katastrophenschutz und der Bevölkerungswarnung speziell für Berlin unter www.berlin.de/sen/inneres/sicherheit/katastrophenschutz/warnung.

(mit dpa)