Gesundheitspolitik

Trotz Zahlung vom Bund: Kliniken beklagen Defizite

Große Krankenhäuser beklagen ein Defizit durch Corona, weil die Pauschale die Ausfälle nicht deckt. Auch 2021 kein Normalbetrieb.

Die meisten Intensivbetten für Corona-Patienten sind leer, hier liegt nur ein Dummy im Vivantes-Humboldt-Klinikum

Die meisten Intensivbetten für Corona-Patienten sind leer, hier liegt nur ein Dummy im Vivantes-Humboldt-Klinikum

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlins Krankenhäuser haben bisher von der Bundesregierung 330 Millionen Euro erhalten, um die in der Corona-Pandemie entgangenen Erlöse zu kompensieren. Dennoch hätten gerade große Häuser bei der Maximalversorgung immer noch Einbußen zu erleiden, weil sie einen Großteil ihrer Betten für die Versorgung von Covid-19-Patienten freihalten mussten. Das wurde am Montag im Gesundheitsausschuss deutlich.

Johannes Dankert vom Vivantes-Konzern sagte, die Ausgleichszahlungen kompensierten den Erlösrückgang nicht. „Wir haben für 2020 30 Millionen Euro Corona-bedingte Effekte prognostiziert.“ Die Universitätsklinik Charité, über die der Gesundheitsausschuss nicht spricht, weil es sich um eine Wissenschaftseinrichtung handelt, erwartet sogar ein Defizit von 70 Millionen Euro.

Alexander Grafe von den Alexianern, die in der Region drei katholische Krankenhäuser betreiben, schilderte das Problem en detail. Als in Potsdam wegen eines massiven Corona-Ausbruchs das Ernst von Bergmann-Klinikum geschlossen wurde, sei das nahe St. Joseph-Klinikum „überrannt“ worden. Und Corona-Patienten, die nicht krank genug für die Intensivstation seien, verursachten einen erheblichen Mehraufwand, der aber nicht finanziell ausgeglichen würde. Das System der Fallpauschalen stoße dabei „an seine Grenzen“.

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Vivantes behandelte weniger Schlaganfälle und Herzinfarkte

Der Chef der Berliner Krankenhausgesellschaft, Marc Schreiner, beklagte, die Ersatzleistungen des Bundes von zunächst 560 Euro pro Tag und freiem Bett seien für viele Häuser zu gering ausgefallen. Seit Anfang Juni gebe es zwar mehr Geld für Kliniken mit schwereren Fällen. Aber diese Pauschalen liefen Ende des Monats aus. Jetzt werde mit den Krankenkassen über das vierte Quartal verhandelt. Schreiner mahnte eine Anschlussregelung an. „Wir werden auch im neuen Jahr nicht zum Regelbetrieb zurückkehren können.“ Abstandsregeln, Hygienekonzepte und Logistikprobleme blieben bestehen. Gleichzeitig rief Schreiner die Bevölkerung auf, wieder in die Krankenhäuser zu kommen: „Zu langes Warten schadet der eigenen Gesundheit und ist nicht mehr geboten.“

Vor allem die Behandlungszahlen von Herzinfarkten und Schlaganfällen ist deutlich zurückgegangen, während die Krankenhäuser sich auf Covid-19-Patienten konzentrierten. Vivantes-Manager Dankert sprach von einem Drittel weniger Fällen als in normalen Jahren. „Daraus entstehen Folgeerscheinungen“, warnte Dankert: „ Wer einen Herzinfarkt wegatmen kann, wird wahrscheinlich in zwei, drei Jahren wegen Herzinsuffizienz behandelt werden müssen.“