Verkehr in Berlin

Berliner Radfahrer warten auf weitere Grünpfeil-Schilder

Seit dem Frühjahr können Städte Grünpfeil-Schilder nur für Radfahrer aufhängen. Doch bislang gibt es in Berlin keine neuen Pläne dazu.

Bislang gibt es in Berlin an fünf Kreuzungen Grünpfeile nur für Radfahrer.

Bislang gibt es in Berlin an fünf Kreuzungen Grünpfeile nur für Radfahrer.

Foto: Annette Riedl / dpa

Berlin. Die Ampel steht auf Rot, an der Torstraße Ecke Rosa-Luxemburg-Straße dürfen Fahrradfahrer bei freier Bahn trotzdem rechts abbiegen. Möglich macht es ein Grünpfeilschild speziell für Radfahrer. Seit April 2019 hängen die Verkehrszeichen an insgesamt fünf Stellen in Berlin. Doch auf weitere Schilder warten Radfahrer bislang vergeblich. Ob und wie es mit der Regelung weitergeht, ist auch fast eineinhalb Jahre nach Beginn des Modellversuchs offen.

Grünpfeil für Radfahrer in Berlin: Noch keine Ergebnisse des Pilotprojekts

Angebracht wurden die Grünpfeile von der Senatsverkehrsverwaltung im Rahmen eines Pilotprojekts noch bevor die Schilder auch nach der Straßenverkehrsordnung zugelassen wurden. Schon im Januar 2019 starteten die Versuche in neun deutschen Städten in Zusammenarbeit mit dem Bundesverkehrsministerium. Berlin, das für das Pilotprojekt nicht ausgewählt wurde, zog im April des Vorjahres auf eigene Faust nach. Untersucht werden sollte, wie sich die Schilder auf den Verkehr auswirken. Dafür wurden schon im Mai 2019 Kameraaufnahmen der Kreuzung gemacht. Bis Januar 2020 sollten die dazugehörigen Analysen andauern, hatte das Haus von Verkehrssenatorin Regine Günther damals mitgeteilt. Doch seither ist an Berlins Kreuzungen nichts geschehen. Auch im September 2020 hängt kein weiteres der speziellen Grünpfeilschilder an den Straßen der Hauptstadt.

„Die Auswertung der Versuchsergebnisse ist noch nicht abgeschlossen“, teilte eine Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung auf Anfrage mit. Endgültige Ergebnisse lägen „voraussichtlich im Herbst dieses Jahres“ vor. Dann, so die Sprecherin, würde geprüft, wo weitere Grünpfeile angebracht werden könnten. Jedoch scheint bislang nicht einmal klar, ob die bestehenden fünf Schilder hängen bleiben. „Eine Entscheidung über einen dauerhaften Verbleib der Grünpfeilregelungen wird aber erst nach Vorliegen aller Versuchsergebnisse getroffen“, teilte sie mit.

ADFC kritisiert fehlende Pläne für Grünpfeil-Schilder

Dabei zählt der Grünpfeil für Radfahrer seit der Novelle der Straßenverkehrsordnung im April dieses Jahres ohnehin zu den offiziell erlaubten Verkehrsschildern in Deutschland. Das Schild kann daher mittlerweile auch außerhalb von Pilotprojekten angebracht werden – wie es in den Niederlanden, Frankreich und Belgien schon seit längerer Zeit der Fall ist.

Mehr Tempo bei der Umsetzung wünscht sich daher der Berliner Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC Berlin). Dass es in der Hauptstadt bisher noch keine konkreteren Pläne zum Grünpfeil gibt, sei „enttäuschend“, sagte Sprecherin Lisa Feitsch. „Die Grundlage für Städte, das Verkehrszeichen einzuführen, ist spätestens seit der StVO-Novelle Ende April geschaffen.“ Der ADFC fordere den Grünpfeil für Radfahrende seit Jahren. Dies erhöhe den Verkehrsfluss für den Rad- als auch für den Autoverkehr, so die Sprecherin. Dass auch Berlin im vergangenen Jahr einen Pilotversuch zum Grünpfeil startete sei „immerhin ein Trippelschritt in die richtige Richtung“ gewesen, sagte Feitsch. „Jetzt muss der Senat jedoch auch den nächsten Schritt gehen und den Radverkehr in Berlin – im Sinne des Mobilitätsgesetzes – mit Hilfe verschiedener Maßnahmen wie etwa dem Grünen Pfeil für Radfahrende, attraktiver und sicherer machen.“

Dass es anders geht, zeigt die Stadt Köln. Neben den drei Grünpfeilen des Pilotprojekts hat die Stadtverwaltung der Rheinmetropole Anfang Juli neun weitere der Schilder an Kreuzungen montiert. Auch in Mülheim an der Ruhr hängen seit Juli neun zusätzliche Grünpfeile. Zuvor hatte das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium bereits Anfang Mai konkrete Anwendungskriterien für das neue Verkehrszeichen erlassen.