Verkehr in Berlin

Wie schnell Busse und Trams in Berlin unterwegs sind

Viele Berliner nutzen Busse oder Trams. Doch hat sich die Geschwindigkeit im ÖPNV erhöht? Eine Auswertung zeigt ernüchternde Ergebnisse

Um Berlins Nahverkehr zu beschleunigen, müsste die Infrastruktur ausgebaut werden.

Um Berlins Nahverkehr zu beschleunigen, müsste die Infrastruktur ausgebaut werden.

Foto: Reto Klar

Berlin. Die Berliner Busse und Straßenbahnen sind immer noch genauso langsam wie vor zwei Jahren. Während die durchschnittliche Geschwindigkeit der Straßenbahnen 2018 und 2019 keine Steigerung erzielen konnte, fuhren die Omnibusse gerade einmal 0,1 Kilometer die Stunde schneller. Das geht aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Verkehr auf eine Anfrage des Abgeordneten Kristian Ronneburg (Linke) hervor. „Die Beschleunigung des Busverkehrs und Vorrangschaltungen für den ÖPNV müssen absolute Priorität haben“, so Ronneburg. Trotz Vereinbarung im Koalitionsvertrag ließen neue Busspuren, die den Busverkehr in der Stadt beschleunigen sollen, weiter auf sich warten.

Ronneburg hatte die Verkehrsverwaltung dazu aufgefordert, ihm eine Auflistung der Durchschnittsgeschwindigkeiten der Berliner Busse und Straßenbahnen aufzulisten, um einen Überblick über den aktuellen Entwicklungsstand zu erhalten. Das Ergebnis, fiel ernüchternd aus. Der Statistik zufolge ist eine Verbesserung der Geschwindigkeiten des Öffentlichen Nahverkehrs nicht zu erkennen. Lediglich das mittlere Tempo der Busse hat sich in den Jahren um gerade mal 0,1 Stundenkilometer erhöht, von 17,9 auf 18 Kilometer pro Stunde.

Verkehr in Berlin: Keine Verbesserung bei den Straßenbahnen

Bei den Straßenbahnen gab es keine Verbesserung, die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt nach wie vor konstant 18,8 Kilometer die Stunde. „Leider sind die Ergebnisse bis heute nicht zufriedenstellend, denn wir müssen endlich die Trendumkehr schaffen und Bus und Straßenbahn beschleunigen. Stattdessen sinkt die Durchschnittsgeschwindigkeit immer weiter“, so Ronneburg. „Vorrang und Beschleunigung von Bus und Straßenbahn sind aber elementar, um den ÖPNV attraktiv zu machen.“


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Charlottenburger Buslinie ist die langsamste

Die langsamste der Buslinien bleibt nach wie vor auch 2019 die Linie 245, die zwischen den Haltestellen Hertzallee im westlichen Charlottenburg und Memhardstraße in Mitte pendelt, mit einem mittleren Tempo von 13,74 Kilometer pro Stunde. Im Vergleich zu ihren Zeiten im Vorjahr hat sich die Geschwindigkeit auf dieser Strecke um 0,75 Kilometer pro Stunde verlangsamt.

Am schlechtesten schneidet laut der Statistik der Nachtbus N35 ab. Während er 2018 mit einer mittleren Geschwindigkeit von 30,88 Kilometer pro Stunde von Alt-Kladow bis zur Gutsstraße gefahren ist, fuhr er 2019 2,89 Kilometer pro Stunde langsamer. Damit verlor er 2019 9,4 Prozent an Geschwindigkeit. Allerdings hat sich auch die Streckenführung etwas verändert.

Durchschnittsgeschwindigkeiten der Trams „unzufriedenstellend“

Ähnlich „unzufriedenstellend“, wie Ronneburg sagt, sind die Zahlen der Durchschnittsgeschwindigkeiten bei den Straßenbahnen. Lediglich die M10, die zwischen den Haltestellen Warschauer Straße und Lüneburger Straße fährt, konnte ihr Tempo von durchschnittlich 15,21 (2018) auf 15,35 Kilometer pro Stunde, also um 0,9 Prozent verbessern. Bei allen weiteren Linien haben sich die Mittelwerte entweder gar nicht verändert oder aber sie sind minimal langsamer geworden.

Schlusslicht bildet hier die Straßenbahnlinie 21 von Schöneweide/Sterndamm bis Lichtenberg/Gudrunstraße, deren Tempo sich in den letzten beiden Jahren von 19,91 (2018) auf 19,56 Kilometer pro Stunde (2019) verschlechtert hat. „Es darf keine weitere Verlangsamung von Bus und Straßenbahn geben“, fordert Ronneburg und nimmt die dafür zuständige Verkehrsverwaltung, die Bezirksämter und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in die Pflicht.

Taskforce errichtet, um Fahrzeiten zu beschleunigen

Die BVG und die Senatsverkehrsverwaltung haben bereits in Zusammenarbeit eine Taskforce errichtet, um die Fahrzeiten der öffentlichen Verkehrsmittel zu beschleunigen und damit deren Nutzung attraktiver zu machen, sagt Jannes Schwentu, Pressesprecher der BVG. Eines der häufigsten Probleme sei, dass Buslinien, die durch die Innenstadt fahren, oftmals wegen des dichten Verkehrs nicht die maximal erlaubte Geschwindigkeit fahren können.

Weiter würden auch Demonstrationen gerade im innerstädtischen Bereich den Verkehr bremsen, genauso wie langwierige Baustellen, die den Verkehr ins Stocken bringen, so Schwentu. Busse müssten umgeleitet werden und das koste dementsprechend Zeit. Hinzu komme nach Angaben des BVG-Sprechers, dass einige Busspuren und auch Straßenbahngleise oft von parkenden Autos blockiert werden. „Busspuren bringen nur dann etwas, wenn sie als solche genutzt werden können“, so Schwentu. Die Ausführung obliegt dann den einzelnen Bezirken.

Seit Beginn dieses Jahres sind die Berliner Verkehrsbetriebe dabei, einen eigenen Abschleppdienst aufzubauen, um diesen Vorgang zu beschleunigen, noch sind sie allerdings dabei auf die Polizei angewiesen, die bisher das Abschleppen anordnen musste. Zu den bisher existierenden rund 102 Kilometern Busspur hat die BVG mehr als 15,2 Kilometer neue Spuren beim Senat beantragt, die bereits genehmigt wurden, weitere Strecken stünden kurz vor der Anordnung, bestätigt Jan Thomsen, Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung.

Investitionen in Höhe von 28 Milliarden Euro bis 2035

„Eine Beschleunigung des öffentlichen Nahverkehrs wird es in erster Linie mit einem massiven Ausbau der Infrastruktur geben können“, so Thomsen. Der neue Nahverkehrsplan für die Jahre 2019 bis 2023 und seiner Langfristperspektive bis 2035 beschreibe dabei entsprechende Maßnahmen, die für eine Beschleunigung benötigt werden. Der Umfang der Investitionen betrage laut Thomson mehr als 28 Milliarden Euro, die bis 2035 in den Bereich Bahnen und Busse fließen sollen. Dazu gehören mehr Wagen, mehr Strecken, dichtere Takte, aber auch höhere Attraktivität sowie Dekarbonisierung, also die Umstellung auf E-Busse.

Insbesondere zwei Maßnahmen würden, so Thomson, ganz konkret der Beschleunigung von Bussen und Bahnen dienen: „Einerseits die Einrichtung von Busspuren, damit diese nicht im Stau stehen, andererseits die Installation sogenannter Vorrangschaltungen an Ampeln, die dann auf Abruf Grün für den ÖPNV, also für Straßenbahnen und Busse, anzeigen.“ Neben der Anordnung neuer Busspuren habe die Verkehrsverwaltung nach eigenen Angaben zudem seit 2017 bislang 67 neue Vorrangschaltungen installieren lassen. Damit gibt es jetzt insgesamt 1077 Ampelanlagen mit dieser Technik, das macht rund die Hälfte aller rund 2100 Ampelanlagen in Berlin aus.

Beschleunigungsspuren für Busse gefordert

Für die Opposition ist das jedoch noch nicht genug. „Die Durchschnittsgeschwindigkeiten sind, wie man sieht, viel zu langsam“, so Olivier Friederici, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Viel mehr müsse dafür getan werden, den ÖPNV zu beschleunigen: „Das geht gar nicht, da muss viel massiver vorgegangen werden.“

Statt neue Fahrradspuren einzurichten, fordert Friederici mehr Beschleunigungsspuren für Busse – oder gleich beides. Ein klassischer Fall sei die Steglitzer Schlossstraße, wo die Fahrbahn wegen eines Radweges verengt wurde. „Das ist nicht die Lösung und verlangsamt erheblich den Busverkehr“, kritisiert er. Auch er bemängelt, dass dass die Senatsverkehrsverwaltung nicht mit den Ampelvorrangschaltungen für die Busse vorankomme. „Das muss auch gar nicht lange sein, vier bis fünf Sekunden langen reichen schon, damit die Busse schneller voran kommen können.“