Elektromobilität

Erste Elektro-Gelenkbusse der BVG nehmen Betrieb auf

Auf der Linie 200 sollen 17 neue Elektro-Gelenkbusse den Betrieb übernehmen. Geladen werden sollen die Fahrzeuge an Endhaltestellen.

BVG-Betriebsvorstand Rolf Erfurt nimmt am Donnerstag einen neuen Elektro-Gelenkbus in Betrieb.

BVG-Betriebsvorstand Rolf Erfurt nimmt am Donnerstag einen neuen Elektro-Gelenkbus in Betrieb.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin. 18 Meter lang sind die neuen Gelenk-Elektrobusse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). 99 Fahrgäste sollen darin Platz finden, wenn sie auf der Linie 200 vorbei an Rotem Rathaus und Philharmonie bis zum Zoologischen Garten fahren. Donnerstagmorgen unternahmen BVG-Betriebsvorstand Rolf Erfurt, Tamara Zieschang (CDU), Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, und Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) die Jungfernfahrt mit dem neuen Stromer.

Vor allem die neue Ladetechnik fällt den Gästen bei der Präsentation zunächst ins Auge. Die BVG hat an den beiden Endhaltestellen der Linie 200, der Michelangelostraße in Prenzlauer Berg und dem S-Bahnhof Zoologischer Garten sogenannte Pantograf-Ladestationen errichtet. Mit den Schnellladesäulen soll es nach Angaben der Verkehrsbetriebe möglich sein, die Busse innerhalb von sechs bis sieben Minuten wieder voll zu laden, nachdem die Fahrzeuge eine Fahrt auf der rund zwölf Kilometer langen Linie 200 zurückgelegt haben.

16,7 Millionen Euro für neue Busse und die Ladeinfrastruktur

Die Pantrograf-Schnelllader sind eine Premiere für die BVG. Der Landesbetrieb hat zwar mittlerweile bereits 67 kleinere Elektrobusse, sogenannte Eindecker, in Betrieb. Diese Strom-Busse müssen aber jedes Mal zurück in den Betriebshof fahren, um geladen zu werden. Es sei schwer zu sagen, welches System sich letztlich durchsetze. Möglicherweise könnten sich auch mehrere Optionen im täglichen Betrieb integrieren, sagte der BVG-Programmleiter für die Elektrifizierung der Busflotte, Daniel Hesse, am Donnerstag. „Es hilft nichts, Studien dazu zu haben, wir müssen es selbst ausprobieren“, so Hesse. Genau das tut die BVG.

Die 17 neu angeschafften Fahrzeuge des Typs „Solaris Urbino 18 electric“ sollen Stück für Stück den Betrieb auf der Linie 200 übernehmen. Das Investitionsvolumen für die Gelenk-Elektrobusse beläuft sich auf rund 16,7 Millionen Euro. Die BVG übernimmt davon die Kosten, die für die Anschaffung vergleichbarer Dieselbusse angefallen wären. 4,3 Millionen Euro werden über die Förderrichtlinie Elektromobilität durch das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur beigesteuert. Die restlichen Mehrkosten übernehme das Land Berlin, hieß es in einer Mitteilung.

BVG-Vorstand: Busse müssen beweisen, dass sie Anforderungen einer Großstadt gewachsen sind

BVG-Betriebsvorstand Rolf Erfurt sagte am Donnerstag, die BVG ginge mit diesem Projekt den nächsten Schritt. „Rund die Hälfte unserer Fahrzeuge sind Gelenkbusse, weshalb wir gespannt sind, sie nun in der elektrisch angetriebenen Variante testen zu können“, erklärte Erfurt. Auf der hochfrequentierten Linie 200 könnten Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur beweisen, dass sie den Anforderungen einer Großstadt gewachsen seien.

Tamara Zieschang (CDU), Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, die kurzfristig für den eigentlich angekündigten Bundesverkehrsmister Andreas Scheuer (CSU) bei der Inbetriebnahme der neuen E-Busse sprach, betonte die Bedeutung des Verkehrssektors bei dem Ziel, Emissionen zu reduzieren. „Wir haben das Ziel, gerade in den Städten einen emissionsfreien ÖPNV zu ermöglichen“, sagte Zieschang. Es sei richtig, dabei auch die Ladeinfrastruktur in den Blick zu nehmen.

Regine Günther kündigt Ausbau der Busspuren an

Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) sagte, der Verkehrssektor Berlins befinde sich nach wie vor in einer Aufholjagd, wenn es darum gehe, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Die Umstellung auf Elektromobilität sei nicht ganz einfach, sagte Günther mit Blick auf die Batterietechnik und die Ladeinfrastruktur. Dafür notwendige Mehrkosten müssten gemeinsam geschultert werden, so die Grünen-Politikerin. „Ich sehe den politischen Willen, ich sehe den Umsetzungswillen und glaube, dass wir erfolgreich sein werden“, sagte Günther. Die Verkehrssenatorin kündigte an, noch mehr Busspuren schaffen zu wollen.

Stau oder freie Fahrt – das sei für das neue Ladesystem durchaus entscheidend, sagte Elektrobus-Programmleiter Hesse. Die BVG hat zwar einen Puffer eingeplant, um die neuen batteriebetrieben Gelenkbusse an den jeweiligen Endhaltestellen wieder vollladen zu können. Bleiben Fahrer allerdings im Verkehr hängen, könnte die Rechnung nicht mehr aufgehen. Um den Fahrplan auch bei Stau weiter einzuhalten, könnten Fahrer laut BVG allerdings einen Ladevorgang auslassen – ohne, dass Gefahr bestehe, auf offener Strecke liegen zu bleiben. Zusätzlich sei ohnehin eine Reichweite von 60 Kilometern als Notreserve im Akku reserviert, sagte Daniel Hesse. Damit könne das Fahrzeug zur Not auch zum Busbahnhof zurückkehren.

Ohne Dieselbusse geht es nicht

Die BVG verspricht sich durchaus viel von der neuen Ladeinfrastruktur. Möglicherweise könne sich die Lebensdauer der Batterie verlängern, weil durch das stetige Nachladen die thermische Belastung auf den Akku verringert werde, so Hesse. Das könne langfristig die Wirtschaftlichkeit der E-Busse erhöhen. Die Erkenntnisse aus dem Stresstest für die neuen Gelenk-E-Busse will die BVG aber nicht allein analysieren.

Wie sich die neuen Elektro-Gelenkbusse im regelmäßigen Einsatz anstellen, ist auch Teil einer Forschungskooperation mit der Technischen Universität und dem Reiner Lemoine Institut. Die TU will im Rahmen des Projekts etwa ein E-Bus-Leitsystem zur besseren Reichweitenprognose entwickeln.

Bis die BVG ausschließlich auf elektrisch betriebene Busse setzt, wird es aber noch dauern. Ab Januar sollen neue 200 Doppeldecker-Busse mit Dieselantrieb vom Hersteller ausgeliefert werden, sagte BVG-Vorstand Rolf Erfurt. Hinzu kommen 125 weitere Euro-6-Dieselbusse, mit denen die bestehende Dieselbus-Flotte modernisiert werden soll.