Bildung

Berlins Lehrer müssen auf Corona-Tests warten

Die fünf benannten Teststellen haben kaum Termine frei. Die Zahl der Coronafälle an den Schulen steigt. Ein großes Problem.

Das Versprechen, dass Lehrkräfte, Schulpersonal und Erzieher sich jederzeit spontan testen lassen können ist da – die Termin weniger

Das Versprechen, dass Lehrkräfte, Schulpersonal und Erzieher sich jederzeit spontan testen lassen können ist da – die Termin weniger

Foto: Bodo Schackow / dpa

Berlin. Der mit Spannung erwartete Hygienebeirat, zu dem die Senatsverwaltung für Bildung eingeladen hatte, ging am Montag nach mehr als zwei Stunden zu Ende – und einige Probleme wurden konkret angesprochen. So ging es um die versprochene zeitnahe Testung von Lehr- und Kitakräften an fünf verschiedenen Teststellen der Stadt. Dort sollen sich Schulpersonal und Kitaerzieher auch ohne Symptome testen lassen dürfen, damit die pädagogischen Mitarbeiter mehr Sicherheit haben. Allerdings sind vor Mitte September keine Termine mehr verfügbar.

„Die Wartezeiten sind im Moment zu lang“, bestätigte die Berliner GEW-Vorsitzende Doreen Siebernik. Und oft liegen die angebotenen Testzeiten während der Unterrichtszeit. Frank Mockenhaupt von der Charité, der die Berliner Teststrategie verantwortet, bestätigte die Engpässe. Das habe auch mit den Reiserückkehrern zu tun. Er hofft, dass die Situation sich bald entspanne.

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„Es sind alle Willens“, sagte Schulleiter Sven Zimmerschied

Insgesamt war die Stimmung im Beirat aber betont wohlwollend. „Ich fand es sehr angenehm, sehr sachlich, sehr konstruktiv“, sagte der Landeselternvorsitzende Norman Heise. Im Beirat wird versucht, die verschiedenen Perspektiven, die im Schulalltag im Zuge von Covid-19-Infektionen eine Rolle spielen, zu bündeln. Von Schulträgern über die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Schülervertretern bis zum Amtsarzt und Wissenschaftlern. „Es sind alle Willens“, fasste Schulleiter Sven Zimmerschied von der Friedensburg-Oberschule die Stimmung zusammen.

Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) war wichtig, mit dem Hygienebeirat ein festes Gremium zu schaffen, um die Kommunikation etwas stärker zu formalisieren. „Kommunikation“ ist auch das Thema einer Arbeitsgruppe, denn die lief in den letzten Tagen oft weniger gut. Viele fühlten sich schlecht informiert.

In einem Bezirk wird getestet, im nächsten nicht

Denn die Verunsicherung ist groß. An 23 Schulen der Stadt sind jetzt Coronafälle aufgetreten. „Bislang gibt es aber keine weiteren Infektionen innerhalb der Schulen“, betonte Zimmerschied. Alle weiteren Tests von Schulangehörigen, die Kontaktpersonen eines Infizierten waren, sind bisher negativ geblieben. Allerdings wurde im Hygienebeirat auch thematisiert, dass die Bezirke sehr unterschiedlich bei den Testungen vorgehen. Während in einigen Bezirken alle Schüler und Schulangehörige, die sich mit einem Infizierten länger in einem Klassenraum befanden, zuerst getestet werden, bevor sie zurück in die Schule dürfen, fällt dieser Test in anderen Bezirken aus Kapazitätsgründen aus. Dort dürfen Schüler, so lange sie symptomlos bleiben, nach einigen Tagen ungetestet in die Schule wiederkehren. Geregelt wird das von Bezirk zu Bezirk anders.

Am Ende verabschiedete man sich in Arbeitsgruppen. Die Arbeitsgruppen – ob zum Thema Lüftung oder der Frage nach einem Hygiene-Stufenplan für den Herbst – treffen sich zeitnah. Das nächste Treffen des Hygienebeirats soll dagegen erst in drei oder vier Wochen sein.

Die Angst der Firmenchefs vor infizierten Auszubildenden

Doch mit der steigenden Zahl der Coronafälle in Schulen nimmt auch das Misstrauen gegen den Hygieneplan zu. Was das konkret heißen kann, zeigt das Beispiel des Berliner Unternehmers Etem Bingöl. Der hat in seiner Firma zwei Auszubildende, die zweimal die Woche ihre Berufsschule im Oberstufenzentrum Louise Schroeder für Bürokommunikation in Lichterfelde besuchen. Nach den Sommerferien ging der Unterricht wieder los, eine Auszubildende erzählte, sie säße mit 29 Schülern über Stunden eng in einem Raum. Masken werden im Unterricht nicht getragen. „Fahrlässig“, sagt Bingöl. Die Gefährdung sei zu groß. Er hat seinen beiden Auszubildenden jetzt Schulverbot erteilt. Denn Bingöl sieht ein doppeltes Risiko – einmal für sein Unternehmen und einmal für sich persönlich.

Die Rückkehrer aus dem Urlaub seien genauso ein Problem wie feierwütige Jugendliche, sagt er. Und fragt sich: Was ist, wenn eine der beiden Auszubildenden sich an den Schultagen infiziert und den Virus in seine Unternehmensberatung trägt? „Da wir ein Kleinunternehmen mit sieben Festangestellten, zwei Auszubildenden und fünf studentischen Aushilfskräften sind, würde bei einer Ansteckung unsere Firma ihre Existenz riskieren“, erzählt er. Außerdem hat der 56-jährige Unternehmer gerade eine Krebserkrankung überstanden, auch als Privatmann hat er Angst. Auch andere Firmen machen sich solche Sorgen.

Die Schulpflicht gilt, daran sei nichts zu ändern

„Wir haben viel Verständnis für die Unternehmen, aber auf der anderen Seite haben wir das Berufsbildungsgesetz, das eingehalten werden muss“, sagt Nils Knochmuß von der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK). Die Schulpflicht gelte halt, daran sei nichts zu ändern. Ärgerlich sei, so Knochmuß, dass den Berufsschulen wenig Flexibilität eingeräumt wird. „In vielen Berufsschulen ist Unterricht an nur zwei Tagen die Regel“, sagt er. Man könne die Klassen halbieren, einen Tag Präsenz- und einen Tag Fernunterricht veranstalten. Die Berufsschulen seien dafür gut aufgestellt. Doch das wolle die Senatsverwaltung für Bildung nicht. Sie beharre auch hier auf den Regelunterricht.

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