Schulbau

Aus Containern für Flüchtlinge werden Schulgebäude

Die Tempohomes werden sukzessive abgebaut. Für die 5600 Wohnboxen soll es eine neue Verwendung als Klassenräume und Mensen geben.

Tempohomes wie diese auf dem Tempelhofer Feld sollen zukünftig für Schulen verbaut werden.

Tempohomes wie diese auf dem Tempelhofer Feld sollen zukünftig für Schulen verbaut werden.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin. Die nicht mehr benötigten Containerelemente aus den geschlossenen Tempohomes für Flüchtlinge sollen für die Erweiterung Berliner Schulen genutzt werden. Die Senatsverwaltungen für Bildung und für Finanzen sind gerade dabei, mit der landeseigenen Immobilienmanagementgesellschaft BIM einen entsprechenden Rahmenvertrag zu verhandeln. Ein erstes Pilotprojekt, um die Wohnmodule in Schulbausteine umzunutzen, ist fest geplant.

An der Ernst-Ludwig-Heim-Grundschule in Spandau wird neben dem Schulhaus eine dreistöckige Containeranlage mit Mensa und einer Küche für die Essensausgabe geplant. Baubeginn soll 2021 sein. Die BIM soll demnächst ein Architektenbüro beauftragen. Bauherr ist das Bezirksamt Spandau, wie Finanzstaatssekretärin Vera Junker jetzt dem Linken-Abgeordneten Kristian Ronneburg auf eine Anfrage hin mitteilte.

Im Juni hatte die Task-Force Schulbau sich grundsätzlich für eine Verwendung der Container an den Schulen ausgesprochen. Neben dem Pilotvorhaben in Spandau sollen weitere Modelle und Einsatzmöglichkeiten modellhaft erarbeitet werden: ein Mensabau, ein zweigeschossiges Modul mit vier Klassenzimmern sowie ein dreigeschossiger Würfel aus Klassenzimmern, Nebenräumen und Sanitäranlagen.

Senat hatte 2016 und 2017 5600 Container angeschafft

Wenn diese Planungen abgeschlossen sind, wollen die Behörden sie mit alternativen Möglichkeiten für kurzfristige Erweiterungsbauten vergleichen, also mit neuen Containern oder dem „Fliegenden Klassenzimmer“, wie Holzbauten aus vorgefertigten Modulen genannt werden. Vor allem geht es in diesem Vergleich darum, wie die Nachnutzung der Flüchtlings-Container wirtschaftlich im Vergleich mit anderen Optionen abschneidet. „Als eine priorisierte Nachnutzungsmöglichkeit wird derzeit der Einsatz von Containern als temporäre Maßnahme zur Schul- bzw. Mensenerweiterung angesehen“, heißt es in der Antwort auf die Linken-Anfrage.

5600 Container hatte der Senat 2016 und 2017 angeschafft und zu 17 Wohndörfern für Geflüchtete zusammengesetzt. Weil die Nutzung als Flüchtlingsheim an vielen Standorten verlängert wurde, stehen zunächst nur die Boxen aus zwei früheren Tempohomes zur Verfügung. Sie werden im Wesentlichen für die Schulerweiterungen reserviert.

Wohn-Boxen können nicht einfach zu Schulräumen gemacht werden

Bildungsverwaltung und Bezirke stehen unter erheblichem Druck, die steigende Zahl von Schülern auch unterzubringen. Ganz einfach ist es jedoch nicht, aus den Wohn-Boxen Schulräume zu machen. Bisher waren die mehr als 5000 Container zu unterschiedlichen Typenbauten zusammengesetzt. Die meisten bildeten Wohneinheiten mit je drei Modulen oder Gemeinschaftsräume, die aus bis zu 20 dieser Teile bestehen. Wohn- und Sanitärcontainer haben dabei eine Innenhöhe von 2,30 Metern, die Gemeinschaftsräume dagegen 2,50 Meter. Wenn die bisherigen Strukturen nun aufgelöst werden, müssten die Planer womöglich „technische Ergänzungen“ vornehmen, schreibt die Finanzverwaltung.

Wegen des damals herrschenden Zeitdrucks und beabsichtigter kurzer Lebensdauer der Tempohomes wurden die Gebäude „mit reduzierten technischen Anforderungen“ errichtet. Die Mittel für die Containerschulen sollen aus dem Sondervermögen Infrastruktur für die wachsende Stadt (SIWA) kommen, auch der Pilotversuch in Spandau wird aus diesem mit gut drei Milliarden Euro gefüllten Investitionstopf finanziert.