Wohnen

Corona: Zahl der Wohngeldanträge steigt deutlich

Der Anstieg in Berlin beträgt 40 Prozent. Fast 22.500 Wohngeldanträge gab es allein in den ersten vier Krisenmonaten.

Wegen Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit beantragen immer mehr Berliner Wohngeld

Wegen Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit beantragen immer mehr Berliner Wohngeld

Foto: Martin Schutt / dpa

Berlin. In der Corona-Krise ist die Zahl der Wohngeldanträge in Berlin stark gestiegen. Während die Zahl in den ersten vier Pandemie-Monaten März bis Juni nach Angaben der Senatsverwaltung für Wohnen bei 22.430 lag, betrug sie in den vier Vorjahresmonaten nur 16.150. Das entspricht einer Steigerung von fast 40 Prozent. Am stärksten fiel der Anstieg im April aus. Hier registrierten die Behörden 50 Prozent mehr Anträge (6127) als im Vergleichsmonat des Vorjahres.

Daran wird sich wohl auch in den kommenden Wochen wenig ändern, da die Corona-Krise auf dem Arbeitsmarkt deutliche Spuren hinterlässt und so immer mehr Menschen auf Hilfen vom Amt angewiesen sind. Rund 209.000 Berliner sind nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit aktuell erwerbslos gemeldet – das sind 57.000 Menschen mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote wuchs im Juni im Vergleich zu Mai um 0,5 Punkte auf 10,5 Prozent. Sie liegt damit 2,7 Punkte über dem Vorjahreswert und ist weiterhin zweistellig.

Die meisten Wohngeldanträge wurden in den ersten vier Krisenmonaten in Marzahn-Hellersdorf (2459) gestellt, gefolgt von Pankow (2417) und Neukölln (2043). Die wenigsten Anträge hat das Bezirksamt in Steglitz-Zehlendorf registriert (1227).

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Corona-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet.

Corona in Berlin: Zahl der Wohngeldanträge könnte noch weiter steigen

Zu den Zehntausenden Unternehmen, die Kurzarbeit beantragt hatten, sind nach Angaben von Berlins Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) im Monat Juni weitere 1100 Firmen hinzugekommen, die Zahl der Wohngeldanträge könnte daher noch weiter steigen. Erste Hochrechnungen zeigen, dass allein im März 98.500 Berlinerinnen und Berliner in Kurzarbeit waren. Nach wie vor besorgniserregend ist nach Angaben der Regionaldirektion zudem die Entwicklung auf dem Ausbildungsstellenmarkt. Neben Geringverdienern sind Auszubildende von den Einschränkungen der Kurzarbeit stark betroffen und damit zuerst auf Hilfsleistungen angewiesen.

Um schnell auf die Notsituation in der Corona-Krise reagieren zu können, hat die Senatsverwaltung die Antragstellung für das Wohngeld vereinfacht. Bei Betroffenen, die aufgrund der aktuellen Beschränkungen Einkommenseinbußen haben, sollen die Ämter auf die sogenannte Plausibilitäts- und andere Prüfungen verzichten. Die bezirklichen Wohnungsämter haben auch die Möglichkeit, Vorschusszahlungen zu gewähren, damit keine Mietschulden entstehen. Zudem wird den Bezirken empfohlen, auslaufende Bewilligungen automatisiert für sechs weitere Monate zu verlängern.

Wie hoch der Wohngeld-Anspruch für Antragsteller ausfällt, hängt vom Einkommen, den Wohnkosten und der Anzahl der Haushaltsmitglieder ab. Die Berechnung erfolgt individuell nach den jeweiligen Lebensumständen.

Ob die Wohnung öffentlich gefördert oder frei finanziert wurde, ob sie einer Genossenschaft, der Kommune, einer Wohnungsgesellschaft oder einem privaten Vermieter gehört, spielt keine Rolle. Auch für die Unterkunft in einem Heim kann Wohngeld beantragt werden.

Durchschnittlich 140 Euro Wohngeld pro Monat im vergangenen Jahr

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes betrug die durchschnittliche Höhe des gewährten Wohngeldes im vergangenen Jahr 140 Euro pro Monat. Demnach registrierte die Verwaltung vor der Krise einen regelmäßigen Rückgang der Anträge, zuletzt sank die Zahl um zehn Prozent auf insgesamt 41.000 Haushalte. In diesem Jahr wird die Zahl wieder deutlich steigen.

Das Wohngeld wird in der Regel für ein Jahr gewährt und muss dann neu beantragt werden. Ausgenommen von der Unterstützung mit Wohngeld sind Hartz-IV-Empfänger und Studenten, die BAföG erhalten. Deren Wohnkosten werden bereits im Rahmen der Leistungen berücksichtigt.

Mehr als die Hälfte der Wohngeldempfänger sind Rentner und Pensionäre. An zweiter Stelle stehen Arbeitnehmer und Beamte (27 Prozent). Der verbleibende Anteil entfällt auf Studierende/Auszubildende, Selbstständige und Arbeitslose.