Vorgabe

BVG muss die Werbung auf ihren Bussen reduzieren

Die Fensterwerbung auf Fahrzeugen der BVG ist seit vielen Jahren ein Streitthema. Nun gibt es eine Entscheidung.

Ein BVG-Bus mit Eigenwerbung.

Ein BVG-Bus mit Eigenwerbung.

Foto: Wolfram Steinberg / picture alliance / Wolfram Steinberg

Berlin. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) müssen die Werbung auf den Fensterscheiben ihrer Busse künftig reduzieren. Das geht aus Unterlagen des kürzlich zwischen der BVG und dem Land Berlin geschlossenen Verkehrsvertrag hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegen. Demnach darf die BVG neben den Karosserien ihrer Trams und Busse auch 25 Prozent der Fensterflächen der Fahrzeuge mit kommerzieller Werbung bekleben.

Eine Einschränkung gibt es dabei allerdings für die Busse. Für sie gilt die Erlaubnis nur „in einem Umfang von 30 Prozent der in den letzten fünf Jahren durchschnittlich mit Fensterwerbung genutzten Fahrzeuge“, heißt es in der kürzlich unterzeichneten Mantelvereinbarung des Verkehrsvertrags. 70 Prozent all jener Busse, die zuletzt mit Aufdrucken auf den Scheiben unterwegs waren, müssen künftig wieder mit komplett freier Sicht nach draußen unterwegs sein.

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BVG in Berlin: Werbung auf Fenstern seit vielen Jahren Streitthema

Die Fensterwerbung auf Fahrzeugen der BVG ist seit vielen Jahren ein Streitthema. Das Land Berlin wollte dem Unternehmen bereits 2007 im Rahmen der Verhandlungen für den bislang gültigen Verkehrsvertrag vollständig untersagen, Fensterscheiben weiterhin zu bekleben. So ist es auch zwischen Land und der S-Bahn Berlin GmbH geregelt – die laut Senatsverkehrsverwaltung jedoch auch weniger Interesse an Fahrzeugwerbung habe als die BVG.

Doch letztlich setzte sich in den damaligen Verhandlungen die BVG unter Verweis auf bestehende Verträge mit langer Laufzeit durch. Seither darf ein Viertel der Scheibenflächen aller Fahrzeuge der Verkehrsbetriebe mit sichteinschränkender Werbung versehen werden.

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Verkehrsvertrag in Berlin muss bis Monatsende fertig sein

Just im Dezember 2019, kurz vor den intensiven Verhandlungen für den neuen Verkehrsvertrag, schrieb die BVG dann erneut die Fahrzeugwerbung öffentlich aus. Auch dort gab das Landesunternehmen an, dass künftig ein Viertel aller Fensterscheiben mit Folien beklebt werden könne. Dies scheint im Rahmen der Verhandlungen mit dem Land Berlin nun zumindest teilweise eingeschränkt worden zu sein.

Dem Berliner Fahrgastverband Igeb ist die Werbung auf Fenstern im öffentlichen Nahverkehr seit jeher ein Dorn im Auge. Sein Verband lehne diese grundsätzlich ab, sagte der stellvertretende Vorsitzende Jens Wieseke. „Der Nahverkehr hat attraktiv zu werden, dazu gehört auch die freie Sicht nach draußen.“ Bei einem privaten Pkw etwa, so Wieseke, würde sich die Frage nach einem unverstellten Blick aus dem Fenster gar nicht erst stellen.

Die BVG wollte sich auf Anfrage nicht zu der neuen Regelung äußern. Da der Verkehrsvertrag als Ganzes noch nicht unterzeichnet sei, gebe man derzeit dazu keinen Kommentar ab, teilte Sprecher Jannes Schwentu mit. Auch wie viele Fahrzeuge der BVG derzeit mit Fensterwerbung versehen sind, wollten die Verkehrsbetriebe wegen des derzeit laufenden Vergabeverfahrens für die Reklame nicht kommunizieren. Schwentu wies allerdings auf die grundsätzliche Bedeutung der Fahrzeugreklame hin. „Werbung ist für uns eine wichtige Einnahmequelle. Jeder Euro, den wir damit verdienen, muss nicht anderweitig über die Ticketpreise oder Zuschüsse hereingeholt werden“, sagte er.

Final ist die neue Regelung aus dem im Juli unterzeichneten Mantelverkehrsvertrag offenbar jedoch noch nicht. Nach Informationen der Berliner Morgenpost drängt die BVG darauf, in den derzeit laufenden Verhandlungen für das endgültige Vertragswerk eine andere Vorgabe zu treffen. Hintergrund sind vom Land geforderte Einsparungen bei der BVG, um für die verabredeten Leistungen weniger Landesmittel einsetzen zu müssen. Möglich wäre dies über mehr Fahrzeugwerbung, soll die Ansage der Verkehrsbetriebe sein, wie aus BVG-Kreisen zu hören ist. Bislang soll sich in diesem Zusammenhang bei den Verhandlungen allerdings kein neuer Stand abzeichnen.

Einzelheiten zur Elektrifizierung der Busflotte offenbar unklar

Das Land und die BVG hatten nach langen Verhandlungen am 7. Juli die Mantelvereinbarung für den künftigen Verkehrsvertrag unterzeichnet. Mit dem Abkommen beauftragt das Land die BVG direkt, in den kommenden 15 Jahren den Betrieb von U- und Straßenbahnen, Bussen und Fähren zu gewährleisten. Dafür verpflichtet sich der Berliner Senat, in dieser Zeit bis zu 19 Milliarden Euro für Betrieb und Neukauf von Bussen und Bahnen der BVG zu investieren. Der Vertrag tritt zum September 2020 in Kraft und gilt bis 2035.

Zwar stehen damit die Eckpfeiler des Vertragswerks, viele Details werden jedoch immer noch ausgehandelt. Unklar sollen nach Informationen der Berliner Morgenpost etwa auch noch Einzelheiten zur Elektrifizierung der Busflotte sein. Der endgültige Verkehrsvertrag zwischen der BVG und dem Land Berlin muss spätestens bis zum 31. August unterzeichnet sein.