Insolvenz

Diese Berliner Karstadt-Häuser sollen erhalten bleiben

Der insolvente Einzelhandels-Konzern sieht davon ab, im Zuge seiner Sanierungsstrategie diese Berliner Filialen zu schließen.

Die Karstad-Filiale am Tempelhofer Damm (Archivbild).

Die Karstad-Filiale am Tempelhofer Damm (Archivbild).

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Berlin. Die Schrumpfungskur des letzten verbliebenen deutschen Warenhauskonzerns in Berlin fällt doch glimpflicher aus als angekündigt. Das schwer angeschlagene Unternehmen Galeria Kaufhof Karstadt will statt sechs Kaufhäuser nun nur noch zwei schließen, nämlich im Linden-Center in Hohenschönhausen und in den Gropius-Passagen in Neukölln. Erhalten bleiben hingegen die Karstadt-Filialen an der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg, an der Weddinger Müllerstraße und am Tempelhofer Damm. Auch das Galeria-Kaufhof-Haus im Lichtenberger Ring-Center bleibt bestehen. 45 Millionen Euro will der Konzern bereitstellen, um die vier Standorte aufzubessern.

Das hat das Unternehmen in einem Letter of Intent mit dem Senat zugesagt, den beide Seiten nach wochenlangen Verhandlungen am Montag unterzeichnet haben. 800 Arbeitsplätze, die zu 70 Prozent von Frauen besetzt sind, bleiben somit erhalten. Auch für die von der Schließung bedrohte Filiale von Karstadt Sports im Kranzler Eck soll weiter nach einer Lösung gesucht werden.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sprach von einem „guten Tag“ für Berlin und für den Berliner Einzelhandel. „Es ging uns vor allem um die Arbeitsplätze“, so Müller. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagte, Karstadt-Häuser seien „wichtige Anker für die Kieze“. Jetzt sei ein „gutes Paket“ geschnürt worden, das Standorte sichere. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) betonte den Beitrag der am Sonntagabend wegen nicht abgeführter Einkünfte aus Aufsichtsrats- und Verwaltungsmandaten zurückgetretenen Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke), die an der Einigung „aktiv mitverhandelt“ habe. Dennoch sehe er die Lage wegen der Schließungen in Hohenschönhausen und Neukölln „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“.

Kommentar: Karstadt muss die Zeit nutzen

Zugeständnisse des Landes bei Bau-Projekten der Signa

Arndt Geiwitz, Generalbevollmächtigter Galeria Karstadt Kaufhof, der bei der Unterzeichnung der Vereinbarung nicht anwesend war, sprach in einer Mitteilung von einer „zukunftsweisenden Entscheidung für Berlin und seinen innerstädtischen Einzelhandel“ – insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-Krise. Jetzt sei es wichtig, dass auch „die beiden Vermieter zu ihren Zusagen stehen“. Denn die Eigentümer der Immobilien haben erhebliche Zugeständnisse bei den Mietforderungen in Aussicht gestellt. Mit den unterschiedlichen Vermietern begründete Wirtschaftssenatorin Pop auch die abweichende Dauer der Garantien für die Standorte. So ist die Filiale im Ring-Center für zehn Jahre gesichert, die am Tempelhofer Damm für fünf und die Häuser in Wedding und Charlottenburg für zunächst drei Jahre. Angestrebt wird auch hier eine Garantie und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen für zehn Jahre.

Dass alle drei Spitzenvertreter der rot-rot-grünen Koalition den Deal verkündeten, bedeutet eine gemeinsame Verpflichtung für die Zukunft, aus der keine der Bündnis-Parteien ausscheren kann. Denn die Gegenleistungen der Stadt sind vor allem städtebaulicher Natur, was Lederers Hinweis auf die Rolle der Ex-Bausenatorin erklärt. Mit am Tisch mit den Berliner Vertretern saß nämlich nicht nur der insolvente Warenhauskonzern, sondern auch dessen finanzstarker Eigner Signa. Die Firma des österreichischen Immobilieninvestors René Benko hat in der Stadt Projekte für vier Milliarden Euro im Bau oder in der Planung und ist vielerorts auf ein Entgegenkommen der Stadt angewiesen.

Ganz deutlich sagte das Tempelhof-Schönebergs Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD). Die Stadt habe in Gesprächen mit Signa „Gegendruck erzeugen“ können und deutlich gemacht, dass der Leerstand des Karstadt-Gebäudes in ihrem Bezirk eine besondere Belastung für die Verwaltung bedeuten würde. Diese könne dazu führen, dass andere Bauvorhaben „nach hinten rutschen würden“, so Schöttler. Konkret hätte das auch ein weiteres Signa-Projekt an der Passauer Straße in Schöneberg, gegenüber des KaDeWe, betroffen. Signa plant dort einen Neubau mit 20.000 Quadratmeter Büro- und Einzelhandelsfläche sowie Tiefgarage. Das Unternehmen habe viel für sich herausholen können, so die Bürgermeisterin. „Wir aber auch.“

Am Kurfürstendamm werden nun Hochhäuser erlaubt

Auch für die drei wichtigsten Vorhaben der Signa hat der Senat nun konkrete Zusagen gemacht. Für den vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg abgelehnten Warenhaus-Neubau am Hermannplatz wird der Senat einen Bebauungsplan erstellen. Dies gilt auch für das Vorhaben einer Verdichtung auf dem Areal des Karstadt-Hauses am Kurfürstendamm. Hier wollte Signa vier Hochhäuser bauen, fiel mit diesem Plan aber im Baukollegium durch. Nun sind ein bis zwei „Hochpunkte“ vorgesehen, die sich an den „Höhendominanten am Breitscheidplatz“ orientieren sollen, also an Hochhäusern wie dem Upper West (119 Meter) und dem Europa-Center (103 Meter). Auch am Alexanderplatz, wo es bereits einen Bebauungsplan für Hochhäuser gibt, macht die Stadt Zugeständnisse. So will man darauf verzichten, das geplante Hochhaus in sich zu verdrehen, weil das das bestehende Warenhaus beeinträchtigen und die Erschließung erschweren würde.

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