Corona-Krise

140 Millionen Euro für Berliner Start-ups in Not

Über die IBB kann sich das Land Berlin auch an durch die Corona-Krise in Not geratene Jung-Firmen beteiligen.

Die Investitionsbank Berlin hat ein neues Förderprogramm für durch Corona in Not geratene Start-ups gestartet.

Die Investitionsbank Berlin hat ein neues Förderprogramm für durch Corona in Not geratene Start-ups gestartet.

Foto: Fabian Sommer / dpa

Berlin. Noch im März zeichnete die Berliner Start-up-Szene ein düsteres Bild von ihrer Lage: In einer Umfrage des Bundesverbands deutsche Start-ups erklärten neun von zehn Jung-Unternehmen, die Corona-Krise habe sie negativ getroffen. 70 Prozent der Firmen sahen sich durch die Auswirkungen der Pandemie sogar in ihrer Existenz bedroht. Schon Anfang April kündigten Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) deswegen milliardenschwere Hilfen für deutsche Start-ups an. Für viele kleine Firmen steht die Hilfe erst jetzt bereit, was auch an langwierigen Verhandlungen zwischen Bund und Ländern über die Ausgestaltung der einzelnen Hilfen gelegen haben soll.

Es sei viel Zeit ins Land gegangen, erklärte am Mittwoch auch der Geschäftsführer des Bundesverbands deutsche Start-ups, Christoph Stresing, bei einem Pressetermin zum Start der neuen Corona-Hilfen für Berliner Start-ups bei der Investitionsbank Berlin (IBB). Die Start-ups hätten in der deutschen Hauptstadt in den vergangenen Jahren einen wesentlichen Beitrag für den Wachstumskurs geleistet. „Von der weiteren Entwicklung der Start-up-Landschaft in Berlin wird auch abhängen, ob der wirtschaftliche Aufschwung weiter fortgesetzt werden kann. Die Start-up-spezifischen Hilfen für durch die Auswirkungen der Corona-Krise unverschuldet in Not geratene Start-ups sind für viele betroffene Unternehmen überlebenswichtig“, so Stresing.

Bund und Berlin teilen sich Risiken auf

Konkret stehen für Berliner Jung-Unternehmen Hilfen in Gesamthöhe von rund 140 Millionen Euro zur Verfügung. Ausgereicht wird das Geld nicht in Form von Zuschüssen, sondern über Beteiligungen und Darlehen. Maximal werden pro Start-up 800.000 Euro gezahlt. Das Risiko für das von der öffentliche Hand eingebrachte Geld übernimmt zu 70 Prozent der Bund, Berlin trägt die restlichen 30 Prozent. Um die Hilfen auf den Weg zu bringen, ist allerdings immer ein privater Investor nötig, der 20 Prozent der Finanzierungsmittel bereitstellt.

Unterstützt werden Start-ups, die aufgrund der Corona-Krise in Not geraten sind und deren bislang eingesammeltes Risikokapital die Höhe von 15 Millionen Euro nicht übersteigt. „Wir wollen es nicht mit den größeren Brummern zu tun haben, sondern mit den kleineren Unternehmen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der IBB, Jürgen Allerkamp.

IBB setzt unterschiedliche Bausteine auf, um das Geld zu vergeben

Um das Geld an die Jung-Firmen vergeben zu können, habe sich die IBB für unterschiedliche Bausteine entschieden, so Allerkamp weiter. Berlin kooperiert bei der Ausgabe der Hilfen an die Start-ups deswegen auch mit sogenannten Intermediären. Das können Risikokapital-Gesellschaften, Family Offices oder auch Business Angels sein, mit deren Hilfe das Geld an die Start-ups ausgereicht werden soll. Entsprechende Investoren könnten sich jetzt bei der IBB registrieren lassen, so der Bank-Chef

„Nur so haben wir die Möglichkeit, die Mittel im Rahmen der knappen Frist an die wirklich bedürftigen Unternehmen heranzubringen und ihnen damit einen Engpass zu überbrücken“, betonte Allerkamp. Die Verträge für die Gelder müssen bis Ende des Jahres geschlossen sein, die Auszahlung kann bis Mitte 2021 erfolgen. Das Land Berlin könne durch eine Beteiligung an den Firmen langfristig von möglicherweise guten Geschäften und Wachstum der Start-ups profitieren, sagte der IBB-Projektleiter Corona-Hilfen für Start-ups, Wilhelm Reuß.

Im ersten Halbjahr investierten private Geldgeber weniger

Als einen Grund für die Zusammenarbeit mit privaten Investoren bei den Start-up-Hilfen nannte IBB-Chef Allerkamp auch den Rückgang der Risikokapital-Investitionen im ersten Halbjahr. Wie eine Analyse der Beratungsagentur EY ergeben hatte, investierten private Geldgeber in den ersten sechs Monaten 2020 zwar rund 1,1 Milliarden Euro in Berliner Start-ups. Das war allerdings deutlich weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, als noch rund 2,1 Milliarden Euro in Jung-Firmen gegeben wurde.

Wirtschaftsstaatssekretärin Barbro Dreher (Grüne) betonte am Mittwoch, Berlin wolle die Hauptstadt der Start-ups in Deutschland bleiben. Die Branche stehe für Innovationen und Digitalisierung und sei ein Wachstumstreiber, so Dreher. Angaben des Landes zufolge haben die Jung-Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren rund 60.000 Arbeitsplätze in der Stadt geschaffen. Zu den größten Berliner Start-ups zählen etwa der Mode-Händler Zalando, der Reiseerlebnisse-Vermittler Getyourguide oder der Online-Bestellplattformen-Betreiber Delivery Hero.

Mehr Informationen zu den Corona-Hilfen für Start-ups unter www.ibb.de