Kundgebungen

Demo der Corona-Leugner in Berlin: Zug der Empörten

| Lesedauer: 7 Minuten
Julian Würzer und Dennis Meischen
Corona-Demo Berlin: Was diese Menschen auf die Straße zieht

Corona-Demo Berlin: Was diese Menschen auf die Straße zieht

In Berlin demonstrierten Tausende gegen die Corona-Regeln. Einige Teilnehmer leugnen die Existenz des Coronavirus, andere schwenkten Reichsflaggen, andere sprachen von Diktatur. Was sie gemeinsam hatten: Fast keiner von ihnen trug einen Mund-Nase-Schutz. Ein Teil der Demo wurde von der Polizei aufgelöst, weil Hygienemaßnahmen nicht eingehalten wurden.

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17.000 Menschen protestierten gegen die Corona-Beschränkungen. Es gab Verstöße gegen die Hygieneregeln und einige verletzte Polizisten.

Berlin. Trotz steigender Infektionszahlen haben am Sonnabend Tausende Menschen mit einem Demonstrationszug durch Mitte gegen die Corona-Maßnahmen protestiert. Die Polizei ging von bis zu 17.000 Teilnehmern bei der Demo und 20.000 bei der anschließenden Kundgebung aus. Die Veranstalter sprach gar von zwischenzeitlich 800.000 Teilnehmern. Die Demonstranten forderten ein Ende aller Auflagen.

Anti-Corona-Demo: Strafanzeige gegen Leiter der Veranstaltung

Die anschließende Kundgebung beendete die Polizei dann wegen zu wenig Abstands und fehlender Masken. Die Veranstalter seien nicht in der Lage, die Hygienemaßnahmen einzuhalten, sagte ein Polizeisprecher. Gegen die Leitung der Kundgebung wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Wer Mundschutz trug, wurde von Demonstranten aufgefordert, den „Lappen vom Maul“ zu nehmen.

Bei der Auflösung der Kundgebung besetzte die Polizei die Veranstaltungsbühne. Mehrere Vertreter der Veranstalter wurden unter Protestrufen von Teilnehmern von der Bühne geholt. Als sich eine Person dagegen wehrte, gingen die Beamten mit Körpereinsatz vor. Auch andere Teilnehmer weigerten sich, den Ort zu verlassen. Polizisten mussten sie zum Teil von der Straße tragen. Es wurde von mehreren Dutzend Personen die Identitäten festgestellt und Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Im Zuge des Abstroms von der Kundgebung sammelten sich knapp 3000 Menschen auf dem Platz der Republik an. Außerdem bildeten rund 2000 Demonstranten eine Menschenkette vor dem Bundeskanzleramt. Auch dieses Mal wurden die Corona-Regeln missachtet, sodass auch hier polizeiliche Maßnahmen erforderlich wurden. Gegen 20 Uhr waren in beiden Bereichen nur noch wenige Hundert Personen zu verzeichnen.

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Anti-Corona-Demo ohne Mund-Nasen-Schutz und Abstand

Zum Beginn der Demonstration um 10 Uhr vor dem Brandenburger Tor hatten sich nach ersten Angaben rund 7000 Menschen eingefunden. Die Veranstaltung war zuerst nur für 1000 Teilnehmer angemeldet. Sie zogen über die Friedrichstraße in Richtung Torstraße über die Leipziger Straße zur Straße des 17. Juni.

Auf der Straße Unter den Linden stand ein Mann um die 50 aus Nordbayern ohne Mund- und Nasenschutz. „Wissen Sie, dass das Coronavirus aus dem Labor stammt“, sagte er. Es sei aber gar nicht so gefährlich, wie die Politiker vorgeben, so der Demonstrant. Es gehe eher darum, die Menschen „gefügig“ zu machen. Seit März fühle er sich in seinen Grundrechten eingeschränkt und wolle dagegen eintreten.

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Die Demonstranten hatten sich derweil in Stimmung gebracht. Vor dem ZDF-Hauptstadtbüro schrien sie „Lügenpresse, Lügenpresse“. An der Ecke Friedrichstraße riefen sie: „Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Freiheit klaut.“ Auf Schildern war zu lesen „Weg mit Merkel“ und „Mut zur Wahrheit“. Auf T-Shirts stand der Spruch „Gib Gates keine Chance“. Manche Teilnehmer schwenkten auch die verbotene Reichsflagge. Kommentieren wollte das keiner, weder der Fahnenschwenker, noch andere Teilnehmer.

Die Teilnehmer wurden von der Polizei immer wieder über Lautsprecherdurchsagen und im persönlichen Gespräch dazu aufgefordert, sich an das Hygienekonzept zu halten. Doch die Demonstranten ignorierten die Corona-Regeln. Die Versammlungsleitung wurde deshalb auf ihre Verantwortung zur Einhaltung der Auflagen und des Hygienekonzeptes hingewiesen. Auch die Versammlungsleitung kam der Aufforderung nicht nach. Es wurde ein Strafermittlungsverfahren gegen sie angefertigt. Gegen 14 Uhr und noch vor Erreichen des Endplatzes auf der Straße des 17. Juni wurde der Aufzug schließlich durch die Versammlungsleitung selbst für beendet erklärt.