Corona-Krise

Clubs wollen ins Freie - Grünflächen dringend gesucht

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Das Tanzen in Berliner Club ist wegen Corona derzeit nicht möglich. Der Berliner Senat will den Betreibern aber das Organisieren von Veranstaltungen im Freien ermöglichen.

Das Tanzen in Berliner Club ist wegen Corona derzeit nicht möglich. Der Berliner Senat will den Betreibern aber das Organisieren von Veranstaltungen im Freien ermöglichen.

Foto: Sophia Kembowski / dpa

Berlins Clubs würden gern Partys unter freiem Himmel feiern. Allerdings ist noch nicht sicher, wo das legal möglich ist.

Berlin. Noch sind die Clubs in Berlin wegen der Corona-Krise geschlossen. Open-Air-Veranstaltungen könnten deshalb eine Alternative sein. Die Frage ist nur, wo? Für die wirtschaftlich unter Druck stehenden Clubs wären Techno-Partys im Freien ein Lichtblick.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) hatte Berlins Bezirksbürgermeister bereits in der ersten Julihälfte dabei um Hilfe gebeten. „Bisher gibt es noch keinen offiziellen Rücklauf“, hieß es dazu am Montag aus der Wirtschaftsverwaltung.

Organisierte Open-Air-Events sollen illegale Partys verdrängen

Aus Pops Sicht hätten professionell organisierte Open-Air-Partys mindestens einen weiteren Vorteil: Damit ließen sich ausufernde, illegale Feiern austrocknen.

Erst am Wochenende hatte im Volkspark Hasenheide in Neukölln eine illegale Party mit - nach Polizeiangaben - rund 3000 Menschen stattgefunden. Die Sicherheitskräfte beschlagnahmten fünf Musikanlagen und notierten fünf Ordnungswidrigkeiten wegen unzulässigen Lärms.

Gesundheitssenatorin Dilek Dalayci (SPD) kommentierte, solche Partys seien „nicht hinnehmbar“ und „illegal“. Die Veranstalter, die das Equipment dorthin gebracht hätten, müssten ausfindig gemacht werden.

Wirtschaftssenatorin Pop bittet Bezirke um Unterstützung

Wirtschaftssenatorin Pop bat in ihrem Schreiben an die Bezirke um Unterstützung der Idee, für legale Veranstaltungen der Clubbetreiber öffentliche Flächen schnell und unbürokratisch zur Verfügung zu stellen. Auch die Clubcommission Berlin ist für legale Techno-Partys im Freien. Die wilden Partys seien Ausdruck davon, dass es zurzeit keine Möglichkeit für Menschen gebe, sich zu treffen und zu tanzen, sagte Clubcommission-Sprecher Lutz Leichsenring der Tageszeitung „taz“.

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Die Clubkommission hat eine Reihe von Vorschlägen gemacht, wo in den Berzirken von Spandau bis Treptow-Köpenick entsprechende Veranstaltungen möglich sein könnten. Dazu gebe es im Laufe dieser Woche Gespräche, teilte Leichsenring am Montag mit.

Friedrichhain-Kreuzberg steht nicht auf der Open-Air-Liste

Friedrichhain-Kreuzberg zählt nicht zu den Bezirken auf der Liste. Aus Sicht des Bezirksamtes existieren dort aber auch keine geeigneten Flächen, wie eine Sprecherin am Montag erklärte. In Spandau herrscht gegenüber der Idee, Partys auf bezirkseigenen Grünflächen zu veranstalten, ebenfalls eher Skepsis.

Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg teilte auf Anfrage mit, Grünanlagen seien zu schützen und schonend zu benutzen. „Ihre kommerzielle Nutzung ist nicht umsonst. Bei größeren Veranstaltungen mit unbestimmtem Personenkreis sind die vorhersehbaren Schäden zu groß, als dass man sie hinnehmen könnte.“ Sie müssten vom Veranstalter entsprechend bezahlt werden.

Clubkommission schlägt Marienhöhe vor - Grünanlage gesperrt

Oft kommt es auch im Detail zu Schwierigkeiten: Die von der Clubkommission vorgeschlagene Grünanlage Marienhöhe etwa sei ein Gartendenkmal, das wegen baulicher Mängeln derzeit abgesperrt sei. Eine umfangreiche Sanierung werde geplant. „Insofern steht dieses Gelände nicht zur Verfügung.“ Andere Bezirke, wie Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf wollen sich mit dem Thema erst noch befassen.

FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja erinnerte daran, dass die Zeit drängt: „Organisierte Partys auf Grünflächen sind, wenn dabei alle Hygieneschutzmaßnahmen eingehalten werden, eine gute Lösung. Die darf nur nicht - wie so vieles in dieser Stadt - am Behörden-Hickhack scheitern“, hieß es in einer Mitteilung. „Wenn Genehmigungen bis zum Herbst auf sich warten lassen, ist damit niemandem geholfen.“

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( dpa/mime )