Kleingärten

Was Kleingärtner zu den neuen Regeln sagen

Kleingärtner in den Kolonien Plötzensee und Birkenwäldchen erzählen, was sie von dem geplanten Gesetzesentwurf halten

Wolfgang Scholz kümmert sich seit 37 Jahren um seinen Kleingarten in der Kolonie Plötzensee in Wedding.   

Wolfgang Scholz kümmert sich seit 37 Jahren um seinen Kleingarten in der Kolonie Plötzensee in Wedding.   

Foto: Julian Würzer

Berlin. Wolfgang Scholz mag es ordentlich. Er hackt mit der kleinen Gartenkralle in den aufgewühlten, erdigen Boden. Auch das letzte Unkraut hat vor der Gartentür zu seinem grünen Reich keine Chance. Es muss raus. Was würden sich die vielen Fußgänger und Radfahrer, die hier auf dem Abschnitt des Radwegs Berlin-Kopenhagen vorbeikommen, sonst denken? Nicht von ungefähr gilt die Kleingartenkolonie Plötzensee in Wedding als eine der schönsten in Berlin.

Auf der einen Seite spiegelt sich die Sonne im Plötzensee, und auf der anderen führt der Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal vorbei. Für Wolfgang Scholz ist es seit 37 Jahren ein Gartenparadies. An nahezu allen Wochenenden geht er raus aus der Stadt und rein in den Kleingarten. Auf fast 500 Quadratmeter hat er ein großes Gartenhaus, vereinzelte Obstbäume. Hier jätet er Unkraut, pflanzt Gemüse an, und manchmal erholt er sich auch. Auch wenn das im Moment, Scholz werkelt mit Handschuhen und in einer grünen Latzhose, schwer vorstellbar ist.

Statt um Pflanzen geht es um den Pool

Nicht jeder kennt sich so gut aus – mit ökologischer Bewirtschaftung, mit Fruchtfolgen, mit Bäumen, die helfen, das Klima zu retten. Viele Kleingärtner sind keine Gärtner, sie sind einfach Erholungssuchende. Statt mit Pflanzen beschäftigen sie sich mit einem Pool. Das jedenfalls scheint die Auffassung innerhalb der Politik zu sein. Deshalb feilt die Landesregierung an einem Gesetz für Kleingärtner. Es sieht eine Art verpflichtenden Grundkurs für Kleingärtner vor. Außerdem beinhaltet der Entwurf die Punkte: Ökologische Beratung, mehr Biodiversität und Öffnung der Anlagen für Nachbarn. Doch wie stehen die Kleingärtner in Kolonien in Mitte und in Charlottenburg zu den geplanten Maßnahmen?

Wolfgang Scholz befürwortet den Grundkurs. Er erhofft sich davon eine ökologischere Kleingartenkolonie. In dem Gesetzesentwurf steht auch, dass künftig größere Parzellen bei einer Neuverpachtung aufgeteilt werden sollen auf rund 250 Quadratmeter große Gärten. „Das geht doch gar nicht“, sagt Scholz und zeigt auf das Holzhaus in seinem Kleingarten. „Das hätte gar keinen Platz mehr auf einer kleineren Fläche.“ Und die nötigen Mindestabstände von drei Metern zu den Grundstücksgrenzen könnten nicht mehr einhalten werden. Scholz weiß aber auch, dass die Wartelisten für Plätze lang sind. Jahre müsse man teilweise warten. Mehr Parzellen könnte da Abhilfe schaffen.

Nötiger Wandel bei den Kleingärtnern

Das gemähte Gras wird irgendwann wieder zu Erde

Michael Bachmann gehört seit sieben Jahren eine Parzelle in der Kleingartenkolonie Birkenwäldchen in Charlottenburg. „Ich finde es sinnvoll, wenn das Gesetz jeden Kleingärtner dazu verpflichtet, einen Kurs bei einem ökologischen Fachberater zu absolvieren“, sagt er. Bei der Pflege seiner Beete, Bäume und Büsche legt Bachmann Wert auf Nachhaltigkeit. Mit seinem siebenjährigen Sohn Leonard mäht er an diesem Nachmittag den Rasen. „Ich lasse das gemähte Gras dann vermodern und sammle es in einem Graben. Regenwürmer und andere Insekten verarbeiten es wieder zu Erde“, sagt Bachmann. Neben dieser Erde verwendet der Kleingärtner Pferdekot als Dünger – sonst nichts. Von Pestiziden, ob biologischer oder chemischer Art, will Bachmann nichts wissen. Doch er geht davon aus, dass längst nicht alle Besitzer von Parzellen die Zusammenhänge zwischen ökologischer Gartenpflege und Biodiversität kennen. „Ich möchte, dass sich alle Insekten in meinem Garten tummeln. Auch Blattläuse stören mich nicht“, sagt er, „darum möchte ich auch möglichst viele Pflanzen im Garten haben.“

Er geht vorbei an den Kirschbäumen am Parzelleneingang zu den Beeten am Rand des Nachbarzauns. Dort wachsen Himbeer- und Johannisbeersträucher, gegenüber reifen die letzten Erdbeeren dieser Saison. Mais, Paprika, Gurken und Tomaten gibt es in einer anderen Ecke des Gartens. Wilde Kleeblüten zieren die Wiese. „Ich möchte auch dem Blumensterben entgegenwirken“, sagt Bachmann. Was er jedoch von der im Gesetz geforderten Öffnung der Kleingärten halten soll, weiß er nicht. „Wir haben unsere Anlage schon in dem Sinn geöffnet, dass sie nicht mit einem Zaun abgesperrt ist. Jeder kann die Wege durch die Kolonie nutzen“, sagt er. Er frage sich, wie eine solche Öffnung im Gesetz definiert werde. Eine Vorstellung wäre, dass Gemeinschaftsflächen zugänglicher gemacht werden sollen.

Mögliche Kooperationen mit Schulklassen

Mareen Schäfer sitzt auf der Terrasse vor ihrem Gartenhaus in der Kolonie Plötzensee. Auf dem Tisch steht eine Schüssel Radieschen. Nebenan ist ein Trampolin auf dem Rasen aufgebaut. Sie erzählt, die Gemeinschaftsflächen der Gartenkolonie würden nur vereinzelt genutzt werden. Mal für ein Sommerfest, mal für den Herrentag. Auch Grilltage gebe es. „Es wäre total sinnvoll, die Fläche für neue Konzepte zu öffnen“, sagt sie. Schäfer denkt dabei an Kooperationen mit Schulklassen. Schüler könnten Beete anlegen und sich darum kümmern oder Patenschaften übernehmen. So würden sie einen Bezug zu Lebensmitteln entwickeln – eben etwas selbst schaffen.

In Charlottenburg gibt es das teilweise schon. Edda Schulz, Vorsitzende der Kleingartenkolonie Birkenwäldchen, ist der Überzeugung, dass es sich bei der Anlage um „eine öffentliche Kolonie“ handelt. „Wir veranstalten beispielsweise ein Sommerfest, zu dem Bewohner der nahe gelegenen Seniorenresidenz kommen. Kita-Kinder picknicken regelmäßig auf unserer Festwiese“, sagt sie. Nach der Corona-Pandemie wolle man zudem im Bereich ökologischer Bildung aktiv werden. Gartenberater gebe es zwar für die Anlage, diese müssen jedoch nicht verpflichtend aufgesucht werden. „Für manche wäre es bestimmt gut, noch einmal von Experten erklärt zu bekommen, wie man zum Beispiel Hochbeete nutzt und Kompost herstellt“, sagt sie.