Insolvenz

Neue Pleite am Checkpoint Charlie

Projektgesellschaft des Investors Trockland meldet Insolvenz an. Die Geldgeber haben Geduld mit Berlin verloren.

ls symbolträchtigster Ort des Kalten Krieges bei Touristen sehr beliebt: der einstige Grenzübergang Checkpoint Charlie.

ls symbolträchtigster Ort des Kalten Krieges bei Touristen sehr beliebt: der einstige Grenzübergang Checkpoint Charlie.

Foto: John Macdougall / AFP

Berlin. Im jahrelangen Poker um den Checkpoint Charlie ist es zu einer Eskalation gekommen. Der Projektentwickler Trockland hat für seine an dem früheren Grenzübergang der alliierten Streitkräfte engagierte Projektgesellschaft Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Charlottenburg hat am 12. Juni einen Rechtsanwalt zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Damit ist die Zukunft des symbolträchtigsten Ortes des kalten Krieges wieder völlig offen. Der Ball liegt nun im Feld des Berliner Senats. Zudem drohen erhebliche Schadensersatzansprüche.

„Wir sahen uns gezwungen, diesen Schritt zu gehen“, sagte Trockland-Chef Heskel Nathaniel am Donnerstag der Morgenpost: „Unsere Finanzierungspartner haben die Geduld verloren.“ Dabei handele es sich um institutionelle Anleger aus Europa und den USA. Trockland insgesamt stehe aber finanziell gut da, versicherte Nathaniel. Die gut ein Dutzend anderen Bauprojekte des Unternehmens in Berlin liefen planmäßig weiter.

Das Problem ist, dass auf den beiden Grundstücken links und rechts der Friedrichstraße an der früheren Sektorengrenze aus der Insolvenz früherer Eigentümer mehr als 90 Millionen Euro Grundschulden lasten. Diese hatten Nathaniel und seine Partner 2015 über seine Trockland IX Real Estate GmbH übernommen und sich so den Zugriff auf den prestigeträchtigen Baugrund gesichert.

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Checkpoint Charlie: Senat legte Kehrtwende hin

Nachdem es lange nach grünem Licht für ein Vorhaben samt Hotel, Wohnungen und einem Museum für den Kalten Krieg an der bei Touristen überaus beliebten Kreuzung ausgesehen hatte, legte der Senat im vergangenen Jahr eine Kehrtwende hin. Öffentlich wurden Zweifel daran artikuliert, ob das Geld von Trockland aus sauberen Quellen stammt, was aber niemals nachgewiesen werden konnte. Zudem sollte am historischen Ort kein Hotel entstehen dürfen.

Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) ließ einen neuen Bebauungsplan aufstellen. Dieser senkt die zulässige Gebäudehöhe ab und sieht einen großen Anteil von Sozialwohnungen vor, einen Stadtplatz sowie einen separat stehenden Museumsbau. Trockland wollte das Museum größtenteils unterirdisch bauen, das Land sollte Mieter werden.

Ehe das Abgeordnetenhaus im Januar den Bebauungsplan beschloss, fehlte es nicht an mahnenden Stimmen. Die Auflagen würden zusammen mit den hohen Grundschulden dazu führen, dass kein Investor auf der etwas mehr als 9000 Quadratmeter großen Fläche ein wirtschaftlich tragfähiges Projekt realisieren könnte. Dieser Eindruck wird nun durch den Insolvenzantrag der Trockland GmbH untermauert.

Nathaniel ist immer noch überzeugt, dass seine Firma in der Lage wäre, auch mit den Schulden das Vorhaben umzusetzen. Allerdings müsse Berlin dafür zunächst „das Grundbuch säubern“. Dort sei ein Vorkaufsrecht des Landes vermerkt, das der Senat jedoch bislang nicht ziehen wollte. Und das Land erhebe immer noch den Anspruch auf 26 Millionen Euro allerdings zweitrangiger Grundschulden aus den früheren Insolvenzen der 90er-Jahre. Der Betrag ist strittig. Aus Sicht des Entwicklers ist es aber notwendig, dass Berlin auf diese Ansprüche verzichtet.

Dem Land drohen jetzt hohe Schadensersatzforderungen

Theoretisch wäre der Senat nach der Pleite der Trockland IX Real Estate GmbH nun theoretisch frei, sich auch mit anderen Investoren über die Zukunft des Checkpoint Charlie zu unterhalten. Bei Trockland gehen sie aber davon aus, dass die komplizierte Lage auch andere Interessenten abschrecken wird. Zudem werde die Summe steigen, die das Unternehmen als Schadensersatz gegenüber dem Land geltend machen will.

Der Trockland-Chef sprach von einer dreistelligen Millionensumme, die er bereits jetzt vom Senat einfordern werde. „Wir müssen unseren Schaden geltend machen“, kündigte Nathaniel an. Man habe viel investiert in Planungen, Vorbereitungen und die Zinsen, die die Grundschuld haben wachsen lassen. Man sei also jetzt nicht komplett raus am Checkpoint, aber „das Chaos“ werde immer größer. Man erwarte jetzt Schritte des Senats, um vielleicht doch noch weiterzukommen.

Die Bauexpertin der SPD im Abgeordnetenhaus, Iris Spranger, hatte davor gewarnt, die bebaubare Fläche im neuen Bebauungsplan zu senken. Sie könne den Schritt von Trockland „nachvollziehen“, sagte die stellvertretende SPD-Landesvorsitzende. Nun müsse sich „der Senat bewegen“. Schon lange hätten die Ausschüsse im Abgeordnetenhaus die Stadtentwicklungssenatorin Lompscher aufgefordert, sich mit Trockland an einen Tisch zu setzen. „Auch ein anderer Investor wird zu den geltenden Bedingungen dort nichts machen“, sagte Spranger. Berlin entstehe „ein Riesenschaden“. In den Senatsverwaltungen für Finanzen und für Stadtentwicklung wusste man am Donnerstag noch nichts von der neuen Situation am Checkpoint.