Bildung

Berlins Schülerzahl wächst schneller als erwartet

Die Schülerzahlen werden im nächsten Jahrzehnt stärker steigen als erwartet. Laut Modellrechnung liegt der Zuwachs bei 19 Prozent.

Im vergangenen Schuljahr 2019/20 besuchten 325.525 Kinder und Jugendliche die Berliner Schulen.

Im vergangenen Schuljahr 2019/20 besuchten 325.525 Kinder und Jugendliche die Berliner Schulen.

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Berlin.  Berlins Schülerzahlen werden im nächsten Jahrzehnt noch stärker anwachsen als erwartet. So rechnet die Senatsverwaltung für Bildung im Unterrichtsjahr 2029/30 mit 388.650 Schülern in der Hauptstadt. Das sind rund 63.000 mehr als heute. Im vergangenen Schuljahr 2019/20 besuchten 325.525 Kinder und Jugendliche die Berliner Schulen. Das ergibt sich aus dem jährlichen Bericht zu den „Entwicklungen der Schülerzahlen sowie zur mittelfristigen Lehrkräftebedarfsplanung“, der dem Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses vorliegt.

Der Zuwachs der Schüler in der Modellrechnung für die Zukunft liegt damit in den nächsten zehn Jahren bei gut 19 Prozent. „In der letztjährigen Modellrechnung 2019 war berlinweit für die Schuljahre 2019/20 bis 2029/30 ebenfalls von einem Zuwachs ausgegangen worden, allerdings nur in Höhe von 16 Prozent“, heißt es in dem von Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers (SPD) verantworteten Papier. Besonders ab 2024/25 nimmt der Anstieg stärker zu.

Schüler in Berlin: Bei den Jüngsten gibt es ein Plus von 17 Prozent

Dabei ist noch einmal grob aufgeschlüsselt, in welchen Schultypen welches Wachstum erwartet wird. In der Grundschule rechnet man einem Plus von 17 Prozent der Schüler in den nächsten zehn Jahren – deutlich mehr, als man noch im vergangenen Jahr veranschlagt hatte. Damals dachte man, die Zunahme läge lediglich bei elf Prozent.

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Noch größer ist allerdings der Anstieg von Schülern in der Sekundarstufe I: Hier liegt der Anstieg bei 25 Prozent, ein Prozentpunkt mehr als noch vor einem Jahr erwartet. Das heißt aber auch, dass diese Zahl, die kaum größer geworden ist, nicht mehr so überraschend ist. Allerdings macht sie deutlich, wie dringend notwendig auch der Aus- und Neubau von Sekundarschulen und – je nach Bezirk – auch Gymnasien ist, was ja im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive forciert wird.

Tatsächlich fand sich bei der letzten Beratung des Hauptausschusses ein weiteres Papier auf der Tagesordnung, zu dessen Besprechung man aber nicht mehr kam: „Auflösung des Schulplatzdefizits“. Hier wird deutlich, dass in der Stadt mit Hochdruck Schulplätze geschaffen werden. „In nur drei Jahren wurden und werden im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive 19.346 neue Plätze geschaffen“, heißt es dort. So werde auch das für das kommende Schuljahr 20/21 prognostizierte Defizit von 9505 Schulplätzen geringer ausfallen – es fehlen „nur“ noch 5390, die meisten davon im Grundschulbereich (4120 Plätze). In den Gymnasien gibt es sogar eine Überkapazität, das gilt allerdings nicht für die Bezirke Pankow, Lichtenberg und Spandau.

Erleichterung durch Schulerweiterungen, Neubauten und temporären Bauten

Es ist eine Mischung aus Schulerweiterungen, Neubauten und temporären Bauten, die Erleichterung bringt. Staatssekretärin Stoffers betonte, man gehe inzwischen mit einem Team aus Fachleuten ins direkte Gespräch mit den Bezirken, um die Dinge zu beschleunigen. „In elf Bezirken sind wir schon damit durch“, sagte Stoffers.

Die schnell wachsende Zahl der Schüler in der Hauptstadt wirkt sich natürlich auch auf den Lehrkräftebedarf aus. Im gerade zu Ende gegangenen Unterrichtsjahr lehrten 32.843 Pädagogen an Berlins Schulen (Stichtag 1. November 2019) – das entspricht rund 29.500 „Vollzeiteinheiten“. Wie sich dieser Zahlenunterschied erklärt? „Die Anzahl der Lehrkräfte liegt um rund 3000 über der Anzahl der Vollzeiteinheiten, da viele Pädagogen nicht die volle Stundenanzahl unterrichten, sondern in Teilzeit oder stundenweise beschäftigt sind“, heißt es von der Bildungsverwaltung.

Anders als bei Schülern läuft bei den Lehrkräften das Modell nur über acht Jahre. Für das Jahr 2027/28 bräuchte man also 34.262 „Vollzeiteinheiten“, für das kommende Schuljahr schon 31.295. Konkret heißt das, dass man 2020/21 rund 2600 Lehrkräfte neu einstellen muss. Zumindest 1000 davon haben laut Senatsverwaltung für Bildung bereits im Januar ihre Verträge unterschrieben.

„Wir sind noch voll in der Einstellungsphase. Das geht jedes Jahr bis zur letzten Sekunde vor Schulbeginn“, sagt dazu Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Gerade zum kommenden Schuljahr werden die Einstellung zeitlich sehr knapp, denn: „Wir durften über Monate aufgrund von Corona keine Bewerbungsgespräche durchführen.“

Und die Hauptstadt wird in den nächsten acht Jahren rapide Lehrerpräsenz durch Ruhestand oder Übergänge von jüngeren Kollegen in Teilzeit verlieren: Von den Lehrern, die letztes Jahr noch die rund 29.500 „Vollzeiteinheiten“ möglich machten, sind acht Jahre später nur noch Pädagogen für 17.614 dieser Einheiten übrig – ein Verlust von 40 Prozent, der ausgeglichen werden muss. Allerdings: Die Mangelsituation sei „für die einzelnen Fächer in den jeweiligen Schularten“ stark unterschiedlich. Besonders für Mathematik und Sonderpädagogische Förderung wird gesucht.