Tourismus

Berlin wirbt mit Seen und Wald um Besucher

Der „Visit Berlin“-Chef will vor allem Deutsche in die Hauptstadt locken. Er hofft auf die Hälfte der Gäste wie im Rekordjahr 2019.

Zahlreiche Strandkörbe stehen bei sommerlichem Wetter am Strand vom Strandbad Wannsee.

Zahlreiche Strandkörbe stehen bei sommerlichem Wetter am Strand vom Strandbad Wannsee.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin.  Ein Mann wandert mit dem Rucksack durch einen Laubwald. Eine junge Frau schaut über eine glitzernde Wasserfläche auf grünes Ufer: Die Motive der neuen Werbekampagne für den Berlin-Tourismus haben wenig mit Party, Großstadtdschungel und Kultur zu tun. „Berlin. Das auch“ steht auf den Bildern. Die Stadt muss jetzt andere Vorteile herauskehren, um doch noch Urlauber in diesem Corona-Sommer anzulocken und die gebeutelte Gastronomie und Hotellerie zu stabilisieren.

In den Sozialen Medien und auf 1000 Plakatflächen in ganz Deutschland, die der Senat den Tourismus-Werbern von „Visit Berlin“ überlassen hat, wird Berlins grüne Seite hervorgehoben. Sie könnte für viele Menschen in Pandemie-Zeiten entscheidend sein, die Stadt doch noch zu besuchen. „Zwei Drittel der Deutschen sind noch unentschlossen, ob überhaupt und, wenn ja, wo sie in diesem Sommer Urlaub machen“, sagte „Visit Berlin“-Chef Burkhard Kieker zum Re-Start des Berlin-Tourismus’. Man müsse bei den potenziellen Gästen das Vertrauen gewinnen, dass in Berlin ein sicherer Aufenthalt möglich ist.

Aus Sicht der Branche ist das bitter nötig. Die Hotels seien nur zu sieben bis 15 Prozent ausgelastet, sagte Kieker. „Es gibt existenziellen Druck“. In der Branche gehe es derzeit ums Überleben und nicht um ein Geschäft.

Kommentar: Berlin braucht wieder Touristen

Senat will mit 3,3 Millionen Euro den Berlin-Tourismus ankurbeln

Der Senat hat „Visit Berlin“ im Nachtragshaushalt 3,3 Millionen Euro zugewiesen, um das Marketing anzukurbeln. Aus Sicht von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) ist das unabdingbar: „Wenn es dem Tourismus gut geht, geht es auch Berlin wirtschaftlich gut“, sagte die Senatorin auf dem Fernsehturm am Alexanderplatz. In der Stadt arbeitet eine Viertelmillion Menschen in tourismusrelevanten Branchen, der Sektor erwirtschaftete im Rekordjahr 2019 13 Milliarden Euro Umsatz.

Der Ort für den Pressetermin war bewusst gewählt. Man will zeigen, dass auch die meisten Attraktionen der Stadt wieder geöffnet haben. Man habe nur ein Viertel der Gäste aus normalen Zeiten, sagte Fernsehturm-Chefin Christina Aue. Es kämen viele Berliner, um die Aussicht mal ohne Schlangen vor dem Eingang genießen zu können.

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„Visit Berlin“-Chef: 50 Prozent des Vorjahresniveau erreichbar

Noch ist Kieker nicht bereit, das Corona-Jahr 2020 komplett abzuschreiben. Man registriere steigende Buchungszahlen. Wenn es gut laufe, seien 50 Prozent des Vorjahresniveau erreichbar, hofft der Chef von „Visit Berlin“. Immerhin habe das Jahr ja bis zum Lockdown Mitte März sehr gut begonnen. Die Menschen wollten jetzt raus und was erleben, ist sich Kieker sicher. Berlin versucht dabei, mit der neuen Berlin Welcome Back-Card mit vielen Vergünstigungen für nur 2,50 Euro zu punkten. Arrangements mit Bahn-Fahrt und drei Übernachtungen seien schon für 173 Euro zu haben, hieß es. Dabei will die Hauptstadt nicht auf Billigangebote setzen, sondern eben die Neugier der Deutschen auf ihre Hauptstadt auch in besonderen Zeiten wecken.

Damit in Hotels und anderen Orten das einträgliche Geschäft mit kleineren Veranstaltungen nach den Lockerungen wieder in Gang kommen kann, hat der Senat gemeinsam mit „Visit Berlin“ und der Eventbranche einen Leitfaden erarbeitet, wie sichere Veranstaltungen in Pandemie-Zeiten aussehen sollten. Das Interesse daran sei sehr groß, hieß es.

Ein Problem melden aber die Hoteliers. Viele Menschen würden gern nach einem Tag Pflastertreten das Spa besuchen und eine Runde im Pool schwimmen. Pop stellte ein Nachdenken darüber in Aussicht, immerhin seien die Schwimmbäder ja auch geöffnet.