Hypoport

Neuer Streit um Vorkaufsrecht des Senats

Der SDax-Konzern Hypoport verlor seinen Hauptsitz in der Klosterstraße an das Land. An den neuen Plänen für das Gebäude gibt es Kritik.

Der ehemalige Firmensitz von Hypoport in der Klosterstraße 71 in Mitte: Die Finanzverwaltung will das Gebäude nun zunächst als Umzugsdrehscheibe nutzen. Daran gibt es Kritik.

Der ehemalige Firmensitz von Hypoport in der Klosterstraße 71 in Mitte: Die Finanzverwaltung will das Gebäude nun zunächst als Umzugsdrehscheibe nutzen. Daran gibt es Kritik.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Die Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus wirft dem Senat Planlosigkeit im Umgang mit angekauften Flächen und Gebäuden vor. Hintergrund ist das neue Vorhaben für das Gebäude an der Klosterstraße 71 in Mitte. Das Haus hatte sich das Land im vergangenen Jahr per Vorkaufsrechts gesichert – und so das am deutschen Börsenindex SDax notierte Unternehmen Hypoport vom Standort vertrieben. Nun will die Finanzverwaltung das Haus zunächst lediglich als Umzugsdrehscheibe nutzen, um die Sanierung ihres Hauptstandorts vorantreiben zu können.

Der Berliner Senat könne weder Standortpolitik noch Stadtplanung, erklärte die Haushaltsexpertin der FDP-Fraktion, Sibylle Meister, gegenüber der Berliner Morgenpost. „Im Fall Hypoport vertreibt das Land Berlin ohne mit der Wimper zu zucken einen wichtigen Arbeitgeber und vernichtet wertvolle Arbeitsplätze. In anderen Städten wäre das ein unvorstellbarer Vorgang, einem der erfolgreichsten Unternehmen seiner Branche den Hauptsitz kaputtzumachen. Nach wie vor fehlt aber auch ein überzeugendes Konzept, wie die Verwaltung all die angekauften Flächen nutzen will“, erklärte sie. Nicht nur in der Klosterstraße, auch im Haus der Statistik sowie dem Flughafen Tempelhof sei die Nutzung völlig unklar, so Meister weiter.

Finanzverwaltung will Klosterstraße 71 nutzen, um Mitarbeiter temporär auszuquartieren

Bereits Ende Mai hatte ein Abteilungsleiter in der Finanzverwaltung per Mail seine Mitarbeiter auf den bevorstehenden temporären Umzug ihrer Arbeitsplätze in die Klosterstraße 71 vorbereitet. Die Realisierung des Projekts „Arbeiten mal anders“ setzte bauliche Veränderungen voraus, schrieb der Vorgesetzte. Zu diesem Zweck müsse Baufreiheit geschaffen werden. „Mit der Anmietung des Gebäudes Klosterstraße 71 stehen ab Herbst Ausweichräumlichkeiten zur Verfügung“, hieß es in dem Schreiben weiter.

Zwei Varianten würden diskutiert: das Nutzen des Gebäudes Klosterstraße als Umzugsdrehscheibe mit einer Teil-Auslagerung der betreffenden Abteilung sowie ein Komplett-Auszug und ein Umbau der Abteilung in einem Zuge. Eine Sprecherin der Finanzverwaltung bestätigte auf Anfrage das Vorhaben und verwies zu weiteren Fragen an die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), die das Haus an der Klosterstraße für das Land Berlin verwaltet.

BIM ist mit weiteren möglichen Mietern für das Gebäude im Gespräch

Eine BIM-Sprecherin verwies auf Anfrage auf ein neues Projekt, das an dem Standort umgesetzt werde. „Dort entstehen flexible Arbeitsorte für alle Hauptverwaltungen. Diese Büroflächen werden dann, möbliert und voll ausgestattet, kurzfristig angeboten und bieten so unter anderem die Möglichkeit den Mehrbedarf der Verwaltungen zu decken. Zudem erfüllen Sie auch die Anforderungen an moderne Raumkonzepte“, sagte sie. Ende des Jahres solle das Pilotprojekt starten. Einer der ersten Mieter werde die Senatsverwaltung für Finanzen, die dann einen Teil des Gebäudes an der Klosterstraße mit etwa 100 Mitarbeitern nutzen solle. Auskünfte zu weiteren Mietern seien noch nicht möglich, ergänzte die Sprecherin. „Wir befinden uns hier noch in den Gesprächen, aber der Bedarf und das Interesse sind groß“, erklärte sie weiter.

Die FDP-Abgeordnete Meister zeigte wenig Verständnis für das Vorhaben in der Klosterstraße 71. „In Berlin gibt es schon zahlreiche private Coworking-Spaces, mit denen die Verwaltung bei Platzmangel ins Geschäft kommen könnte. Es benötigt daher keinen Landes-Corworking-Space in Händen der BIM. Es sieht eher so aus, als müsse man im Nachhinein einen vollkommen ungeeigneten Ankauf mit dem Konzept zurechtbiegen“, sagte Meister. Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Gräff, äußerte auf Anfrage den Verdacht, dass der Senat das Gebäude eigentlich gar nicht brauche. Falls das so sei, wäre das nicht nur wirtschaftspolitisch ein Skandal, sondern müsse auch haushaltsrechtlich überprüft werden, sagte Gräff. „Der Fall Hypoport ist ein Musterbeispiel für den fatalen Umgang des Senats mit der Berliner Wirtschaft“, so Gräff.

FDP: Senat sollte lieber außerhalb des S-Bahn-Rings Flächen suchen

Meister regte an, der Senat solle künftig außerhalb des S-Bahnrings nach geeigneten Landesflächen suchen, anstatt teure Premiumflächen in der Innenstadt zu kaufen. „Entsprechende Stadtplanung beinhaltet dezentrale Verwaltungsstandorte. Stattdessen wird lieber ein Unternehmen nach Schleswig-Holstein vertrieben. Dieser Vorgang ist sinnbildlich für die Berliner Standort- und Wirtschaftspolitik und durch nichts zu rechtfertigen“, ergänzte Meister.

Auch der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Hypoport, das noch bis Ende Mai Mieter in der Klosterstraße 71 war, reagierte mit Unverständnis auf die Pläne des Landes. „Das ist einfach traurig. Für uns war es ein Mega-Projekt, dort auszuziehen. Für 300 Familien haben sich jetzt die Wege zur Arbeit verändert. Wenn wir das alles getan haben, nur damit es jetzt bequemer auf der Baustelle vorangeht, fühlt sich das nicht gut an“, sagte Ronald Slabke. In Berlin hat Hypoport inzwischen ein neues Gebäude in der Europacity unweit das Hauptbahnhofs angemietet.

Hypoport plant nun Großinvestition in Lübeck

Von den einst großen Plänen in der Hauptstadt hat sich der börsennotierte Digital-Konzern allerdings verabschiedet – und stattdessen seinen Sitz in die schleswig-holsteinische Hansestadt Lübeck verlegt. Dort will das Unternehmen nun groß investieren. Für bis zu 70 Millionen Euro soll ein neues Firmengebäude entstehen, kündigte Slabke an.