Corona-Krise

Kitas: Auch fachfremde Personen dürfen jetzt Kinder betreuen

Die Corona-Regeln verlangen kleine Gruppen und festes Personal. Viele Kitas sind an der Kapazitätsgrenze. Bald kommt ein neuer Jahrgang

Wir sind schon da, aber wer kommt als nächstes? Viele Eltern brauchen die Kinderbetreuung dringend, viele Mädchen und Jungen wollen wieder mit ihren Freunden spielen.

Wir sind schon da, aber wer kommt als nächstes? Viele Eltern brauchen die Kinderbetreuung dringend, viele Mädchen und Jungen wollen wieder mit ihren Freunden spielen.

Foto: Andreas Arnold / dpa

Berlin. Die nächste Stufe der Kitaöffnung steht ab dem 8. Juni an, deshalb will sich die Senatsverwaltung für Bildung und Familie an diesem Dienstag mit den führenden Kita-Trägern, Dachverbänden und Eigenbetrieben treffen, um aktuelle Bedingungen auszuhandeln. In die Kita zurückkehren sollen kommende Woche die Vierjährigen.

Doch schon jetzt ist klar: Viele Betreuungseinrichtungen können das kaum stemmen. „Es gibt Stress an den Eingangstüren“, warnte Ludger Pesch, Direktor des Pestalozzi-Fröbel-Hauses. Denn die Auflagen sind in Coronazeiten weiterhin sehr streng. Kleine Gruppen, die jeweils in einem separaten Raum von immer denselben Erziehern betreut werden, um mögliche Infektionsketten klein und eingrenzbar zu halten. Das bringt viele Kitas in Platz- und Personalnot.

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In einer Kita in Wedding haben jetzt alle nur einen Vier-Stunden-Platz

„Wir sind voll“, sagte Marianne Schröder, Kitaleiterin der RokoKids-Kita in Wedding. 85 Prozent der Kinder seien bei ihr inzwischen schon zurück, mit der nächsten Stufe werden es 95 Prozent sein. Damit das überhaupt klappt, müssten sich alle einschränken. Ob Notbetreuung oder nicht, hier können alle Kinder momentan nur vier Stunden am Tag zur Kita gehen. Entweder vormittags von 8 Uhr bis 12 Uhr oder nachmittags von 12.30 Uhr bis 16.30 Uhr. Mittagessen ist bei beiden Gruppen enthalten. Und in der halben Stunde, in der die Gruppen wechseln, desinfizieren die Erzieher in Windeseile Räume und Spielzeug.

Allerdings war der Aufschrei groß, als Familien, die vorher einen Acht-Stunden-Platz in der Notbetreuung hatten, nun auf vier Stunden reduzieren mussten. Einige Eltern schrieben daraufhin einen Beschwerdebrief an die Senatsverwaltung für Bildung. Dort hatte man nämlich extra betont, dass zwar grundsätzlich in diesen Zeiten alle nur ein Anrecht auf einen Vier-Stunden-Platz haben und die Gutscheinstundenzahl vorerst aufgehoben sei, wer aber Notbetreuung habe, dürfe – wenn es beruflich erforderlich sei – das Kind länger in der Kita lassen.

Die Kinder haben ohne tägliche Kitas „oft Rückschritte“ gemacht

„Was sollen wir machen? Das geht nicht“, sagte Schröder ganz klar. Es fehle an Räumen und Personal. Und manche Eltern hätten extra am Beginn der Coronazeit ihren Urlaub genommen, um die Kita zu entlasten. Sie müssten jetzt auch wieder arbeiten gehen, hätten ein Anrecht auf ihren Platz. Genauso wichtig sei es für die Kinder zurückzukehren. „Sie haben oft Rückschritte ohne Kita gemacht.“ So sei es eben am gerechtesten.

Zusammen mit der Kita-Aufsicht habe man aber sofort nach Alternativen gesucht. So hätten einige Kitas in der Umgebung noch Kapazitäten. Mit denen hätte man sich einigen können, dass die Kinder dort eine Zeit lang hingehen. „Aber das wollten die Eltern nicht“, sagte Schröder. Denn Kinder brauchen die vertraute Kita, die vertrauten Erzieher und Freunde.

„Es kann sein, dass Ihr Kind von einer fachfremden Person betreut wird“

Doch genau diese „alternativen Betreuungsmöglichkeiten“ sollen nun die Lösung sein, geht es nach der Senatsverwaltung für Bildung. So erhielten alle Eltern einen Informationsbrief, in dem stand, die Engpässe könnten dazu führen, „dass Ihr Kind nicht von der gewohnten Fachkraft betreut wird, sondern von einer neuen Betreuungsperson, die möglicherweise auch keine Erzieherin, sondern eine fachfremde Person sein kann“. Ist diese der Kita bereits bekannt, braucht es dann auch kein polizeiliches Führungszeugnis mehr, um mit den Kindern zu arbeiten. Auch an Eltern, die irgendwie Zeit haben, denkt man. Sie sollen jetzt bei der Betreuung einsteigen.

„Das ist alles ein absolutes No-Go“, sagte Lars Békési, Geschäftsführer des Verbandes der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger Berlin (VKMK). Da sei alles hochgradig unprofessionell. „Kitas sind doch keine Aufbewahrungsanstalt.“ Genauso für unrealisierbar hält er den Vorschlag, Kitas sollten bei Platzmangel zusätzliche Räume anmieten – beispielsweise in Kirchen und Jugendzentren. „Da stellt sich doch sofort die Haftungsfrage“, sagte er. Es gehe eben nicht nur darum, ein paar Steckdosen abzukleben. Und dann stelle sich auch noch die Frage, wer diese Zusatzräume überhaupt bezahlen soll.

Lösung heißt womöglich: Die Gruppen werden größer, bleiben aber stabil

Genug offene Streitfragen also für das Treffen an diesem Dienstag. Womöglich wird die Lösung woanders liegen: in der Änderung der Gruppengröße. So betont die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, nicht die Gruppengröße sei entscheidend, sondern dass die Gruppe in der Zusammensetzung stabil bleibt. Es gehe lediglich um eine „Vermeidung von Durchmischung“, heißt es in einer Erklärung. Wenn statt maximal zehn mehr Kinder wieder zusammen in einer Kitagruppe sein dürfen, wären viele Probleme gelöst.

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