Digitalisierung

80.000 Laptops für die Berliner Verwaltung

Die Corona-Krise hat die mangelhafte Digitalisierung der Berliner Ämter offenbart. Jetzt soll nachgerüstet werden.

Die Berliner Bürgerämter kehren schrittweise wieder zum normalen Betrieb zurück.

Die Berliner Bürgerämter kehren schrittweise wieder zum normalen Betrieb zurück.

Foto: Wolfgang Kumm/dpa / dpa

Berlin. Von den rund 100.000 Mitarbeitern der Berliner Hauptverwaltung können sich derzeit nur bis zu 12.500 über gesicherte Netzzugänge parallel mobil von zu Hause aus in das Behördennetz einwählen. Zudem fehlt es in den Ämtern an Laptops, damit die Behördenmitarbeiter in Zeiten wie der aktuellen Corona-Krise auch im Homeoffice arbeiten können.

Um die mangelhafte Digitalisierung der Berliner Verwaltung abzubauen, hat IT-Staatssekretärin Sabine Smentek (SPD) erhebliche Investitionen in die Digitalisierung angekündigt. So sollen in den nächsten drei bis vier Jahren bis zu 80.000 Laptops angeschafft werden, sagte die Staatssekretärin der Berliner Morgenpost.

Netzanschlüsse lassen nicht die nötige Bandbreite zu

„Wir haben 20 Jahre lang nicht vernünftig in die Informations- und Kommunikationstechnik investiert und sind nun in der Aufholjagd“, sagte Smentek weiter. Corona habe deutlich gemacht, wo überall Handlungsbedarf bestehe. Dies zeige sich unter anderem an den Netzanschlüssen in den Verwaltungsgebäuden, die altersbedingt nicht die nötige Bandbreite zulassen. „Und wir hatten vor Corona nicht den Bedarf, dass ein Großteil der Beschäftigten des Landes mobil arbeiten muss“, betonte die Staatssekretärin.

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Noch keines der bestellten Arbeitsgeräte angekommen

Allerdings gebe es derzeit mit der Beschaffung Probleme auf dem Weltmarkt. „Als wir Laptops bestellt haben, wurden die Teile gerade in Asien aufgrund von Corona nicht produziert“, so die Staatssekretärin, die seit 2016 für die Digitalisierung der Berliner Verwaltung zuständig ist. Mittlerweile habe man aber immerhin 1600 Stück bestellen können. Tatsächlich angekommen in den Berliner Amtsstuben ist noch keines der bestellten Arbeitsgeräte.

Den Vorwurf, den Bauverbände sowie die Handwerkskammer und die Industrie- und Handelskammer (IHK) erhoben hatten, dass unter anderem die Bauämter nur schwer oder gar nicht zu erreichen waren, weist Smentek zurück. Um in den ersten Wochen den größtmöglichen Infektionsschutz zu gewährleisten, sollten zwar nur rund 20 Prozent der Beschäftigten anwesend sein. Der Rest habe jedoch mobile Endgeräte genutzt, und es seien auch Akten hin- und hertransportiert worden. „Man kann im Homeoffice auch unter bestimmten Bedingungen am privaten Rechner arbeiten oder offline“, betonte sie.

Arbeiten im Homeoffice soll echte Option werden

Grundsätzlich sei die Arbeitsfähigkeit der Berliner Verwaltung nicht generell an eine möglichst große Homeoffice-Quote gebunden. „Es gibt Bereiche wie Polizei, Feuerwehr und Bürgerämter, die können schlichtweg nicht von zu Hause aus arbeiten“, sagte Sabine Smentek.

Auch in den Nach-Corona-Zeiten soll es mit der flexibleren Arbeitsweise in den Berliner Ämtern nicht zu Ende sein. Das Arbeiten aus dem Homeoffice soll künftig eine echte Option darstellen. „Deshalb haben wir als eine der Lehren aus Corona beschlossen, dass das mobile Endgerät die Standardausstattung in den Behörden werden soll“, so die Staatssekretärin. Im Zuge der Erneuerung der Rechner würden nun überall Laptops eingeführt. Aber mobiles Arbeiten sei eben auch teurer. Nach Angaben der Staatssekretärin werden bei jeder Umstellung 2000 Euro für Hardware inklusive Software, Netzzugang, Backups und Support fällig. Dies seien rund 400 Euro mehr als für einen stationären Rechner.

Da nicht alle Bürogebäude die Möglichkeit bieten, den Mindestabstand zwischen Kunden und Mitarbeitern einzuhalten, war es insbesondere in den Berliner Bürgerämtern zu zahlreichen vorübergehenden Schließungen und zur Verkürzung der Öffnungszeiten gekommen. Zum Ärger vieler Betroffener waren auch zu Beginn der Pandemie im März häufig bereits vereinbarte Termine wieder abgesagt worden. „.Natürlich erreicht man viele Mitarbeiter nicht direkt, wenn sie nicht im Büro sind. Die Bürgerämter konnten natürlich auch weniger Termine vergeben. Aber ein Notbetrieb war immer gewährleistet, in jeder Verwaltung“, versichert Smentek.

Bürger sollen mehr digital erledigen können

Nach Angaben der IT-Staatssekretärin investierte Berlin im vergangenen Jahr 150 Millionen Euro für die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT). Im Rahmen des Nachtragshaushalts seien nun weitere 18 Millionen Euro coronabedingte Ausgaben angemeldet worden – zusätzlich zu den 200 Millionen im diesjährigen Haushalt.

Die Bürger sollen künftig die Chance haben, mehr digital von zu Hause aus erledigen können. Während der Corona-Krise sind nach den Worten der Staatssekretärin beispielsweise „in Windeseile die Online-Beantragung für Entschädigungsleistungen wegen fehlender Kinderbetreuung realisiert – das ist ab 4. Juni online“. So etwas werde nun für viele wesentliche Verwaltungsvorgänge geschaffen. Schon jetzt gebe es über 100 Dienstleistungen, die man im Internet in den Service-Portalen der Behörden finde. 25 Prozent aller Gewerbe-An- und Ummeldungen würden zudem seit Jahren online erfolgen.

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