Corona-Pandemie

Die Berliner Corona-Notfallklinik steht bereit

Der erste Teil der Corona-Notfallklinik auf dem Messegelände mit fast 500 Betten ist fertig gebaut und demnächst betriebsbereit.

Berlin. Die blauen Matratzen der weißen Betten sind noch in Plastikfolie eingeschweißt. Die Monitore, die den Herzschlag abbilden, sind bereits eingeschaltet, und auch die meisten Computer an den Arbeitsplätzen laufen. Einzig der Blick nach oben auf die hohe Decke der 11.000 Quadratmeter großen Halle erinnert noch daran, dass man sich nicht in einem regulären Krankenhaus befindet, sondern im Messegelände unter dem Funkturm.

Zwischenwände wurden eingezogen. An den darüber befestigten Traversen – Stahlträger für den Veranstaltungsbau – sind Stromkabel und eine sechs Kilometer lange Sauerstoffleitung befestigt worden. Der erste Teil des Corona-Behandlungszentrums Jafféstraße ist fertig. „Die Betriebsbereitschaft wird demnächst hergestellt sein, wenn wir mit den Personalschulungen durch sind“, so Projektleiter Albrecht Broemme am Montag bei einem Eröffnungsrundgang. „Wir rechnen damit, dass die Klinik, wenn sie gebraucht wird, auch gut funktioniert.“, so der pensionierte Präsident des Technischen Hilfswerks weiter.

Der erste Teil des Behandlungszentrums in Halle 26 entstand in gerade einmal vier Wochen. Anfang April war sie noch weitgehend leer. Ende des Monats vermeldete Broemme dann die bauliche Fertigstellung. Rund 60 Planer und 150 Handwerker waren am Aufbau beteiligt. Sie hätten von früh bis spät, am Wochenende und über die Osterfeiertage „geschuftet“, so der Projektleiter. Insgesamt wurden 488 Betten aufgestellt. In den meisten davon sollen weniger stark erkrankte Covid-19-Infizierte behandelt werden können. Rund 100 sind allerdings für beatmungspflichtige Patienten vorgesehen. Ein Computertomograph neben dem Eingang soll ferner helfen, Lungenschäden bei einer Infektion frühzeitig zu erkennen. Insgesamt lagen die Kosten bislang bei 31 Millionen Euro.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Corona-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier. Die aktuelle Auslastung der Intensivstationen in Deutschland finden Sie in unserem Klinik-Monitor.

Neue Corona-Klinik in Berlin: Einsatz erst, wenn alle anderen Krankenhäuser überlastet sind

Das Behandlungszentrum Jafféstraße wurde als Reservekrankenhaus gebaut. Es soll in Betrieb gehen, wenn alle anderen 38 Notfallkliniken Berlins überlastet sind. Entsprechend wünsche sie sich, dass es nie gebraucht werde, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). „In einer Pandemiezeit ist es aber wichtig, gut vorbereitet zu sein.“ Auch wenn die Zahl der Neuinfektionen in Berlin zuletzt rückläufig war, ist Kalayci überzeugt, dass eine zweite und eventuell auch eine dritte Infektionswelle kommen wird. Denn die Berliner würden unachtsamer. Überlastungssituationen wie etwa in den Krankenhäusern New Yorks oder Oberitaliens mit Tausenden Toten müsse man vermeiden.

Neben der Halle wurde ein zweigeschossiger Modulbau aus mehreren Containern aufgestellt. Hierin befinden sich Verwaltungs- und Ruheräume für das Personal. Im oberen Geschoss können sich Mitarbeiter umziehen und über extra errichtete Brücken direkt in die Halle gelangen. Für den „hoffentlich nie eintretenden Fall“, dass alle 488 Betten belegt sind, brauche es rund 1000 Mitarbeiter, sagte Andrea Grebe, Geschäftsführerin des landeseigenen Klinikkonzerns Vivantes, der die Trägerschaft übernimmt.

Bislang habe man Bewerbungsgespräche mit 120 potenziellen Mitarbeitern geführt, von denen ein Drittel bereits einen Arbeitsvertrag unterschrieben hätte, so Grebe weiter. „Die anderen folgen zeitnah.“ Das von den ursprünglich 1200 Interessenten viele wieder abgesprungen sind, liegt laut Grebe auch daran, dass viele durch die Lockerungen wieder ihrer eigentlichen Beschäftigung nachgehen. „Wenn wir dieses Behandlungszentrum in vollem Umfang in Betrieb nehmen müssen, befinden wir uns aber in einem Katastrophenszenario.“ Sie gehe davon aus, dass sich in dieser Situation viele melden werden.

Ursprünglich waren auf dem Messegelände einmal bis zu 1000 Betten geplant. Weitere Behandlungsplätze entstehen gerade in Halle 25, die ebenfalls entsprechend umgebaut wird. Ein Eröffnungstermin für den zweiten Teil nannte Senatorin Kalayci nicht. Man arbeite „mit der gleichen Zügigkeit“.

Corona in Berlin: In Halle 25 wird gerade eine zweite Station gebaut

In Halle 25 soll es laut Kalayci allerdings nur 300 weitere Betten geben, sodass es am Ende auf dem Messegelände nur 800 werden. Allerdings seien bereits weitere 200 Reservebetten im stillgelegten Vivantes-Klinikum an der Fröbelstraße in Prenzlauer Berg einsatzbereit. „In der Summe kommen wir also auf 1000“, so die Senatorin weiter. Bislang gibt es ferner nur zwei Beatmungsgeräte im Behandlungszentrum. Die weiteren würden aber da sein, „wenn wir sie brauchen“, sagte Broemme. Solang die Notfall-Klinik aber nicht in Betrieb geht, sei es „verantwortungslos“, die wertvolle Technik einfach nur herumstehen zu lassen. Die Geräte würden in den nächsten Monaten sukzessive kommen, ergänzte Kalayci.

Eine Hürde hat das Behandlungszentrum allerdings noch zu nehmen. Die Amtsärztin von Charlottenburg-Wilmersdorf muss es abnehmen. Das sei ab dem 14. Mai etappenweise geplant, sagte Gesundheitsstadtrat Detlef Wagner (CDU). Mit einer positiven Stellungnahme rechne er Ende des Monats.

Coronavirus in Berlin - Das müssen Berliner wissen: