Gesundheitswesen

Berlins Krankenhäuser sind nur zur Hälfte belegt

Tausende planbare OPs und Behandlungen sind wegen Corona verschoben worden. Jetzt wollen die Kliniken ein bisschen mehr Normalbetrieb.

Ein leeres Krankenhausbett in der Charité: Davon gibt es derzeit viel mehr als sonst.

Ein leeres Krankenhausbett in der Charité: Davon gibt es derzeit viel mehr als sonst.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlins Krankenhäuser stehen mitten in der Corona-Pandemie halb leer. Nur 55 Prozent der 20.400 Betten in den Kliniken sind belegt. Normal ist eine Auslastung von 85 Prozent, so die Berliner Krankenhausgesellschaft. Das bedeutet, dass in diesen Tagen etwa 6000 Patienten nicht stationär behandelt werden, die ansonsten in den Krankenhäusern liegen würden.

Da die Menschen im Durchschnitt etwa fünf bis sechs Tage in der Klinik liegen, dürften seit Beginn der Corona-Krise mehrere Zehntausend Personen allein in Berlin nicht die eigentlich gebotene Behandlung bekommen haben.

Auch die Intensivstationen haben erhebliche Reserven. Von den 1400 Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit sind etwas mehr als zehn Prozent mit Corona-Patienten belegt. 55 Prozent werden für andere Kranke gebraucht. 35 Prozent stehen jedoch frei, wie die Senatsverwaltung für Gesundheit auf Nachfrage mitteilte.

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Nun planen die Krankenhäuser in Absprache mit der Gesundheitsverwaltung, ihren Normalbetrieb wieder ein Stück weit hochzufahren. Bisher sind die Häuser per Senatsverordnung angehalten, alle planbaren und nicht unmittelbar notwendigen Operationen und Behandlungen auszusetzen, um Platz für Covid-19-Infizierte zu schaffen.

Die aktuelle Lage mache „eine vorsichtige Ausweitung der Nutzung der freien Kapazitäten für die Behandlung von Non-Covid-Patienten denkbar“, beschreibt Barbara Ogrinz, Sprecherin der Krankenhausgesellschaft, die Strategie. Charité-Vorstandschef Heyo Kroemer ließ wissen, er halte Lockerungen in den Krankenhäusern „grundsätzlich für vernünftig“.

Viele warten aus Sorge vor einer Infektion zu lange

Dabei geht es nicht nur um die massiven Einnahmeausfälle der Krankenhäuser, wenn die Betten leer bleiben. Mediziner warnen schon länger vor gesundheitlichen Spätfolgen für all jene Menschen, die nun nicht operiert oder anderweitig in den Kliniken behandelt werden können. Es wird sogar von weniger Patienten mit akuten Gesundheitsproblemen berichtet. „Leider warten viele aus Sorge vor einer Infektion bei offenkundigen Beschwerden viel zu lange, bis sie sich medizinische Hilfe holen. Bei schweren oder sogar lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Herzinfarkten oder Schlaganfällen kann das fatale Auswirkungen haben“, warnt Ogrinz. „Sie können auch weiterhin ohne Angst vor Infektionen ins Krankenhaus kommen.“

Wenn nun auch planbare Eingriffe wieder aufgenommen werden, sollen die mit Corona infizierten und die übrigen Patienten strikt voneinander getrennt bleiben. Voraussetzung für ein Wieder-Hochfahren seien regelmäßige Tests der Mitarbeiter und ausreichende Schutzausrüstung für das Personal, so die Krankenhausgesellschaft. Das ist aber nach Darstellung von Mitarbeitern nicht überall der Fall. „Noch immer müssen wir mit einem hohen Gefährdungsrisiko nah am Patienten arbeiten, weil es nicht genügend Schutzkleidung und –ausrüstung gibt“, wird Silvia Habekost, Anästhesieschwester bei Vivantes, in einer Mitteilung der Gewerkschaft Verdi zitiert.

Die Krankenhäuser müssen bei ihrer Öffnungsstrategie aber auch die Entwicklung der Corona-Pandemie im Blick behalten. Sollten im Zuge der nun erfolgten Öffnungen die Fallzahlen wieder ansteigen, müsse man reagieren und die bereits geschaffenen Strukturen wieder reaktivieren.

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