Nahverkehr in Berlin

S-Bahn kommt bei Modernisierung ihrer Flotte nicht voran

Hunderte Wagen der S-Bahn sollen modernisiert werden. Bislang geht es aber kaum voran. Die Gründe liegen nicht nur in der Corona-Krise.

Im Werk in Schöneweide werden die S-Bahnen der Baureihe 481 für den längeren Einsatz im Berliner Netz umfassend instand gesetzt.

Im Werk in Schöneweide werden die S-Bahnen der Baureihe 481 für den längeren Einsatz im Berliner Netz umfassend instand gesetzt.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Im täglichen Verkehr sind die sanierten S-Bahnen unschwer zu erkennen. Der Farbton der rot-beigen Außenhülle ist noch strahlend, die Türen sind komplett schwarz und innen warten die Sitzbezüge statt dem vertrauten Türkis mit dem aus dem Regionalverkehr bekannten, blau-schwarzen Muster auf. Besonders häufig bekommen Fahrgäste die sanierten Wagen bislang allerdings nicht zu sehen. Im Gegenteil, der Anblick der runderneuerten Wagen hat immer noch Seltenheitswert. Denn die Berliner S-Bahn kommt bei der Modernisierung ihrer Flotte nicht voran. Um die Ziele nicht ganz aus den Augen zu verlieren, sollen nun externe Dienstleister helfen.

Im Oktober 2019 rollte der erste runderneuerte Viertelzug der Baureihe 481 aus der Werkshalle in Schöneweide. Er sollte den Auftakt bilden für ein großes Modernisierungsprogramm: Bis Ende 2024 sollen 309 der 500 Viertelzüge umfassenden Teilflotte fit für die Zukunft gemacht werden. Sie sollen dann noch zehn Jahre im Berliner Schienennetz fahren, wenn möglich auch länger. Doch bislang sieht die Bilanz ernüchternd aus. Noch 2019 sollten die ersten sieben Viertelzüge erneuert wieder in den Betrieb gehen. Für 2020 waren ursprünglich hundert aufgearbeitete Fahrzeuge geplant. Bis Anfang April wurden insgesamt jedoch lediglich sechs Viertelzüge zurück auf die Strecke gebracht, teilte eine S-Bahn-Sprecherin auf Anfrage mit. 26 weitere stünden derzeit für die Arbeiten im Werk in Oberschöneweide.

Externes Unternehmen soll bei Instandsetzung helfen

Angesprochen auf die geplanten hundert Viertelzüge pro Jahr, gibt sich die S-Bahn-Sprecherin skeptisch. „Aufgrund von Materialbeanstandungen und der aktuellen Situation können wir hier noch nicht sicher sein, das in diesem Jahr zu erreichen.“ Wegen Anlaufschwierigkeiten hatte S-Bahn-Chef Peter Buchner schon im Februar gesagt, dass selbst ein reduziertes Ziel von 90 Viertelzügen „sehr schwer zu erreichen“ sei. Die aktuellen Zahlen machen da wenig Hoffnung. Und auch die Corona-Pandemie trifft die Fertigung. „Wir schützen Mitarbeiter mit Vorerkrankungen und stehen somit nicht mit voller Mannschaft am Start und auch erste Lieferanten geben Warnsignale bezüglich der Lieferketten“, erklärt die Sprecherin. Eine aktuelle Prognose für das laufende Jahr sei daher gerade nicht möglich.

In jedem Fall geht es langsamer voran als erhofft und scheint von der S-Bahn alleine offenbar nicht im gewünschten Zeitrahmen umsetzbar zu sein. Das Unternehmen lässt daher einen Teil der Flotte durch Fremdfirmen modernisieren. „Um das Projekt im Sinne unserer Fahrgäste und Besteller so zügig wie möglich abschließen zu können, hat sich die S-Bahn Berlin entschieden, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen und einen Teil der Fahrzeuge von einem externen Unternehmen sanieren zu lassen“, erklärte die S-Bahn-Sprecherin. Die dazu nötige Ausschreibung wurde vor Kurzem veröffentlicht. Ab 2021 sollen demnach innerhalb von vier Jahren 20 Viertelzüge von einem anderen Werk instand gesetzt werden. Je nach Auftragslage könnten es auch noch mehr werden, heißt es in der Ausschreibung.

Während die Baureihe 481 noch fit gemacht werden muss für die kommenden Jahre, steht die nächste Generation der S-Bahn in den Startlöchern. Ab 1. Januar 2021 sollen die ersten Züge der neuen Baureihe 483/484 im Netz unterwegs sein. Vier Halbzüge und drei Viertelzüge des neuen Modells sind bereits in Berlin, sagte die Sprecherin. Derzeit absolvierten sie Test- und Zulassungsfahrten im gesamten S-Bahnnetz. Fahrgäste dürfen jedoch noch nicht befördert werden.