Corona in Berlin

Einzelhandel macht teils wieder auf: Wir sind wieder da!

Von Mittwoch an darf der Einzelhandel bis 800 Quadratmeter wieder öffnen. In Berlin bereiten sich etliche Kleinunternehmer vor.

Simone Helm (li.) und Stefanie Jordan von "Fräulein Weiß" in Schöneberg.

Simone Helm (li.) und Stefanie Jordan von "Fräulein Weiß" in Schöneberg.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Zumindest für einige der Berliner Kleinunternehmer geht der Shutdown vorläufig zu Ende: Von Mittwoch an darf der Einzelhandel in Berlin wieder öffnen. Das hat der Senat am Dienstag beschlossen. Zugelassen sind Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmeter. Die Regelung gilt auch für Kaufhäuser und die einzelnen Geschäfte in Einkaufszentren. Ein unbeschwertes Shopping-Vergnügen wird damit zwar noch nicht möglich: „Die Öffnung dient der Versorgung mit dem Notwendigen“, sagte Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). „Es ist keine Einladung zum Shoppen und Verweilen“, betonte sie. So sollen Sitzgelegenheiten möglichst beiseite geräumt werden.

Dennoch freuen sich die Händler darauf, ihre Kunden wieder direkt begrüßen zu können. Sie bereiten sich schon seit Tagen auf ihre Neueröffnung vor. Die Berliner Morgenpost hat mit einigen von ihnen gesprochen und stellt sie vor.

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Fräulein Weiß ist zurück

Endlich wieder Glücksgefühle. Einen Monat blieben die Kleider von Simone Helm und Stefanie Jordan unberührt. Die beiden Frauen haben an der Schöneberger Gutzkowstraße ein Geschäft für Secondhand-Brautkleider und dürfen nun wieder die ersten Bräute empfangen. „Bei vielen rückte das Thema Hochzeit in den vergangenen Wochen in den Hintergrund“, sagt Simone Helm. Die gesamte Hochzeitsbranche ist im Ungewissen. Zumindest die Suche nach dem perfekten Kleid kann nun wieder stattfinden. Gut 40 Termine seien im März weggefallen. Der Monat, in dem viele ihre Hochzeiten planen und auch das Outfit wählen, damit sie in den Sommermonaten heiraten können. Als in Aussicht gestellt wurde, dass sie ihren Laden öffnen dürfen, hätten die beiden Frauen gleich neue Termine mit ihren Kundinnen ausgemacht, erzählt Simone Helm. Und schon an diesem Freitag verhelfen sie angehenden Bräuten zum Traum in Weiß. Ab sofort aber mit kleinen Einschränkungen. So kann nur noch eine Begleitperson bei der Anprobe dabei sein.

Fräulein Weiß, Gutzkowstraße 4, Schöneberg, Mi., Fr. und Sbd., 10–18 Uhr, Tel. 0152/24293033, mail@fraeulein-weiss.de, www.fräulein-weiss.de

Beate Rudnick öffnet ihren Kleidergarten

Die Masken und der Online-Shop – diese Kombination hielt Beate Rudnick im Geschäft. Einen Großteil ihres Umsatzes bestritt die Inhaberin der Boutique „Kleidergarten“ im Pankower Florakiez zuletzt mit einem Mundschutz, den die sie als Modeaccessoire in frechen Farben und Mustern zu schneidern begann. Während der Laden geschlossen blieb, florierte der Versand der pandemiegerechten Textilien. Nun, da kleine Geschäfte wieder öffnen dürfen, setzt der „Kleidergarten“ der Krise vor allem optimistische Frühlingskleider entgegen. „Wir bieten Stücke in fröhlichen Farben, die die Lebensgeister wieder mobilisieren“, kündigt Rudnick für die Wiedereröffnung an. Zusammen mit Mode-Designerin Sybille Hahn gestaltet die gelernte Bühnen- und Kostümbildnerin feminine Kleidung zum Auffallen und Wohlfühlen. Nach der ersten Eröffnung der Boutique 2004 beginnt für den Kleidergarten nun eine neue Zeit.

Kleidergarten Pankow, Heynstraße 1, Pankow, Di. bis Fr., 12–18 Uhr, Sbd. 11–15 Uhr

Bei Heidi Mallmann klopfen schon die Kunden an

Charlottenburger freuen sich darauf, dass „Heidi’s Spielzeugladen“ wieder öffnen werde, sagt Inhaberin Heidi Mallmann: „Als ich im Laden Vorbereitungen traf, klopften Kunden an die Tür und fragten, wann es so weit ist.“ Bei der Wiedereröffnung am Mittwoch bringe ein Kunde Kuchen für die Mitarbeiter mit. Besonders freue sie sich, dass sie keinen der vier Beschäftigten während der Krise entlassen musste.

Heidi’s Spielzeugladen, Kantstraße 61, Charlottenburg-Wilmersdorf, Mo.–Fr., 9.30–18.30 Uhr, Sbd., 9.30–16 Uhr.

Lea Strunk will ihr Modelabel weiterentwickeln

Lea Strunk (34), Gründerin des „Studio Hertzberg“, sieht den Shutdown auch als „Chance, sich weiter­zuentwickeln“. In dem Modegeschäft und Atelier an der Sonnenallee arbeitet sie neben 13 anderen selbstständigen Designern an ihren Modeentwürfen. „Nach der ersten Schockstarre haben viele der Designer die Zeit genutzt, um an ihren eigenen Labels zu arbeiten“, sagt Strunk. Glücklicherweise hätten viele einen Onlineshop, über den sie ihre Mode verkaufen konnten.

Sonnenallee 174, Neukölln, Mo.–Fr., 13–20 Uhr, Sbd. ,12–18 Uhr, www.studiohertzberg.de

Corinna Szymkowiak repariert alte Möbel

Corinna Szymkowiak freut sich trotz strenger Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln darauf, ihre Türen endlich wieder für ihre Kunden und Kundinnen zu öffnen. In ihrem 60 Quadratmeter großen Laden „Cora’s Kommödchen“ am Baumschulenweg repariert die 59-Jährige alte Möbelstücke und bringt sie für den Weiterverkauf auf Vordermann. „Durch die Krise komme ich mit staatlichen Hilfen und ein wenig Internethandel“, verrät sie durch ihren selbst gemachten Mundschutz. Trotz der Schwierigkeiten hat sie ihre Fröhlichkeit nicht verloren. Die laufenden Kosten könnten mit dem Online-Handel aber nicht gedeckt werden: „Die Kunden wollen sich ihre Möbel lieber vor Ort ansehen und sie anfassen.“ Deswegen habe sie monatlich rund 50 Prozent weniger an Einnahmen verkraften müssen. Szymkowiak erkennt aber auch Positives in der Krise: „Die Menschen halten jetzt fester zusammen.“

Cora’s Kommödchen, Baumschulenweg 65c, Treptow-Köpenick, Mo.–Fr., 10–18.30 Uhr, Sbd., 10–14 Uhr. Mittwochs geschlossen.

Matthias Brandt ist zurück in seiner Modellbahnbox

Einst waren es viele, jetzt gibt es nur noch drei im ehemaligen Ostteil Berlins: Winfried Brandt betreibt eins der letzten Modelleisenbahngeschäfte. Seit 1989 verkauft er in Karlshorst Modelleisenbahnen und Zubehör. „Die Modelleisenbahn verschwindet langsam aus den Augen der Menschen“, sagt Brandt bedauernd. Gerade Jüngere könnten sich aber für die Miniaturbahn begeistern: Im Freizeitzentrum FEZ habe sich eine Modelleisenbahn AG gebildet.

Modellbahnbox, Treskowallee 104, Lichtenberg, Di.–Do., 10–13 Uhr u. 14–18 Uhr, Fr., 10–13 Uhr.

Jens Poenitzsch testet mit den Kunden nun wieder Düfte

Gespräche mit den Kunden – darauf freut sich sich Jens Poenitzsch, wenn er wieder in seinem Geschäft, The Different Scent, steht. An der Krausnickstraße 12 in Mitte verkauft der Geschäftsinhaber Düfte und Produkte für die Körperpflege, vom Rasiermesser bis zur Zahnpasta. Die Zeit während des Lockdowns in Berlin habe ihm wenig Freude bereitet. Zwar habe er online verkauft, aber Pakete packen sei nicht dasselbe wie der Kontakt mit Menschen.

The Different Scent, Krausnickstraße 12, Mitte, Di.–Fr., 12–19 Uhr, Sbd. 12–18 Uhr

Andrea Konstanty lässt Geschäftsrundgänge zu

Not macht erfinderisch, und so hat sich Andrea Konstanty während der Schließung etwas überlegt. Die Inhaberin des Dekorations- und Delikatessengeschäfts Tischreich hat für ihre Kunden einen virtuellen Rundgang durch ihr Geschäft erstellt. Per Anruf konnte die Ware bestellt werden, anschließend wurde diese ausgeliefert. „Trotzdem freuen wir uns sehr, dass wir öffnen dürfen. Das bedeutet Lebensqualität.“

Dekorations- und Delikatessengeschäft Tischreich, Zeltinger Platz 13, Di.–Fr., 9.30–18 Uhr, Sbd., 9.30–13 Uhr.

Andreas Schmiedling freut sich

Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen. „Im Moment sind die Temperaturen super, da kaufen die Leute auch noch sommerliche Halbschuhe“, sagt Andreas Schmiedling. Seit 2016 ist der 45-Jährige Inhaber von Schuhmoden Schmiedling in der Ladenpassage am U-Bahnhof Onkel Toms Hütte. Wenn es jetzt sofort zu heiß werden würde, „dann wollen die Kunden nur noch Sandalen und Birkenstock“, so Schmiedling. Auffallend ist die breite Auswahl an Schuhmarken in seinem Geschäft. Einheitsbrei könne er nicht sehen, er wolle auf seiner kleinen Fläche viel präsentieren und nur, was ihm auch selbst gefällt, so der Händler. Die vier vergangenen Wochen fand er „schlimm“. „Das war ein Gefühl, als werde einem einfach der Schlüssel abgenommen“, sagt der Ladeninhaber, der noch ein Geschäft im Ostseebad Zingst hat. Das sei ihm noch nie passiert. Andreas Schmiedling hat die Zeit genutzt, um Ware auszupreisen und die Schaufenster neu zu gestalten. „Wir sind zurück“ stand auf seinen Scheiben und das Wörtchen „bald“. Dass er das entfernen kann, freut ihn am meisten.

Schuhmode Schmiedling, Ladenstraße 19–21, Zehlendorf, Mo.–Fr., 10–19 Uhr, Sbd., 9–15 Uhr

Heike Steinwallner startet mit Optimismus in die Zukunft

Seit 53 Jahren gibt es das Geschäft „Ringfoto Fehse“ in Spandau. Heike Steinwallner arbeitet seit mehr als 20 Jahren dort, inzwischen ist sie Inhaberin. Eine Situation wie jetzt habe sie noch nicht erlebt. „Am schlimmsten sind die Existenzängste, die man hat. Ich musste leider auch zwei Mitarbeiter entlassen, versuche aber, sie so bald wie möglich zurückzuholen“, sagt Steinwallner, die „verhalten optimistisch“ in die Zukunft blickt. „Wir haben ganz viele Stammkunden“, sagt sie.

Ringfoto Fehse, Breite Straße 17, Spandau, geöffnet Mo.–Fr., 10–18 Uhr, Sbd., 10–14 Uhr

Aline Fischer verkauft jetzt Mode und Masken

Die Corona-Krise hat Aline Fischer und ihrem Team einiges an Fantasie abverlangt. „Wir alle waren motiviert, alternative Ideen einzubringen“, sagt die 42-Jährige. So habe man bei „Fischer Mode“ versucht, mit Telefon-Beratung und Verkaufsvideos auf YouTube im Gespräch zu bleiben. „Und in unserer Schneiderei haben wir Stoffmasken genäht.“ Dennoch musste Fischer Soforthilfe und Überbrückungskredit beantragen.

Fischer Mode, Bölschestraße 102 , Köpenick, Mo.–Fr., 10–19 Uhr, Sbd. 10–16 Uhr sowie Poststraße 7, Mitte, Mo.–Sbd. 10–19 Uhr.

Ralf Willkommen öffnet sein Küchenstudio

Für die Umgestaltung ihrer Küche hatten die Berliner in den vergangenen Wochen keinen Kopf. Das hat Ralf Willkommen sehr deutlich gespürt. Er führt in Schöneberg den kleinen Laden „Kitchen Impossible“, ein Fachgeschäft für Naturholz-Küchenmöbel und Koch­accessoires. Die Nachfrage brach in dieser Zeit fast völlig ein. Nun hofft er auf eine positive Perspektive.

Kitchen Impossible, Grunewaldstraße 9, Di.–Do., 14–18 Uhr und nach Vereinbarung, Tel. 030/28619454, ralf@kitchen-impossible.de, www.kitchen-impossible.de