Flüge

Mysteriöse Flugrouten über Berlin: Das steckt dahinter

Wegen der Pandemie ist der Flugverkehr über Berlin fast zum Erliegen gekommen - dafür sind seltsame Flugrouten auf dem Radar zu sehen.

Blick über Berlin (Archivbild).

Blick über Berlin (Archivbild).

Foto: pa

Berlin. Die Corona-Pandemie hat den Flugverkehr weltweit nahezu zum Erliegen gebracht. Auch in Berlin. Den freien Platz am Himmel nutzen derzeit private Flugfirmen, die im Auftrag von Unternehmen Foto- und Messflüge durchführen. So zieht seit dem vergangenen Wochenende eine Vulcanair P68 ihre Bahnen über der Stadt. Und auch am Montag war das zweimotorige Leichtflugzeug des Schweizer Unternehmens Swiss Flight Services wieder in der Luft.

Auf der Internetseite Flightradar24.com war deutlich zu sehen, wie die Propellermaschine immer wieder von Süden nach Norden über den westlichen Teil der Stadt flog. Die Flugbahnen verliefen am Montagmittag auf dem Radarschirm wie mit einem Lineal gezogen von Hohen Neuendorf im Norden bis nach Großbeeren im Süden. Gestartet war die Maschine südlich von Berlin. Am Sonntag war das Flugzeug über dem Osten der Stadt unterwegs.

Fotos von Berlin aus 2100 Meter Höhe

„Es ist ein Standard-Fotoflug für eine bekannte Website mit Fotos und schrägen Fotos, die nützlich für 3D-Bilder sind“, teilte Swiss Flight Services auf Anfrage der Berliner Morgenpost schriftlich mit. Über den Auftraggeber wollte sich das Schweizer Unternehmen nicht äußern und verwies auf die Geheimhaltungsrichtlinien der Firma. Nach Firmenangaben flog der Pilot in einer Höhe von etwa 7000 Fuß, also ungefähr 2100 Meter. Der Fotoflug wurde gegen Montagmittag beendet.

„Solche Foto- und Messflüge finden derzeit vermehrt statt, und zwar deutschlandweit“, sagte Stefan Jaekel, ein Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS). „Bislang war das wegen der hohen Verkehrsdichte nur selten möglich, doch nun ist Platz am Himmel. Die bei Fotoflügen gewonnenen Daten werden für die Erstellung von Katastern sowie zur Entwicklung von Gelände- und Oberflächenmodellen benötigt.“

Flüge zur Überprüfung von Strom- und Gastrassen

Nach Angaben der DFS gibt es darüber hinaus auch viele Flüge mit speziellen Thermal- oder Laserscannern zur Überprüfung von Stromtrassen oder Gasleitungen. Bei diesen Flügen werden große Areale rasterförmig abgeflogen. Viele dieser Mess- und Fotoflüge würden daher als „ungewöhnliche Flugbewegungen“ wahrgenommen werden.

„Auch die DFS benötigt regelmäßige Messflüge, um ihre Navigations- und Radaranlagen zu überprüfen und die Instrumentenlandesysteme an den größeren internationalen Flughäfen zu vermessen“, erklärte Jaekel. „Normalerweise finden solche Messflüge nachts statt. In der aktuellen, verkehrsarmen Zeit können sie nun auf den Tag verlegt werden.“

Im November vergangenen Jahres etwa war eine zweimotorige Propellermaschine für etwa vier Stunden in der Nacht über Tegel im Einsatz sein. Dabei wurde das Instrumentenlandesystem (ILS) von der DFS überprüft. Das Landesystem ermöglicht es den Piloten, auch bei schlechten Witterungsverhältnissen und nahezu ohne Sicht sicher zu landen. „Aus diesem Grund muss die Genauigkeit der gesendeten Signale regelmäßig vermessen und überprüft werden“, sagte Jaekel vergangenes Jahr.

Die Vermessungsflüge seien eine Art TÜV. „Wie bei einem Auto verlieren die Flugsicherungsanlagen ihre technische Freigabe, wenn sie nicht in regelmäßigen Intervallen kontrolliert werden.“ Überprüfungsflüge dürfen trotz der Beschränkungen am Flughafen Tegel während der Nacht stattfinden, hieß es im November. Im Herbst 2019 herrschte noch ein sehr hohes Verkehrsaufkommens am Flughafen Tegel.

Vattenfall überprüft Fernwärmenetz aus der Luft

Auch der Energieversorger Vattenfall ließ im Februar 2019 ein Flugzeug über Berlin kreisen. Grund war eine Überprüfung der Berliner Fernwärmenetze. Dabei flogen die Flugzeuge mit einer besonderen Infrarot-Aufnahme-Technik in einer Höhe von rund einem Kilometer über der Stadt.

Ihre Strecke führte sie entlang der 500 Kilometer Fernwärmeleitungen in Berlin, vorrangig in den mittleren Bezirken und im Süden der Stadt. Die gewonnenen Bilder zeigten Vattenfall, wie es um Berlins Fernwärmeleitungen bestellt ist. Tagsüber könnten die Flüge laut Vattenfall nicht stattfinden. Dann würden sie den regulären Flugverkehr behindern.

DFS erwartet ab Juli 2020 deutlichen Aufwärtstrend im Flugverkehr

Infolge der Corona-Krise ist der Flugverkehr im ersten Quartal 2020 drastisch eingebrochen. Am 31. März wurden im deutschen Luftraum nur noch 1.341 Flüge kontrolliert. Das sind 84,7 Prozent weniger als am vergleichbaren Tag des Vorjahres, teilte die DFS mit.

„Einen solchen Einbruch hat es noch nie in der Geschichte der DFS gegeben. Während sich der Rückgang an Frachtflughäfen wie Leipzig oder Köln/Bonn noch in Grenzen hält, ist der Verkehr an anderen Flughäfen so gut wie zum Erliegen gekommen“, sagte DFS-Vorstandschef Klaus-Dieter Scheurle bei der Online-Jahrespressekonferenz des bundeseigenen Unternehmens Anfang April. „Aufgrund der dramatisch gesunkenen Gebühreneinnahmen rechnet die DFS in diesem Jahr mit Mindereinnahmen von rund 500 Millionen Euro.“

Scheurle zeigte sich vorsichtig optimistisch. „Meine persönliche Einschätzung ist, dass wir möglicherweise schon in der zweiten Jahreshälfte 2020 einen deutlichen Aufwärtstrend sehen werden.“ Zwar könne derzeit niemand prognostizieren, wie lange die Corona-Krise andauere. Zurückliegende Verkehrseinbrüche, von den Terroranschlägen des 11. September 2001 bis zur Finanzkrise 2008, hätten jedoch gezeigt, dass sich der Luftverkehr sehr schnell wieder erholt habe, sagte er.