Naturschutz

Wegen Dürre: Sommerdienst für Bäume in Berlin gefordert

Die SPD fordert eine einheitliche Bewässerung der Bäume und Sträucher, die jetzt schon unter der Trockenheit leiden.

Damit im Sommer weniger Bäume austrocknen, fordert die SPD eine einheitliche Bewässerung.

Damit im Sommer weniger Bäume austrocknen, fordert die SPD eine einheitliche Bewässerung.

Foto: Jens Kalaene / picture alliance/dpa

Berlin/Potsdam. Deutschland steuert auf seinen dritten Hitzesommer in Folge zu: Seit Wochen hat es nicht mehr richtig geregnet, verdorrte Grünflächen und Baumfällungen wegen Trockenschäden sind bereits zu beobachten. Die SPD-Fraktion fordert nun, einen berlinweiten Sommerdienst einzuführen, der regelmäßig die Berliner Bäume bewässert.

„Der Winterdienst, der bei Eis und Schnee die Straßen freiräumt, ist für uns alle selbstverständlich,“, sagt der Sprecher für Stadtentwicklung und Umwelt der SPD-Fraktion Daniel Buchholz. Analog dazu wünscht er sich einen Sommerdienst für Berlin, der gerade in Zeiten des Klimawandels nötiger werde. Fahrzeuge mit Wassertankausrüstungen sollten Grünanlagen bewässern – und das bereits jetzt, nicht erst im Hochsommer.

Bereits 50 Waldbrände in Brandenburg

Verfügen sollten dann die Bezirke bzw. die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) über die Ausrüstung. „Die Bewässerung muss professionalisiert werden und nicht durch Einzelvergabe an private Firmen geregelt werden“, so Buchholz. Dauerhaft könnte man ein Überleben des Stadtgrüns während der Frühlings- und Sommermonate nur mittels eigenem Personal und eigenen Fahrzeugen sicherstellen. „In Zukunft wollen wir auch verstärkt auf digitalisierte Bewässerungsanlagen setzten“, sagt der SPD-Sprecher. Im Tiergarten seien solche Anlagen bereits verbaut.

Der einzurichtende Sommerdienst dürfte freilich einiges kosten. „Wir rechnen mit einem Aufwand in Millionenhöhe“, sagt Buchholz. Doch dass der Klimawandel dramatische Folgen für die hiesige Vegetation mit sich bringt, ist offenkundig. Allein in diesem Jahr wurden in Brandenburg bereits 50 Waldbrände auf 9 Hektar Fläche gezählt, berichtet Brandenburgs Waldbrandschutzbeauftragter Raimund Engel.

Da auch die letzten Sommer wenig regenreich waren, sind tiefere Bodenschichten ebenfalls ausgetrocknet. Über 400 Mal hatte es 2019 in Brandenburgs Wäldern gebrannt. Das Brandenburgische Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz hat daher die Waldbrandgefahrenstufe in fast allen Landkreisen und kreisfreien Städten auf die fünfte und somit höchste Stufe heraufgesetzt.

Keine genauen Zahlen zu hitzegeschwächten Bäumen

Gerade jüngere Stadtbäume haben es jedoch auch in Berlin schwer. „Neu gepflanzte Bäume gehen bei Trockenheit schnell wieder ein, da ihre Wurzeln noch nicht so tief reichen“, sagt Daniel Buchholz. Viele Bäume müssten zudem aus Verkehrssicherheitsgründen zurückgeschnitten werden. Vielfach seien Trockenheitsschäden der Grund dafür gewesen. Doch auch das sogenannte Nebengrün, kleine Sträucher und Büsche, seien gefährdet. Deren Wurzeln steckten in staubigen Böden, sodass ihnen mitten im Austrieb das Wasser fehle. „Dass Sträucher verdursten, mag sich vielleicht nicht so dramatisch anhören“, meint Buchholz. „Doch das Nebengrün ist für alle Bestäubungsdienste verantwortlich.“

Dem Umweltsprecher der SPD zufolge braucht Berlin ein einheitliches Bewässerungs- und Düngesystem. Wie eine Anfrage Buchholzs aus dem vergangenen November zur Bewässerungssituation in der Stadt zeigt, schätzen die zwölf Bezirke die Lage höchst unterschiedlich ein. So verzeichnet Pankow etwa einen Anstieg an notwendigen Baumpflegemaßnahmen, in Charlottenburg-Wilmersdorf hätten die durchgeführten Rückschnitte die Bestandsbäume in den zurückliegenden Jahren hingegen „widerstandsfähiger gemacht und gestärkt.“

Belastbare Aussagen, wie hoch die Zahl der durch Hitze geschwächten Bäume ist, kann jedoch kaum ein Bezirk geben. Lediglich Steglitz-Zehlendorf gibt genauere Angaben zu Trockenheitsschäden: Besonders Birken, Linden und Hainbuchen wiesen bereits im vergangenen Herbst hitzebedingte Schäden auf. Ein Beispiel für den drastischen Anstieg gibt der Bezirk auch: Auf dem Friedhof Bergstraße seien im Jahr 2018 etwa 25 Bäume abgestorben, 2019 waren es über 200.

Es gilt über 420.000 Stadtbäume zu versorgen

Bereits im Juni 2018 hat der Berliner Senat beschlossen, gemeinsam mit den Bezirken einen Maßnahmenplan zur Versorgung mit Wasser und Düngemitteln zu entwickeln. Passiert sei seitdem jedoch wenig, meint Daniel Buchholz. „Dafür haben wir im Doppelhaushalt 2020/2021 nun zusätzlich 50 Millionen Euro für die Pflege von Bäumen und Grünflächen bereitgestellt.“ Vor allem die Bezirke seien nun am Zug.

Doch noch verfügen die wenigsten Bezirke über spezielle Bewässerungsfahrzeuge und auch genügend Personal ist momentan kaum vorhanden. Einige Bezirke appellieren daher bereits an die Bevölkerung, bei der Baumpflege zu unterstützen. „Unsere Ämter arbeiten täglich daran, den Bedarf der Grünflächen an Wasser zu stillen, doch in Anbetracht der Trockenheit werden Schäden unvermeidbar sein“, sagt etwa Lichtenbergs Umweltstadtrat Martin Schaefer (CDU). Mit dem Einsatz der Lichtenberger könne man dem entgegensteuern. „Einige Eimer Wasser in der Woche können da schon viel ausmachen.“

Daniel Buchholz sieht bürgerliches Engagement hier grundsätzlich positiv. Langfristig könnten Bürger die Engpässe bei der Bewässerung aber nicht beheben. „Wir haben über 420.000 Stadtbäume in Berlin“, sagt er. Es müssten schon sehr viele Berliner zum Wassereimer greifen, um den Bedarf langfristig zu decken.