Hilfe während Coronakrise

Die Berliner Tafel ist nun ein Lieferdienst

Wegen der Coronavirus-Krise haben die Ausgabestellen geschlossen. Wie bedürftige Menschen dennoch erreicht werden.

Coronavirus: "Für mich ist es ein Muss, anderen zu helfen."

So wie die Medizin-Studentin Nele helfen viele in der Krise. Sie engagiert sich bei der Tafel, da viele Ehrenamtlichen zur Risikogruppe gehören und daheim bleiben sollen.

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Berlin.  Sie nimmt eine Handvoll Kartoffeln aus einem der Säcke in der Lagerhalle. Behutsam stopft Andrea Plischek die Knollen in eine Papiertüte und dreht sich zu der Palette mit den Milchpackungen. Hiervon kommt ein Tetrapack in die Tüte. Den bisherigen Inhalt kombiniert die ehrenamtliche Helferin mit einem Laib Brot, einem Glas Nutella, Mayonnaise, Sahne, frischem Gemüse und noch einer Süßigkeit. Genaue Vorgaben über die Mengen habe sie nicht – es soll den Menschen lediglich für zwei oder drei Tage reichen, und die Tüte soll gut gefüllt sein, aber nicht so schwer, dass sie am Ende noch reißt.

Obwohl die Tafeln wegen der Coronavirus-Krise geschlossen haben, sollen bedürftige Menschen weiterhin unterstützt werden. Deshalb versucht sich die Hilfsorganisation seit Montag als Lieferdienst. Mehr als 1500 Papiertüten wie sie Andrea Plischek in der Halle am Berliner Großmarkt in Moabit zusammenpackt, haben die rund 900 Helfer der Berliner Tafel seit einer Woche an Menschen, die darauf angewiesen sind, verteilt.

Von der Lagerhalle aus werden die Papiertüten in Transportwagen verladen und in die Einzugsbereiche der jeweiligen Kirchengemeinden gebracht, wo sie auf Lastenräder umverteilt werden. Die Radfahrer bringen die Tüten dann direkt vor die Haustür der Menschen.

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Räume zum Schutz der Mitarbeiter geschlossen

Die Vorsitzende der Berliner Tafel, Sabine Werth, nennt zwei Gründe für das neue Vorgehen der Tafel. Die Kunden, die normalerweise in die Tafeln kommen, erhalten durch den Tafel-Lieferdienst weiterhin Unterstützung in der Krise und können wegen des Coronavirus zuhause bleiben. Abgesehen davon habe die Berliner Tafel ihre Räumlichkeiten geschlossen, um ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter zu schützen. Werth zufolge sind die meisten Ehrenamtlichen 60 Jahre oder älter und gehören damit zur Covid-19-Risikogruppe.

Allerdings bringt die derzeitige Situation auch Chancen mit sich. Gegenwärtig helfen vor allem jüngere Menschen beim Verpacken oder Ausfahren der Essenspakete der Berliner Tafel. In den vergangenen Wochen hätten sich aber so viele hilfsbereite Menschen gemeldet, dass Werth kaum mit den Anfragen der angehenden Ehrenamtlichen hinterherkomme. Werth bedauert auch, dass sie im Moment neben Helfern keine neue Kunden aufnehmen können.

50.000 Menschen aus ganz Berlin nutzen die verschiedenen Anlaufstellen der Tafel. „Mit den 1500, die wir bislang erreicht haben, sind wir noch ziemlich weit unten“, sagt Werth. Allerdings startete der Lieferdienst erst Montag offiziell seine Touren, inoffiziell arbeiteten die Ehrenamtlichen bereits seit einer Woche. In erster Linie versuchen sie, Alleinerziehende mit mindestens zwei Kindern und alte Menschen zu unterstützen. Die Auslieferungstage richten sich laut Werth nach den Ausgabetagen der Tafeln. Den letzten Kilometer vor Ort machen in einigen Bezirken die Mitglieder der Rebel Riders Berlin, die zu den Umweltaktivisten der Extinction Rebellion gehören.

Unterstützung von Klimaaktivisten

Umweltaktivist Max Reymann erklärt, jeder Radfahrer bekomme zwischen zwölf und 15 gepackte Tüten und verteile die an die Haushalte, insgesamt sei das eine Fahrt von rund zehn Kilometern. Die Zusammenarbeit mit der Berliner Tafel sei dem Coronavirus geschuldet. Eigentlich hatten die Aktivisten viele Aktionen für die kommenden Wochen geplant, die nun aber nicht stattfinden können. Im Internet stieß Reymann auf einen Aufruf der Berliner Tafel. „Wir haben ein großes Netzwerk an vielen Fahrradfahrern und so sind wir dann zusammengekommen.“ Auch wenn die Abläufe sich geändert haben, die Berliner Tafel sammelt wie Werth sagt, weiterhin Lebensmittel ein. Im Moment gebe es aber besonders viele Spenden, da Hotels und Restaurants geschlossen haben. „Deren Küchenbestände bekommen wir dann sehr oft geliefert“, sagt Werth.

Der Tafel-Lieferdienst startete an diesem Montag. Aus diesem Anlass ist auch Erzbischof Heiner Koch im Berliner Großmarkt zugegen und hilft Sabine Werth und Andrea Plischek symbolisch beim Verpacken. Vor einer der ersten Fahrten eines Transporters spricht er seinen Segen aus. „Mein Wunsch ist es, dass dieser Weg in bewegten Zeiten wirklich zum Segen für die Menschen wird.“