TXL-Airport

Flughafen Tegel bleibt zunächst in Betrieb

Trotz Corona-Krise: Der Flughafen Tegel (TXL) bleibt offen - vorerst. Doch das könnte sich im April schon ändern.

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Berlin. Der Flughafen Tegel bleibt vorerst geöffnet. Das beschloss die Gesellschafterversammlung am Montag auf einer Telefonkonferenz. Demnach will die Geschäftsführung zunächst die weitere Entwicklung der Corona-Krise abwarten, bevor sie nach Ostern über eine entsprechende Entscheidung erneut beraten will.

Damit stellten sich die Gesellschafter gegen den Aufsichtsrat, der den Antrag auf eine sofortige temporäre Schließung befürwortete. „Einem weitergehenden Petitum des Aufsichtsrats auf sofortige Antragstellung wurde von den Gesellschaftern nicht gefolgt“, heißt es in einer Mitteilung der Flughafengesellschaft (FBB).

Coronavirus und der Flughafen Tegel - FBB: Schließung würde finanzielle Lage entspannen

Stattdessen sagten die drei Eigentümer Berlin, Brandenburg und der Bund der Flughafengesellschaft umfangreiche finanzielle Hilfen zu. Bis zu 300 Millionen Euro soll die Gesellschaft in diesem Jahr erhalten, um die Folgen der Corona-Krise bewältigen zu können. „Mit der beschlossenen Gesamtfinanzierung haben wir eine solide Basis dafür, nach der Bewältigung der Corona-Krise und der Eröffnung des BER die Flughafengesellschaft aus den roten Zahlen zu führen“, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup nach der Sitzung.

Aus Sicht der Flughafengesellschaft würde eine Schließung des Flughafens die finanzielle Lage entspannen. Der Flugbetrieb ist weltweit fast komplett zusammen gebrochen. An den beiden Berliner Flughäfen werden derzeit noch 2000 bis 3000 Passagiere pro Tag abgefertigt, vor Corona waren es 55.000 bis 70.000. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte entsprechende Überlegungen als "fatalen Fehler" bezeichnet. „Die Hauptstadt braucht die Anbindung über die beiden Flughäfen“, sagte Scheuer.

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Nun kamen die Gesellschafter überein, die Lage in drei Wochen neu zu bewerten. Bis dahin soll die Geschäftsführung den Schließungsantrag für Tegel weiter vorbereiten und dem Gremium dann zur Entscheidung vorlegen, heißt es in der Mitteilung der Flughafengesellschaft.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafengesellschaft, Rainer Bretschneider, hatte die Diskussion über die Schließung ins Rollen gebracht. Wer über Staatshilfen nachdenke und Kurzarbeit für seine Mitarbeiter beantrage, wie die Flughafengesellschaft, müsse darlegen, wie er in eigener Anstrengung versuche, die Kosten zu senken, hatte Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider gesagt. Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) stellte für landeseigene Unternehmen Finanzhilfen in Aussicht. Demnach könnte der Flughafen bis zu 100 Millionen Euro vom Land erhalten.

Die FBB steht unter großem Druck. Durch die mehrfache Verschiebung der BER-Eröffnung liegen große Finanzlasten auf den Flughäfen. Die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund haben deutlich gemacht, dass sie kein weiteres Geld mehr für den BER zur Verfügung stellen wollen, der Ende Oktober eröffnen soll.

In einem Brief an die Mitglieder des Aufsichtsrates hat Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup sich für eine Schließung ausgesprochen. Die ohnehin prekäre wirtschaftliche Lage der Gesellschaft, wird durch die aktuelle Krise verschärft. Auf beiden derzeit noch in Betrieb befindlichen Berliner Flughäfen werden derzeit noch jeweils fünf Prozent des Flugverkehrs abgewickelt, etwa 3000 Passagiere täglich. Die großen Fluggesellschaften, wie Lufthansa oder EasyJet, haben den Betrieb fast komplett eingestellt und rechnen nicht damit, dass er in den nächsten Wochen wieder aufgenommen wird. Der internationale Branchenverband IATA rechnet sogar erst ab 2021 mit einer Erholung des Flugverkehrs.

SPD hält Tegel-Schließung für dringend notwendig

Schon vergangene Woche hatte die Gesellschaft gemeinsam mit dem Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung zur Einführung von Kurzarbeit für ihre rund 2200 Mitarbeiter abgeschlossen, um Entlassungen durch eine Reduzierung der Arbeitszeit zu vermeiden. Gemeinsam mit dem Betriebsrat wurde zudem beschlossen, dass das gesetzliche Kurzarbeitergeld in Höhe von 63 bis 67 Prozent des Gehalts durch die FBB aufgestockt wird und demnach 80 Prozent des Nettoentgelts beträgt. Bei Alleinerziehenden wird auf 90 Prozent des Nettoentgelts aufgestockt. Die Kurzarbeitsregelung gilt bis auf weiteres.

Für die SPD ist die Schließung eines Airports dringend notwendig. „Nur noch ein Zehntel des normalen Flugverkehrs findet momentan statt, zumeist für Frachttransporte“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Daniel Buchholz. „Die Offenhaltung eines ganzen Flughafens mit allen Teilbereichen und den hohen Sicherheitserfordernissen ist angesichts dieser extrem geringen Auslastung nicht mehr sinnvoll.“

Die Opposition und Wirtschaftsverbände lehnen eine vorzeitige Schließung Tegels dagegen ab. Die CDU wittert dahinter den Versuch, Tegel bereits dauerhaft zu schließen, bevor der BER eröffnet hat. „Eine Schließung des Flughafens Tegel wäre ein katastrophales Signal für den Standort Berlin und Brandenburg“, sagte UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck am Sonnabend.

Nach dem Ende der Corona-Krise müsse Berlin alle Kräfte darauf konzentrieren, den Ausfall durch den Shutdown so schnell wie möglich aufzuholen, sagte Amsinck: „Dazu brauchen wir Tegel ebenso wie Schönefeld.“ Wer Tegel jetzt schließe, riskiere, dass die Unternehmen nicht mit vollem Schub aus der Krise kommen könnten, warnte der UVB-Hauptgeschäftsführer. Tegel dürfe erst vom Netz genommen werden, wenn der BER stabil funktioniere.

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