Corona-Krise

Berlin will Schließung des Flughafens Tegel beantragen

Am Montag soll die Gesellschafterversammlung darüber entscheiden, ob sie die Schließung des Flughafens Tegel beantragt.

Corona-Krise: EU-Parlament gibt grünes Licht für Milliardenoffensive

Das EU-Parlament hat grünes Licht für eine 37 Milliarden Euro schwere Investitionsoffensive zur Bewältigung der Corona-Krise gegeben. Mit 683 Stimmen dafür, einer dagegen und vier Enthaltungen sprach sich eine breite Mehrheit der Abgeordneten am Donnerstag im Schnellverfahren für einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission aus.

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Berlin.  Am Montag entscheidet die Gesellschafterversammlung der Flughafengesellschaft (FBB) darüber, ob sie die Schließung des Flughafens Tegel beantragt. Berlin und Brandenburg sind dafür, der Bund als dritter Gesellschafter lehnt das bislang ab. Doch aus Sicht der Betreiber wird eine Schließung immer wahrscheinlicher, da der Flugverkehr weltweit fast komplett zusammengebrochen ist. In einem Schreiben an den Aufsichtsrat wirbt FBB-Chef Engelbert Lütke Daldrup nun für die Schließung.

Die ohnehin prekäre wirtschaftliche Lage der Gesellschaft, wird durch die aktuelle Krise verschärft. Auf beiden derzeit noch in Betrieb befindlichen Berliner Flughäfen werden derzeit noch jeweils fünf Prozent des Flugverkehrs abgewickelt, etwa 3000 Passagiere täglich. Die großen Fluggesellschaften, wie Lufthansa oder EasyJet, haben den Betrieb fast komplett eingestellt und rechnen nicht damit, dass er in den nächsten Wochen wieder aufgenommen wird. Der internationale Branchenverband IATA rechnet sogar erst ab 2021 mit einer Erholung des Flugverkehrs.

Tegel-Schließung würde Kosten senken

FBB-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider hatte Anfang der Woche die Diskussion über die Schließung eines der beiden Flughäfen ins Rollen gebracht, Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) hatte zuletzt ebenfalls eine vorübergehende Schließung angeregt. „Also ich werde hier nicht das Versprechen abgeben, dass zum Beispiel Tegel oder eine andere Betriebsstätte des Flughafens nicht temporär geschlossen wird“, hatte Kollatz im Hauptausschuss des Abgeordnetenhaus gesagt.

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Aus Sicht der FBB würde eine Schließung des Flughafens Tegel Sinn ergeben, um die Kosten der Gesellschaft zu senken. Aktuell macht die FBB rund eine Million Euro Defizit pro Tag, weil die Einnahmen weggebrochen sind. Der Betrieb Tegels kostet rund 7,5 Millionen Euro pro Monat und könnte durch eine vorübergehende Schließung auf 1,5 Millionen Euro gesenkt werden. Personal, wie zum Beispiel die in Tegel stationierte Feuerwehr, könnte an anderen Orten zum Einsatz kommen, heißt es.

Schließung Tegels wäre wohl das komplette Aus für den Flughafen

Sollte die Schließung Tegels beantragt werden, wäre das wohl das komplette Aus für den Flughafen. Zwar soll die Schließung zunächst bis zum 31. Mai gelten, doch auch danach wird die Kapazität des Flughafens Schönefeld voraussichtlich ausreichen, den Flugverkehr in Berlin abzuwickeln, bevor dann, wie geplant, der BER im Oktober ans Netz gehen soll.

Die Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus lehnt eine Schließung, wie der Bund, ab. Flughäfen gehören zur kritischen Infrastruktur und seien deshalb in Zeiten der Krise notwendig. Es ergebe keinen Sinn, einen der beiden Flughäfen zu schließen.

Verbände: Tegel-Schließung wegen Corona wäre „katastrophales Signal“

Aus Sicht der Berliner Unternehmensverbände wäre eine Schließung „ein katastrophales Signal“. „Während viele Betriebe ums Überleben kämpfen, will sich der Senat seiner Verantwortung für eine funktionierende Infrastruktur entledigen. Das ist schlechtes Krisenmanagement“, kritisierte Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, am Samstag.

„Nach dem hoffentlich baldigen Ende der Corona-Krise müssen wir alle Kräfte darauf konzentrieren, den Ausfall durch den Shutdown so schnell wie möglich aufzuholen. Dazu brauchen wir Tegel ebenso wie Schönefeld.“ Wer Tegel jetzt schließe, riskiere, dass die Unternehmen nicht mit vollem Schub aus der Krise kommen könnten. „Tegel darf erst vom Netz genommen werden, wenn der BER stabil funktioniert“, verlangte Amsinck.