Netflix-Serie

An diesen Orten in Berlin wurde „Unorthodox“ gedreht

Die Netflix-Serie „Unorthodox“ nach dem Bestseller von Deborah Feldman wurde hauptsächlich in Berlin gedreht. Wir verraten, wo.

Esty (Shira Haas) wird in New York mit Yakov (Amit Rahav) verheiratet, gedreht wurde in Moabit.

Esty (Shira Haas) wird in New York mit Yakov (Amit Rahav) verheiratet, gedreht wurde in Moabit.

Foto: Anika Molnar/Netflix

Berlin. Nicht immer ist im Film alles so wie es scheint. Die Netflix-Serie „Unorthodox“ (verfügbar seit dem 26. März) nach dem autobiografischen Buch von Deborah Feldman spielt in Berlin und New York. Gedreht wurde im Sommer 2019 allerdings fast nur in der deutschen Hauptstadt. Lediglich für einige wenige Außenszenen reiste das Team für drei Tage in die USA.

Alle Innenaufnahmen – die Wohnungen der Angehörigen der ultraorthodoxen Gemeinde in New York oder die Hochzeit von Protagonistin Esty – wurden in den CCC Studios auf Eiswerder in Spandau, einem Pfarrhaus in Reinickendorf und einem palästinensischen Festsaal in Moabit gefilmt.

„Unorthodox“: Mutter der Hauptperson lebt am Winterfeldtplatz

Die vierteilige Miniserie erzählt die Geschichte von Esther Shapiro, dargestellt von der israelischen Schauspielerin Shira Haas, nach dem 2012 erschienenen Buch „Unorthodox“ von Deborah Feldman. Die heute 33 Jahre alte Schriftstellerin schrieb ihre Memoiren in einem Alter, in dem andere gerade ans Studieren oder ans nächste Date denken.

Sie erzählt darin, wie sie in einer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde in New York aufwuchs, wie sie dort eine arrangierte Ehe einging – und wie sie mit ihrem Sohn aus dieser Welt floh. Nach Berlin, wo sie noch heute lebt. Die Serie zeigt, wie ihr Alter Ego Esty in Deutschland ankommt und sich ein neues Leben aufbaut und in Rückblicken die Geschichte ihrer Herkunft.

In den ersten Szenen sieht man, wie sie ein paar Sachen zusammenpackt und heimlich ihren Mann und ihre chassidische Gemeinde in Williamsburg verlässt. Die Satmar-Gemeinde lebt nach strengen Glaubensregeln. Frauen müssen sich zum Beispiel die Haare abrasieren und Perücken tragen. Während ihrer Periode dürfen sie nicht von ihren Männern berührt werden. Esty freut sich zunächst auf die Ehe, aber vieles ist anders als erwartet. Sie will sich in Berlin ein neues und freies Leben aufbauen. Die Serie, die auf Jiddisch und Englisch gedreht wurde, zeigt eine Frau zwischen zwei Welten.

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Die deutsche Hauptstadt als Ort des Neuanfangs

Berlin als Ort des Neuanfangs kommt dabei auch optisch ziemlich gut weg. „Wir wollten eine helle, leichte Ästhetik zeigen“, sagt Drehbuchautorin und Produzentin Alexa Karolinski. Inspiriert von der Architektur Hinrich Ballers. In dem von dem Berliner entworfenen Wohnhaus am Winterfeldtplatz wohnt beispielsweise Estys Mutter.

Und auch sonst spielt die Handlung hauptsächlich in Schöneberg, am Potsdamer Platz und in Moabit. Vor allem Einheimische werden ihre Stadt in vielen Szenen wiedererkennen. Esty läuft über den Kudamm und Unter den Linden entlang, sie feiert in einem Club, dem „Loftus Hall“ am Maybachufer, besucht eine Musikschule, deren Kulisse das Musikinstrumenten-Museum an der Philharmonie ist. Aber auch der Flughafen Tegel, der Gendarmenmarkt und der Jüdische Friedhof in Weißensee haben ihren Auftritt. Mit Erlaubnis der Jüdischen Gemeinde Berlin durfte dort ausnahmsweise gedreht werden.

Drehort der Wohnung, in der Esty nach ihrer Ankunft in Deutschland unterkommt, ist das David Friedländer Haus an der Kaiserin-Augusta-Allee. Dort leben 296 Studierende und Auszubildende seit 2018 in einem Wohnheim. „Es hatte nicht nur die passende Ausstattung, sondern mit dem Blick auf die Spree auch eine ideale und attraktive Lage“, so die Location Scouts von Netflix. Jede Wohnung trägt den Namen einer Persönlichkeit aus der deutsch-jüdischen Geschichte, die aufgrund ihrer Biographie mit der Stadt verbunden ist.

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Mit der nationalsozialistischen Vergangenheit umgehen lernen

Nirgendwo finde man so schnell Freunde wie in Berlin, sagt Deborah Feldman heute. Allerdings musste sie auch lernen, mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ihrer Wahlheimat konfrontiert zu werden.

Eine Schlüsselszene spielt am Strandbad Wannsee und wurde auch tatsächlich dort aufgenommen. In der Serie sieht man, wie Esty mit Freunden zum Wannsee fährt – und einen Mann mit „Deutschland“-Tattoo sieht.

Feldman hat Ähnliches erlebt. „Ich war in einem Spaßbad außerhalb Berlins, kurz nachdem ich angekommen war, und sah ein Auschwitz-Tattoo“, sagt sie. „Man ist in der Gegenwart, aber die Vergangenheit lauert einem überall auf. Und es ist ein Kampf, in der Gegenwart zu bleiben.“

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