Flughäfen

Corona-Krise: Schönefeld oder Tegel vor der Schließung

Der Flugverkehr in Berlin ist radikal eingebrochen. Jetzt könnte einer der Flughäfen schließen.

Lufthansa-Maschinen parken am Flughafen Schönefeld.

Lufthansa-Maschinen parken am Flughafen Schönefeld.

Foto: euroluftbild.de/Robert Grahn

Berlin. Die Berliner Flughafengesellschaft (FBB) prüft die Schließung eines der beiden Flughäfen Schönefeld und Tegel, um die Kosten zu senken. „Wir haben einen radikalen Einbruch des Flugverkehrs erlebt“, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup der Berliner Morgenpost. „Ich muss sehen, wie ich die Kosten und Erlöse in Einklang bringe.“ Dazu entwickelt die FBB ein Kostensenkungsprogramm, um das Defizit möglichst gering zu halten. „Wir fahren auf Sicht und warten die nächsten Tage ab.“

Für die SPD ist die Schließung eines Airports dringend notwendig. „Nur noch ein Zehntel des normalen Flugverkehrs findet momentan statt, zumeist für Frachttransporte“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Daniel Buchholz. „Die Offenhaltung eines ganzen Flughafens mit allen Teilbereichen und den hohen Sicherheitserfordernissen ist angesichts dieser extrem geringen Auslastung nicht mehr sinnvoll.“

Buchholz spricht sich daher für die Schließung des Flughafens Tegel aus. „Die verbliebenen Flüge können problemlos nach Schönefeld-Alt verlagert werden“, so der Verkehrsexperte. Die Flughafengesellschaft könne ihre Kräfte dadurch bündeln, erhebliche Kosten sparen und den Bau des BER konzentriert voranbringen. „Für die Anwohner des Flughafens Tegel bringt die vorübergehende Stilllegung endlich Ruhe und einen positiven Vorgeschmack auf die endgültige Schließung des innerstädtischen Flughafens“, sagte Buchholz.

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Flughafen könnte bis zu 100 Millionen Euro erhalten

Die CDU wittert dahinter den Versuch, Tegel bereits dauerhaft zu schließen, bevor der BER eröffnet hat. „Die von der Flughafengesellschaft vorangetriebene vorgezogene Stilllegung des Flughafens Tegel noch in dieser Woche wäre ohne einen betriebsfähigen Großflughafen BER ein immenses Risiko für den Luftverkehrsstandort Berlin, auch ein fatales Zeichen für den Tourismus- und Messestandort für die Zeit nach der Krise“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU, Christian Gräff. „Wir unterstützen zwar Überlegungen, den touristischen Verkehr auf den Flughäfen einzustellen, nicht aber den Gesamtbetrieb.“ Transportflüge für Lebensmittel, für medizinisches Material sowie Flüge für Urlaubsrückkehrer müssten weiter möglich sein.

Auch die FDP und die AfD befürchten, dass die Schließung dauerhaft erfolgen soll und lehnen das vehement ab. Flughäfen gehörten zur infrastrukturellen Daseinsvorsorge und müssten offen gehalten werden. Tatsächlich ist fraglich, ob ein jetzt geschlossener Flughafen Tegel noch einmal öffnen würde. Denn Experten gehen davon aus, dass es Monate braucht, bis der Flugverkehr wieder das Niveau vor der Krise erreicht hat. Bis dahin könnte die Kapazität des Flughafens Schönefeld ausreichen – und dann der BER, wenn er denn wie geplant eröffnet.

Flughafengesellschaft steht unter großem Druck

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafengesellschaft, Rainer Bretschneider, hatte die Diskussion über die Schließung ins Rollen gebracht. „Fakt ist, dass sich die Flughafengesellschaft etwas einfallen lassen muss“, sagte Bretschneider am Mittwoch. „Mit so einem Einbruch des Flugverkehrs hat ja niemand gerechnet.“ Wie es weitergeht, könne er aber nicht sagen. „Die Geschäftsführung muss dazu einen Vorschlag machen.“ Wer Staatshilfen und Kurzarbeit für seine Mitarbeiter beantrage, wie die Flughafengesellschaft, müsse darlegen, wie er in eigener Anstrengung versuche, die Kosten zu senken, so Bretschneider. Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) stellte für landeseigene Unternehmen Finanzhilfen in Aussicht. Demnach könnte der Flughafen bis zu 100 Millionen Euro vom Land erhalten.

Die FBB steht unter großem Druck. Durch die mehrfache Verschiebung der BER-Eröffnung liegen große Finanzlasten auf den Flughäfen. Die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund haben deutlich gemacht, dass sie kein weiteres Geld mehr für den BER zur Verfügung stellen wollen, der Ende Oktober eröffnen soll.