Wohnungsbau

Zahl der Baugenehmigungen in Berlin sinkt erneut

Vor allem in Pankow und Mitte gab es 2019 einen Rückgang. Die Branche klagt über fehlende Grundstücke und gestiegene Kosten.

Immer mehr Investoren wandern mit ihren Wohnungsbauprojekten nach Brandenburg ab.

Immer mehr Investoren wandern mit ihren Wohnungsbauprojekten nach Brandenburg ab.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin. Es sind keine guten Nachrichten für Wohnungssuchende in der Hauptstadt: Die Zahl der Baugenehmigungen in Berlin sinkt bereits seit 2017 kontinuierlich, immer mehr Investoren wandern mit ihren Wohnungsbauprojekten nach Brandenburg ab. Insgesamt bewilligten die Behörden in der Berlin den Bau von 22.524 Wohnungen, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Montag mitteilte. Das waren sieben Prozent weniger als im Vorjahr (22.524) und zudem der dritte Rückgang in Folge.

Pankow und Mitte verzeichnen deutlichsten Rückgang

Vor allem in Pankow (1877 Genehmigungen in 2019, 3693 in 2018) und Mitte (2348 Genehmigungen in 2019, 3148 in 2018) gab es deutlich weniger Baugenehmigungen. Positiv entwickelt haben sich dagegen die Außenbezirke Treptow-Köpenick ( Zunahme von 3288 auf 4718 Baugenehmigungen) und Reinickendorf (Zunahme von 664 auf 1320). Nach Auskunft des statistischen Landesamtes werden werden 18,5 Prozent (3.655) der Neubauwohnungen als Eigentumswohnungen geplant. Insgesamt 18.092 der genehmigten Neubauwohnungen entstehen demnach in Mehrfamilienhäusern. Das ist ein Rückgang um 6,7 Prozent gegenüber dem Berichtsjahr 2018. Ein leichter Anstieg um 3,7 Prozent ist dagegen bei den geplanten 1407 Wohnungen in neuen Ein- und Zweifamilienhäusern zu verzeichnen. Weitere 2772 Wohnungen sollen laut Bericht durch Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden, etwa durch Dachgeschossausbauten oder Nutzungsänderungen, errichtet werden.

Mangel an Baugrundstücken und hohe Baukosten

Dafür, dass die Zahlen insgesamt zurückgehen, sind vielfältige Gründe denkbar. Die Immobilienbranche beklagt seit Langem, dass es zu wenige Baugrundstücke gibt, und dass die Baukosten zuletzt deutlich gestiegen sind. Das wird darin sichtbar, dass die veranschlagten Kosten für die neuen Berliner Wohnungen stiegen, obwohl es weniger Bauvorhaben gibt. So betragen die veranschlagten Kosten im Wohnungsbau rund 5,8 Milliarden Euro, 7,6 Prozent mehr als im Vorjahr 2018.

„Der Rückgang der Baugenehmigungszahlen ist bedauerlich aber nicht überraschend. Er ist zum Einen Ergebnis der immer knapper werdenden Ressource Boden und zum Anderen stark angestiegener Bodenpreise und Baukosten“, sagt Petra Rohland, stellvertretende Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen zu den Zahlen.

Zugleich würden die Vorhaben komplexer und bräuchten häufiger zuvor Planungsrecht, so Rohland. „Weniger Baugrundstücke und steigende Bodenpreise führen zusammen mit den gestiegenen Bau- und Planungskosten auch dazu, dass Mietwohnungsbau tendenziell weniger durch private Akteure realisiert wird. Umso wichtiger wird der Neubau der städtischen Wohnungsbaugesellschaften und das Engagement gemeinwohlorientierter Akteure beim Wohnungsneubau.“ Senat und Bezirke stünden weiterhin in der Pflicht, die planungsrechtlichen Grundlagen für die Realisierung von neuen Wohnungen zu schaffen und Baugenehmigungen zügig zu erteilen, so Rohland.

Als weitere Neubaubremse hatten Verbände den Berliner Mietendeckel genannt. Auch die Debatte um die Enteignung großer privater Wohnungsunternehmen, wie sie ein laufendes Volksbegehren in der Hauptstadt fordert, wird von Branchenexperten als Erklärung für die Zurückhaltung vieler Investoren ins Feld geführt.

Deutlich mehr Baugenehmigungen in Brandenburg

Deutlich positiver entwickelte sich das Baugeschehen in Brandenburg. 14.723 genehmigte Wohnungen haben die Bauaufsichtsbehörden nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg dort gemeldet. Das sind 15,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten davon sollen mit gut 2100 im Flughafen-Landkreis Dahme-Spreewald entstehen. Die wenigsten Genehmigungen erteilte der Landkreis Elbe-Elster (208). Damit liegt der geplante Bau von Wohnungen leicht über dem Niveau des Berichtsjahres 2016 (14.263 Wohnungen). Von den genehmigten Wohnungen werden 6738 in neu gebauten Mehrfamilienhäusern entstehen. Das entspricht einem Plus von 37,3 Prozent. 6478 Neubauwohnungen wurden in Ein- und Zweifamilienhäusern genehmigt, das sind 3,6 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.