Verkehr

Abriss der Elsenbrücke blockiert Auto- und Schiffsverkehr

Durch den Neubau der Elsenbrücke kommt es auch auf der Spree zu Einschränkungen. Das trifft vor allem Ausflugsdampfer.

Die Elsenbrücke verbindet Treptow mit Friedrichshain. Sie muss neu gebaut werden.

Die Elsenbrücke verbindet Treptow mit Friedrichshain. Sie muss neu gebaut werden.

Foto: DAVIDS/Darmer / DAVIDS/Sven Darmer

Berlin. Schon heute sieht man auf der Elsenbrücke die Vorbereitungen für die Abrissarbeiten. Sie bedeuten Einschränkungen für den Autoverkehr, der schon seit Monaten nur noch auf der westlichen Teilbrücke geführt wird. Der Neubau der 185 Meter langen Verbindung zwischen Friedrichshain und Treptow schränkt nicht nur den Straßenverkehr ein. Auch darunter – auf der Spree – bedeuten die Arbeiten starke Belastungen, die die Spreeschifffahrt empfindlich treffen.

Wie stark, macht die Antwort der Senatsverkehrsverwaltung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion deutlich. Zwar sei es eines der Planungsziele, die Auswirkungen auf die Schifffahrt so gering wie möglich zu halten, teilt Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese (Grüne) in der Antwort mit. Jedoch sei aufgrund der komplexen Konstruktion des Brückenbauwerks „während der gesamten Bauzeit“ bis planmäßig zum Jahr 2028 mit Einschränkungen zu rechnen.

Ab September: Sechswöchige Vollsperrung der Elsenbrücke

Für den Rückbau der südöstlichen Teilbrücke werde es „voraussichtlich ab September 2020 eine bis zu sechswöchige Vollsperrung geben“, teilte Streese mit. Dies wird erst der Anfang der Spreeeinschränkungen sein. Auch für die weiteren Bauphasen würden „weitere Teil- und Vollsperrungen notwendig“.

Betroffen davon ist die Schifffahrt, insbesondere Ausflugsreeder. Die Reederei Riedel nutzt für ihre Schiffe Liegeflächen am Rummelsburger Hafen. Diese können in der Zeit der Spreesperrung nicht angelaufen werden und fallen somit aus. Konkurrent Stern und Kreisschiffahrt wiederum legt einen Teil seiner Schiffe im Treptower Hafen an. Auch von dort aus wird sechs Wochen lang keine Fahrt ins Zentrum möglich sein. In der Saison führen pro Tag 20 Schiffe vom Treptower Hafen in die Innenstadt, sagte der technische Leiter der Stern und Kreisschifffahrt zuletzt der „Berliner Woche“.

Die Liegeplätze in der Innenstadt würden dafür nicht reichen. Doch auch zum Tanken und Abpumpen des Abwassers müssten die Boote nach Treptow. Stern und Kreis bemühe sich deshalb um eine Verschiebung der Vollsperrung in den Herbst, wenn die Bootssaison zu Ende gehe.

Das sei jedoch nicht möglich, teilte Streese mit. Grund seien die „bekannten terminlichen Zwänge“. Diese hätten auch dazu geführt, dass es für die anstehende Bauphase bislang nicht möglich gewesen sei, den Reedern Ersatzliegeflächen zur Verfügung zu stellen. „Es werden weiterhin Anstrengungen unternommen, für die weiteren Bauphasen mögliche Standorte zu finden“, versicherte der Verkehrsstaatssekretär.

Reedereien haben Schiffe wegen Corona gestoppt

Offen ist allerdings, ob und in welchem Umfang die Ausflugsschifffahrt in diesem Jahr überhaupt stattfinden kann. Nachdem am Mittwoch noch vereinzelt Schiffe über die Spree schipperten, gaben die Berliner Reedereien schon am Donnerstag bekannt, ihre Schiffe nicht mehr ausfahren zu lassen. Die Probleme mit der Elsenbrücke rücken daher aktuell unweigerlich in den Hintergrund.

Neben den Ausflugsreedern ist auch die Transportschifffahrt von der Sperrung auf der Spree betroffen. Da die Umleitung des Güterschiffverkehrs wegen der Größe mancher Kähne nur bedingt möglich sei, sei „zum Teil mit erheblich längeren Verkehrswegen und Verkehrszeiten zu rechnen“. Beim Brückenneubau zwischen Treptow und Friedrichshain, kritisiert der FDP-Politiker Henner Schmidt, habe der Senat die Schifffahrt nicht genug im Blick. „Bei den Planungen zum Umbau der Elsenbrücke wurde bisher der Schiffsverkehr nicht ausreichend berücksichtigt.“

Insbesondere die Ausflugsschifffahrt sei betroffen, die nicht nur im Herbst nicht mehr ihre Routen spreeaufwärts fahren könne, sondern auch ihre Liegeplätze an der Brücke ersatzlos verlieren werde, so Schmidt. „Der Senat muss sich deshalb darum kümmern, dass im Zuge der Brückenplanungen auch Lösungen für die Schifffahrt entwickelt werden.“

Inspekteure entdeckten einen 25 Meter langen Riss

Die Arbeiten sind notwendig, da Inspekteure im August 2018 einen 25 Meter langen Riss an der zwischen 1965 und 1968 erbauten Brücke feststellten. Der knapp zwei Millimeter breite Riss verläuft im östlichen Brückenüberbau quer durch einen Spannbetonträger. Die Brückenseite ist seither für den Autoverkehr gesperrt. Momentan dürfen noch Radfahrer und Fußgänger auf dieser Seite die Spree überqueren. Im Zuge der Abrissvorbereitungen werden auch sie voraussichtlich im April auf den Nordwestlichen Brückenüberbau wechseln.

Dann stehen für den Autoverkehr nur noch insgesamt drei Spuren zur Verfügung. Für rund 50 Millionen Euro soll bis 2028 ein kompletter Neubau entstehen. Nach dem Abriss des südöstlichen Brückenteils ist dafür ab 2021 der Bau einer provisorischen Behelfsbrücke geplant. Nachdem im Jahr 2022 auch der nordwestliche Überbau abgerissen wird, steht zwischen 2023 und 2028 der Ersatzneubau an.