Baupläne

Brandschutz entscheidet über Zukunft des Huthmacher-Hauses

Brandschutz-Gutachten entscheiden darüber, ob das Huthmacher-Haus am Hardenbergplatz saniert oder neu gebaut wird.

Ob das Huthmacher-Haus am Hardenbergplatz saniert oder neu gebaut wird, wird anhand von Brandschutz-Gutachten geprüft.

Ob das Huthmacher-Haus am Hardenbergplatz saniert oder neu gebaut wird, wird anhand von Brandschutz-Gutachten geprüft.

Foto: jörg Krauthöfer

Sanierung oder Neubau? Im Fall des Huthmacher-Hochhauses am Hardenbergplatz ist die Frage der künftigen Gestaltung noch immer offen. In jedem Fall müssen alle Mieter bis spätestens Anfang 2021 ausziehen. Anschließend muss möglichst rasch umgebaut werden. Denn das Gebäude hält geltenden Brandschutz-Vorschriften nicht stand.

Aufgrund der Brandschutz-Mängel laufe die Betriebsgenehmigung für das Hochhaus bis Ende 2021 aus, wenn nicht baulich nachgebessert werde, sagt Johannes Heyne, baupolitischer Sprecher der FDP-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf.

Der Inhaber legte seine Pläne bereits im Jahr 2018 vor

Darum hatte der Inhaber des Gebäudes, der Hamburger Investor Newport Holding, der BVV bereits 2018 seine Baupläne unterbreitet. Demnach wollte der Investor das 60 Meter hohe Gebäude abreißen. An dessen Stelle sollte ein 95 Meter hoher Neubau mit Büroräumen errichtet werden, der sich selbst mit Solar- und Windenergie versorgt. Zudem sollte es eine Tiefgarage für Fahrräder geben. Zunächst muss jedoch geprüft werden, ob der Turm abgerissen werden darf. Denn das Huthmacher-Hochhaus steht unter Denkmalschutz.

Heyne erklärt, mithilfe von Gutachten werde nun ermittelt, ob ein Neubau in Betracht kommt. In diesen Gutachten werde unter anderem geprüft, ob im Fall einer Sanierung überhaupt geeignete Brandschutz-Maßnahmen gewährleistet werden können. Zudem werde untersucht, ob die Sanierung eine zumutbare wirtschaftliche Belastung für den Investor darstelle und die Statik des Gebäudes einem Umbau standhalten kann.

Wolfgang Tillinger, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion der BVV, drängt auf eine möglichst schnelle Entscheidung über die Zukunft des Huthmacher-Hauses. „Das Landesdenkmalamt und der Bezirk sollen die Gutachten jetzt fertigstellen und prüfen, damit alle Beteiligten Planungssicherheit haben.“ Es gelte, Leerstand und dessen Folgen an einem derart exponierten Standort zu vermeiden.

Oliver Schruoffenegger, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, verweist auf das Landesdenkmalamt. Da der Beirat dieses Amtes die Gutachten zum Huthmacher-Haus in Auftrag gegeben habe, müsse er sie untersuchen, bevor der Bezirk darin Einblick erhalte. Schließlich werde das Bezirksamt gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt auf Grundlage der Gutachten entscheiden, ob ein Neubau oder Umbau erfolgen soll.

Architekt stellte Pläne für den Neubau vor

Wim Eckert, Architekt des Züricher Architektur-Büros E2A, stellte bereits 2018 die Pläne der Newport Holding für den Neubau des Huthmacher-Hauses vor. Insgesamt 95 statt bisher 60 Meter hoch und 22,5 Meter statt 15,5 Meter tief sollte das neue Huthmacher-Haus werden. Die Breite soll nach Angaben des Investors wie bisher 80 Meter messen. Die Gebäudemaße würden bei einer Umsetzung der Pläne statt bisher 70.000 dann mit 170.000 Kubikmeter mehr als doppelt so viel betragen.

Immerhin sollte die Gestaltung der Fassade des 250 Millionen teuren Neubaus eine Reminiszenz an die Gestaltung des alten, in den 50er-Jahren entworfenen Huthmacher-Hauses darstellen. Mit einem durchsichtigen Geschoss in der Mitte wollte die neue Architektur an das Luftgeschoss des Bikini-Hauses anknüpfen. Die Fahrradgarage sollte mit 700 gratis benutzbaren Stellplätzen ausgestattet sein. Und ein verglastes Café in einem Luftgeschoss in der Mitte des 95 Meter hohen Hauses sollte es geben. Zudem ein öffentlich zugängliches Dachgeschoss, das jedem Besucher ganz ohne „Kommerzzwang“ einen 360-Grad-Blick über die City West, Zoo und Tiergarten ermöglichen sollte.

Das neue Haus solle sich auch energetisch autark mittels Sonnen- und Windkraft versorgen können, so Eckert. Zwar sei das vorgestellte Projekt lediglich eine „rein theoretische Übung“ gewesen, aber für den Bauherren habe kein Zweifel daran bestanden, dass das Haus grundsätzlich abgerissen werden müsse.

Abrisspläne scheiterten bislang am Denkmalschutz

Die Hamburger Newport Holding kaufte das Huthmacher-Haus im Mai 2018 von der Immobilienfirma Bayerische Hausbau. Auch die Immobilienfirma, die das Gebäude als Teil des Zoobogens mit Zoo-Palast und Bikini-Haus 2002 erworben hatte, äußerte immer wieder Absichten, den 50er-Jahre-Bau abzureißen. Die Abrisspläne scheiterten jedoch stets am Denkmalschutz. Veränderungspläne der Bayerischen Hausbau waren nach Angaben des Landesdenkmalamtes bereits 2015 und 2017 Thema im Landesdenkmalrat Berlin. Im Protokoll der Sitzung vom 12. Mai 2017 heißt es: „Der Landesdenkmalrat…spricht sich aber gegen einen Abriss und Ersatzbau aus, weil es sich um eine Gesamtanlage handelt, in der jeder konstituierende Bestandteil ein Baudenkmal ist und vom Bauherren keine zwingenden Gründe gegen eine Sanierung um Modernisierung des Bestands oder Strategie des „Weiterbauens am Denkmal“ (z.B. durch Treppenhaus-Anbau) vorgetragen wurde“.