Gesundheit

Corona-Krise: Viele Berliner zeigen ihre Hilfsbereitschaft

Morgenpost-Aktion: Über „Nachbarn helfen Nachbarn“ können Sie Ihre Unterstützung anbieten – oder bekommen.

Eine Familie braucht Hilfe: Bert Rose, Antje Rochwitz sowie die Kinder Tinus, Simon und Rieke.

Eine Familie braucht Hilfe: Bert Rose, Antje Rochwitz sowie die Kinder Tinus, Simon und Rieke.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Zumindest etwas Positives, das die Corona-Krise mit sich bringt: Viele Menschen zeigen in der schwierigen Zeit ihre Solidarität, indem sie ihren Mitmenschen ihre Hilfe anbieten. Vor allem Ältere sind auf Beistand, etwa beim Einkaufen von Lebensmitteln oder Medikamenten, angewiesen.

Aus dieser Situation heraus haben bereits einige Berliner Hausverwaltungen Angebote eingeführt, über die Bewohner einander bei Erledigungen helfen können. Die Berliner Morgenpost möchte solche Aktionen noch mehr vorantreiben. Wenn auch Sie Ihre Nachbarn, die hilfsbedürftig sind, unterstützen wollen oder umgekehrt selber eine helfende Hand benötigen, dann können Sie den oben abgebildeten Aushang ausschneiden, ausfüllen und anschließend in Ihrem Hausflur aufhängen.

„Ein wichtiges Zeichen der Solidarität“

„Eine Aktion, die in Zeiten von sozialer Isolation längerfristig auch sozialen Zusammenhalt im anonymisierten Berlin schaffen könnte“, findet Dominic Hauser. Der 26-Jährige arbeitet aktuell im Homeoffice. „Eigentlich kenne ich die Bewohner in meinem Wohnhaus in der Berliner Straße kaum.“ Durch „Nachbarn helfen Nachbarn“ erhoffe er sich, dass sich daran etwas ändern könne.

Der Wilmersdorfer erklärt sich daher gerne bereit, über den Aushang im Treppenhaus älteren Menschen Hilfe bei Einkäufen anzubieten. „Ein wichtiges Zeichen der Solidarität während der herrschenden Verunsicherung.“

Innerhalb seiner Familie hat er seine Unterstützung bereits angeboten. „Meine Cousine ist berufstätig, und da demnächst die Kitas geschlossen sind, lege ich meine Arbeitszeit so, dass ich auf ihre vierjährige Tochter aufpassen kann.“

Trotz der Krise gibt es für Hauser auch Vorteile. „Ich finde es schön zu sehen, zu welchen Anstrengungen unsere Gesellschaft fähig ist. Wir können aus der aktuellen Situation auch für die Zukunft lernen.“

Viele Nachbarn zeigen sich solidarisch

Für Richard Schneider ist die Lage hingegen vor allem eins: Bedrohlich. Der 80-Jährige sagt, er sei erkrankt und erst vor Kurzem operiert worden. Somit wäre eine Ansteckung mit dem Coronavirus für ihn besonders gefährlich. Deswegen weiß Schneider die Aktion der Berliner Morgenpost sehr zu schätzen und ist für jede Unterstützung dankbar. „Ein gutes Zeichen.“

Dabei erfahre er bereits jetzt vielfältige Hilfe von den Menschen aus seinem Wohnhaus in der Bayerischen Straße. „Wir sind gut untereinander vernetzt. Eine Nachbarin will mir jetzt auch mit den Einkäufen helfen.“

Brigitte Fischer aus Wilmersdorf ist der Meinung, dass gegenseitige Hilfe grundsätzlich selbstverständlich sein sollte. Sie unterstützt bereits eine älteren Dame aus ihrer Nachbarschaft im Haushalt und bei kleineren Erledigungen. „Ich kenne zwar nicht alle meiner Nachbarn, möchte aber trotzdem soweit möglich meine Hilfe anbieten“, sagt die 63-Jährige. Dazu füllt sie den Zettel “Nachbarn helfen Nachbarn“ aus und will diesen in ihrem Hausflur aufhängen.

Hilfsvermittlung auch telefonisch möglich

Wenn Sie Hilfe benötigen oder anbieten wollen, können Sie sich zudem telefonisch unter der Nummer 030 8872 77842 in unserer Redaktion melden.

Antje Rochlitz aus Mahlsdorf wandte sich am Montagmorgen per Telefon an die Berliner Morgenpost. Da sie demnächst ihre beiden Kinder im Alter von vier und sechs Jahren nicht mehr in die Kita bringen kann, brauchte sie Unterstützung bei der Betreuung. Zu ihrem Glück meldete sich Petra Christensen aus Petershagen östlich von Berlin. Sie sei dazu bereit, Kinder für zwei bis drei Stunden am Tag zu betreuen, um Eltern zu entlasten.

Auch ältere Leser, die derzeit ihren Alltag noch selbstständig bewältigen, haben sich telefonisch an die Redaktion gewandt und die Aktion begrüßt. „Ich finde die Idee mit dem Zettel sehr schön“, sagte eine Seniorin aus Wittenau. „Aber ich werde sie im Moment noch nicht nutzen.“ Auch ein 96 Jahre alter Leser aus Spandau rief an. „Ich möchte mich bei Ihnen bedanken, dass die Morgenpost diesen Aushang abdruckt.“

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Taxifahrer bieten Einkaufsservice an

Ebenfalls bereit zu helfen sind Berliner Taxifahrer. Wegen der Coronakrise haben sie wesentlich weniger Fahrgäste und bieten nun einen Einkaufsservice für vor allem ältere Menschen an, die sich selbst nicht versorgen können. Per Taxi liefern sie Getränke wie Wasser, H-Milch oder Säfte zu den Senioren nach Hause. Wer den Dienst in Anspruch nimmt, muss natürlich die Taxifahrt und den Preis für die Waren bezahlen.