Epidemie

Coronavirus: Klinikkonzern Vivantes räumt Station leer

Berlins Krankenhäuser bereiten sich auf Ausbreitung des Coronavirus und mehr Menschen mit schweren Symptomen vor.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Berlin. Noch geht es einigermaßen ruhig zu auf der Infektiologie-Station im Vivantes-Klinikum Neukölln. Ein Bett ist belegt mit einem Patienten, der an einem schwereren Krankheitsverlauf in Folge einer Infektion mit dem Coronavirus leidet. Die anderen Betten sind frei. Patienten zu isolieren, ist hier Routine „wie bei TBC“, sagt Kay Glänzel.

Der stellvertretende Betriebsratschef des städtischen Krankenhauskonzerns arbeitet selbst als Pfleger. Er berichtet von einer sehr professionellen Stimmung, trotz der Sorgen, die viele Beschäftigte eben doch umtrieben: „Die Kollegen machen ihren Job“, sagt Glänzel.

Vivantes hat Vorsorge getroffen für den Fall, dass die Zahl der Coronafälle in die Höhe schnellen sollte. Die restlichen Betten der Infektiologie wurden für mögliche Corona-Infizierte geräumt. Eine weitere Station ist ausgewählt, die notfalls ebenfalls leer gezogen werden könnte.

Noch ist das nicht notwendig. Denn das Virus ist in Berlin noch immer eine Krankheit der Jungen, der Gesunden. Von den 58 Infizierten, die Stand Dienstagnachmittag bekannt waren, befanden sich nur vier in Krankenhäusern. Das könne sich jedoch ändern, warnen Virologen, wenn der Virus auf ältere Bevölkerungsgruppen übergreift.

Coronavirus in Berlin: Noch gibt es keine Urlaubssperre für Mitarbeiter

Noch hat der Vivantes-Vorstand auch keine Urlaubssperre erlassen. Intern wurde jedoch schon kommuniziert, dass es dazu kommen könne, wenn mehr Patienten mit schweren Krankheitssymptomen aufgenommen werden müssten.

Falls Ärzte und Pflegepersonal selbst in größerer Zahl erkranken oder als Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt werden sollten, hat Vivantes vorgesorgt. Eine Betriebsvereinbarung regelt, wie und wo vorhandenes Personal auch außerhalb der üblichen Einsatzstandorte im Falle eines Notstandes ran müsse. „Personal müsste dann nach jeweils aktuellen Prioritäten eingesetzt werden“, sagt eine Vivantes-Sprecherin. Bei Bedarf würden dann auch geplante Operationen verschoben, um Personal für Notfälle vorzuhalten.

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Verantwortlich ist eine Task-Force aus Vertretern der Bereiche Hygiene, Infektiologie, Klinikmanagement und Katastrophenschutz. Das Gremium überwacht die sachgerechte Nutzung von Schutzkleidung und den ressourcenschonenden Einsatz von Einwegartikeln wie Masken, Kitteln oder Schutzbrillen.

25 Millionen Euro für Schutzkleidung und medizinische Geräte

Noch sei davon genug da, berichtet Pfleger Glänzel. Wenn er den Schrank öffne, finde er das Nötige. Gleichwohl hält Vivantes seine Mitarbeiter an, sparsam mit den Einwegartikeln umzugehen. Der Senat wird sich am Mittwoch vom Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses 25 Millionen Euro zusätzlicher Ausgaben bewilligen lassen, um Schutzkleidung und medizinisches Gerät gegen die Krise zu beschaffen.

Nötig sind vor allem Beatmungsgeräte für die Intensivstationen. Zwar verfügen die Berliner Häuser über mehr als 1000 entsprechend ausgestattete Betten. Aber wenn sich die Pandemie ausbreitet, könnten das zu wenige sein. Noch gebe der Markt her, was Berlin benötige, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) nach der Senatssitzung. Die Preise seien aber wegen der weltweit starken Nachfrage extrem gestiegen.

Der Beratungsbedarf der Berliner ist unvermindert groß. 250 Menschen besuchten allein am Montag die neue Abklärungsstelle von Vivantes in den Räumlichkeiten des ehemaligen Klinikstandortes Prenzlauer Berg. Im Wenckebach-Klinikum Tempelhof waren es 165.

In Prenzlauer Berg wurden 170 Patienten beraten und 120 Abstriche genommen; 80 Personen mussten ohne Beratung wieder abziehen. In Tempelhof wurden 100 Tests genommen und 40 Menschen nach Hause geschickt. Vivantes weist deshalb nochmals darauf hin, dass nur Menschen mit Krankheitssymptomen diese Anlaufstellen aufsuchen sollten.

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